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Debitismus - wie Geld wirklich funktioniert

powered by MAX  1.August 2007

(1) Das 1x1 der Wirtschaft
Veröffentlicht von Dr. Paul C. Martin am 12.07.2000


http://www.goldseiten.de/content/kolumnen/artikel.php?storyid=18

In den Medien oder in den Internet-Foren hört und liest man immer wieder Begriffe rund um die Wirtschaft. Viele Board-Teilnehmer haben jedoch Schwierigkeiten diese Begriffe und ihren Zusammenhang untereinander zu verstehen.
Herr Dr. Paul C. Martin, Autor vieler Wirtschaftsbücher (u.a. "Die Krisenschaukel") hat sich bereit erklärt, in einer für Jedermann kurzen und verständlichen Form, diese Begriffe zu erklären.
GoldSeiten.de möchte sich an dieser Stelle ganz herzlich bei Dr. Paul C. Martin bedanken!

Ich erfülle seine Bitte gern, zumal es immer wieder Begriffsverwirrungen gibt. Ich bitte, diesen Beitrag auch nur als ein kurzes Destillat meiner allgemein Theorie der Wirtschaft zu verstehen, die ich unter dem Begriff "Debitismus" in die Diskussion eingeführt habe und der - auch von Hochschulprofessoren - bisher nicht ernsthaft widersprochen werden konnte.

1. DEBITISMUS
Wort von "debit" (lat. = schuldet). Grundgedanke: Nicht Geiz und Gier, nicht Profitsucht oder ähnliches treiben die Wirtschaft voran, sondern der auf ihr lastende permanente Schuldendruck. Theorie übrigens von den Bremer Proff. Heinsohn & Steiger zum 1. Mal entdeckt, ihr Buch "Eigentum, Zins und Geld" erklärt alles en detail; allerdings sehr akademisch und umfangreich.

2. TAUSCHTHEORIE
Die ist Schrott, die Theorie nämlich, auf der alle (!) heutigen ökonomischen Modelle basieren, dass - im Grunde - immer ein Gleichgewicht in der Wirtschaft herrscht, weil die Kosten immer zu Einkommen werden und die dann die mit Hilfe der Kosten hergestellt Produktion vom Markt nehmen. Geld spielt darin sozusagen nur als "Tauschmittel" eine Rolle, quasi als Vereinfacher des Tausches von Zement in Hühner oder Löhne in BMW-Cabrios.


3. NACHSCHULDNER
Tatsächlich ist die Wirtschaft nie im Gleichgewicht, ganz einfach, weil Zeit verstreicht, bis die Kosten wieder ins die Firmen zurückkehren können. Diese Zeit kostet Geld (Zins). Aber das Geld dazu ist nirgends in der Wirtschaft vorhanden. Also? Also muss es sich jemand "leihen", so dass wir in einem System leben, das die alten Schuldner nur erlösen kann, indem immer wieder neue "Nachschuldner" dazu kommen. Fielen sie eines Tages aus, würden alle vorangegangenen Schuldner logischerweise sämtlich pleite gehen.

4. GELDMENGE
Irrlehre! Es gibt keine Geld"menge", das ist eine Begriffsverwechslung, aus dem Bereich der Güter entlehnt. Es gibt immer nur eine gleich hohe Summe von Guthaben und Schulden bzw. umgekehrt. Und da auf beidem immer Zins liegt, der aber immer wieder durch neue Verschuldung herbeigezaubert werden muss, schreit das System immer nach neuer Nettoneuverschuldung. Oder es geht unter.

Das war erstmal das Vorspiel. Und gleich geht's weiter:...

5. SCHULDENDRUCK
Jeder im Kapitalismus (= unsere freie Wirtschaft) ist ein armes Schwein. Selbst wenn er selbst mal gerade schuldenfrei ist, wohnt er doch in einem Haus, das sein Vermieter finanziert hat oder arbeitet in einer Firma, die gerade mit ihrer Bank um neue Kredite feilschen muss.

6. NACHFRAGE
Jeder kann nachfragen; dazu braucht er kein Geld. Es reicht, wen er sagt: "Ich kaufe" - wie er dann das Geld besorgt, ist sein Problem (Wechsel, Konto überziehen, Visa, Geld von Oma leihen usw.). Jeder Nachfrager ist - sub summa aller Nachfrager - also verschuldet, egal ob der einzelne doch gerade flüssig war/ist oder klamm.

7. INFLATION (I)
Jede Nachfrage steigert tendenziell den Preis - es sei denn der Unternehmer ist zu blöd, die Preise anzuheben, wenn der Laden voller Leute ist. Jeden Tag erleben wir also an einzelnen Märkten und in einzelnen Produkten Mini-Inflationen.

8. DEFLATION (I)
Nun habe ich also mein Ding, das tendenziell im Preis gestiegen ist. Aber ich habe noch nicht das Geld, um es zu bezahlen. Dazu muss ich mich nun anstrengen und etwas leisten oder produzieren - also ein Zusatzangebot in die Welt zu schicken. Und das senkt den Preis auf diesem Markt wieder. Also Mini-Deflationen.

9. STABILITÄT
So besteht die Welt aus lauter kleinen Inflationen und Deflationen - und am Ende bleibt das Preisniveau stabil. Dass das ganze vor dem Hintergrund der permanent benötigten "Zusatzverschuldung" stattfindet, spielt keine Rolle, denn 7 und 8 sind genau das, was damit gemeint war.

Das war's eigentlich schon: Alles paletti!
Zwar gibt's niemals Gleichgewicht, weil sich das System immer wieder aus sich heraus vorwärts treibt. Aber es läuft - es sei denn, die Nachschuldner fallen komplett aus. Aber warum sollten sie? Wir alle wollen doch besser leben und da stecken wir schon mal was ins Geschäft (der Unternehmer in seine Firma, wir in unser Ego).

Doch dann! ...

10. STAAT
Nun dürfen ja nicht nur wir Schulden machen, sondern auch ein sonderbares Gebilde, das STAAT heisst. Während wir unsere Schulden abarbeiten, für Zins und Tilgung sorgen müssen, juckt den STAAT sowas überhaupt nicht. Er ist der einzige Schuldner, der auf die Frage nach Zinszahlungen sagen kann: Ach schreiben Sie's doch dazu.

11. SCHULDENEXPLOSION
Der Staat darf also seine Schulden "stehen lassen" und damit mahlt der Zinseszins. Bei 7 % verdoppelt sich die Schuld alle zehn Jahre, bei 10 % alle sieben Jahre, usw. Einfach mal in die Schuldenkurven aller Staaten gucken - sofort ist alles klar. Da ist ein Hochleistungskrimineller am Werk gegen den Baulöwe Jürgen Schneider usw. Waisenknaben waren und sind.

12. FINALE
Vom Wiener Baurat und vereidigten Gerichtssachverständigen Dipl.-Ing. (einem unbestechlichen Naturwissenschaftler also) Walter Lüftl. stammt die Formel (hier in Worten, nicht in Zahlen):
Steigen Schulden schneller als das, woraus sie verdient werden können, kommt es in berechenbar endlicher Zeit zum Bankrott. Gilt für Tante-Emma-Länden genauso.
Nur beim Staat ist das, woraus er sich bedienen kann, nur die Wirtschaftsleistung, und wächst die langsamer als die Staatsverschuldung... (vollenden Sie den Satz bitte selbst). Alle Staaten sind hart unterm Wind auf Bankrott-Kurs.

13. INFLATION (II)
Die Staatsschulden sind zunächst zusätzliche Nachfrage und deshalb auch so beliebt, weil ins System des "Debitismus" (1) scheinbar passend. Da der Staat aber nicht leistet, fehlt die "Warenmenge", die das Preisniveau wieder senken könnte. Es kommt zur richtigen Inflation:
Immer nur Nachfrage, aber die erlösende Warenmenge erscheint nie. Es gibt demnach nur eine einzige (!) Ursache für Inflation - das ist der STAAT.

14. INFLATIONSENDE
Das ist - auch bei robuster Staatsnachfrage mit Hilfe immer neuer Schulden - spätestens dann erreicht, wenn die Kosten der Fortsetzung der Inflation ihre Erträge übersteigen. Kurz: Wenn die staatliche Neuverschuldung gerade noch ausreicht, um die inzwischen aufgelaufenen Zinszahlungen zu egalisieren. Dann ist der Zauber weg und selbst bei größten Defiziten (siehe heute Japan) schmiert die Wirtschaft mehr und mehr ab.

15. HYPERINFLATION
Der Staat kann auch noch die Notenpressen laufen lassen und Geld drucken wie blöd (bei der Notenbank wird's abgeholt gegen Hinterlegung immer kurzfristigerer Rückzahlungsversprechen), doch auch das endet nach Regel 14: Die deutsche Hyperinflation endete 1923 warum? Weil die Kosten für Papier und Druck höher waren als das, was draufstand. Deshalb sind die letzten "Billionen"-Scheine nur noch ganz klein und bloß einseitig bedruckt.

16. DISINFLATION
Die Hyper-Infla-Lösung steht diesmal noch aus. Nach der ausschließlich STAATSverschuldeten Normal-Inflation der 70er Jahre kam erst mal die Infla-Kippe (auch durch "Bremsmanöver" der Notenbanken) und dann sanken die Preissteigerungsraten und damit die Zinsen.
Eigentlich sehr schön, nicht? (Aber Achtung: Die alten Schulden sind stehen geblieben, wir sehen sie noch wieder; Schulden verschwinden nie von selbst!).

17. GOLD
Die Goldhausse der 70er Jahre mit Spitze 1980 bei 850 $ / Unze brach mit Crash (Sachwerte-Crash) und damit war das Thema vorerst zu Ende...

18. BÖRSEN-HAUSSE
... bis es dann 1982/83 zwanglos in die Finanztitel-Hausse mündete, die mit jeder Menge Möglichkeiten, auf die Notenbanken zu ziehen richtig flott gemacht wurde, die aber vor allem der sinkende Zinsfuß vorantrieb.

19. MANIE
Die Hausse wurde, wie immer, wenn die Gier jeden mit Blindheit schlägt, vollends zur Manie, es wurde entspart (USA), sogar auf Aktien Kredit aufgenommen wie noch nie zuvor in der Weltgeschichte.
Double-your-money-every-hour!

20. TOP
Auch die Finanztitel-Hausse muss logischerweise enden (wie vorher die Sachwert-Hausse), sobald die Kosten ihrer Fortsetzung ihren Ertrag übersteigen. Dies wurde durch die Zinsanhebungen der Fed (amerikanische Notenbank) ermöglicht, die sowieso nichts kapiert hat. Wenn Fed-Chef Greespan in der Hausse von einer "irrational exuberance" spricht, versteht er nicht, was in jeder Disinflation vollständig "rational" passiert (zum letzten Mal 1923 ff.; US-Infla davor war 1915 bis 1920).

21. CRASH
Ob Crash als Crash, als Salami oder als langer Bärenmarkt daherkommt, ist egal. Es geht abwärts, immer mehr Träume platzen, immer mehr Kredite werden notleidend, Stimmung schlägt um. Der Bär hat viel Zeit und nur eins im Sinn: die maximal mögliche Zahl von Anlegern mit sich in die Tiefe zu nehmen.

22. DEFLATION (II)
Das ist der eigentliche Würger. Weil die alten Guthaben ja noch da sind (gleich hoch wie die Schulden - Sie erinnern sich doch!), drängend die jetzt immer mehr auf Zahlung. Und da die Preise anfangen zu sinken (Notverkäufe und andere Ursachen; schließlich haben wir ja "Debitismus", d.h. ständigen Liquiditätsdruck), wiegen die zum alten Nominalwert existierenden Schulden "real" immer schwerer.

23. DEPRESSION
Dann fällt alles, Kurse, Preise, Werte. Ob die Zinsen auch noch auf Null gesenkt werden, spielt keine Rolle mehr, siehe Japan jetzt. Die ausgweglose Lage entsteht. Hilfe wäre nur möglich, wenn die Schulden/Guthaben gestrichen bzw. zumindest zinsfrei gestellt würden - und das zumindest bei den Staatsanleihen, die nichts anderes sind als Forderungen der Bürger an sich selbst, Schwindelpapiere also, oder eben ein "hochverzinsliches Nichts".

24. SCHLUSS
Der ist erst, wenn alle jene Schulden ausgebucht sind, die die Inflation verursacht haben. Schluss in der Geschichte heisst immer: Das alte Preisniveau (Vor-Infla!) wird wieder erreicht. Perfektes Beispiel USA: Die Preise von 1915 wurden punktgenau (!!) 1934 wieder erreicht. Also herrschte 20 Jahre absolut stabiles Preisniveau - oder nicht? Wer spricht denn da von "Weltwirtschaftskrise", was will er uns damit sagen? Ich sage aber: Auch diesmal werden alle Preise, vergleichbare Güter vorausgesetzt, wieder auf das Niveau der frühen 50er Jahre fallen.

Tja und nun? Und GOLD??? Jetzt wird's spekulativ.

25. GOLD WOHIN? (I)
In der Deflation fallen alle Preise, auch der von Gold. Wie weit weiß ich nicht. Es gibt für mich nur ein einleuchtendes Preisziel, das von Jürgen Küssner, dem m. E. besten Elliott-Wellen-Analytikers, den ich kenne (man schaue in seine Page). Es liegt bei ca. 200. Ich weiß natürlich, dass es einen absoluten "Nullpunkt" für Gold gibt. Der liegt bei 42,22 US$/Unze. Zu diesem Preis muss US Treasury alles Gold ankaufen, das angeboten wird. Tiefer kann der Preis nicht fallen.

26. GOLD WOHIN? (II)
Küßner "sieht" aufgrund seiner sehr sorgfältigen Analyse eine Goldpreis von 2000 bis 3000 $/Unze. Für mich "fundamental" gesehen unvorstellbar, weil selbst in einem Komplett-Crash des Geld- und Finanzsystems kein Mensch mehr ins Gold gehen kann, ganz einfach weil ihm das Geld dafür fehlt (niemand hat dann mehr "Geld"), ich erinnere an Hongkong nach dem 87er Crash: Gleich nach den Aktien stürzte Gold, weil Liquidität beschafft werden musste. Also kann hinter dieser verwegenen Analyse nur etwas ganz anderes stehen: Eine Goldauf- (= Dollarab-)wertung!

So etwas gab's zuletzt 1934 unter Roosevelt (von ca. 20 auf 35 US$/Unze). Mit einem solchen Geniestreich würden sich die USA schlagartig ihrer Schulden entledigen (die entsprechend abgewertet würden). Das Preisniveau würde schlagartig steigen und alle Schuldner entlasten. Nummer funktioniert aber nur, wenn anschließend wieder Rückkehr zum alten, Goldstandard mit Goldan- und -verkaufsverpflichtung in jeder gewünschten Höhe.

Reine Spekulation heute noch. Und auf keinen Fall eine Anlageempfehlung weder auf der Long- noch auf der Short-Seite.

© Dr. Paul C. Martin

(2) Was ist Debitismus
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie


http://de.wikipedia.org/wiki/Debitismus#Weblinks

Der Begriff "Debitismus" wurde zum ersten Mal von dem Wirtschaftsjournalisten Paul C. Martin in seinem Buch "Der Kapitalismus - ein System das funktioniert" (Ullstein 1987) verwendet. Er griff dabei Arbeiten der Bremer Professoren Gunnar Heinsohn und Otto Steiger (Wirtschaftswissenschaftler) auf, in denen diese Geld statt als Tauschmittelgut als übertragbares Schuldverhältnis (Kredit) und damit als Verpflichtung definiert hatten,[1] und entwickelte deren Vorstellungen weiter zu einem Modell, in dem kapitalistisches Wirtschaften in Analogie zu einem "Kettenbriefsystem" beschrieben wird.[2]

Der Debitismus betrachtet die Volkswirtschaft nicht als Summe von Tauschgeschäften, wie es in der neoklassischen Theorie formuliert wird, sondern als Summe von Schuldverhältnissen. Der ausformulierte Debitismus nennt heute vier Gruppen von Schuldverhältnissen:

1. Die Urschuld (oder Subsistenzpflicht) bezeichnet die Pflicht des Einzelnen, zur Selbsterhaltung zu konsumieren. Sie kann durch Produktion und anschließendem Selbstverbrauch des Produzierten getilgt werden. Die Urschuld entspricht den vom Marxismus definierten Reproduktionskosten der Arbeiterklasse, während die neoklassische Theorie keinen notwendigen Mindestkonsum des Einzelnen definiert.

2. Die religiöse Schuld bezeichnet die Pflicht des Einzelnen, "freiwillige" Zahlungen an seine Religionsgemeinschaft zu entrichten. Sie wird durch Opfer bzw. Abgaben an religiöse Instanzen getilgt. Der Zehnt gehört zu den ältesten Formen einer religiösen Schuld; er wird von einzelnen Religionsgemeinschaften, beispielsweise der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ("Mormonen") und Richtungen des Islam (Zakat), noch heute auf freiwilliger Basis parallel zum staatlichen Steuersystem erhoben. Bei Nichterfüllung erfolgt soziale Ächtung bzw. eine "Bestrafung" nach Ableben des Schuldners ("Jenseitsvorstellungen").

3. Die Kontraktschuld bezeichnet die vertraglich festgelegte Schuld zwischen kontraktfähigen natürlichen oder juristischen Personen nach Abschluss eines entsprechenden Schuldvertrages, der Leistung und Gegenleistung, Termin sowie Sanktion bei Nichterfüllung beinhalten muss (--> Arbeitsteilung). Die Vollstreckung einer Kontraktschuld resultierte in früheren Jahrhunderten oft im ökonomischen und sozialen Ruin des Schuldners. {Max: das ist auch heute noch so! Nur Konzerne und Firmen mogeln sich aus der Verantwortung des Bankrotts heraus}

4. Die Abgabenschuld bezeichnet die vom jeweiligen Machthaber (Herrscher, Staat) festgesetzte und mit ausgeübtem oder angedrohtem Waffeneinsatz ("coercive power") eingeforderte Abgabenlast des Einzelnen. Die Einführung eines staatlichen Gewaltmonopols ist Voraussetzung für die Erhebung einer Abgabenschuld. Das geforderte Abgabengut (in Japan war es Reis, in Westeuropa war es gemäß bullionistischer Auffassung Gold und Silber) gilt als gesetzliches Zahlungsmittel, das auch zur Tilgung aller anderen Schuldverhältnisse verwendet werden kann. Die Abgabenschuld begründet nach debitistischer Auffassung den Zwang des Einzelnen, seine selbsterzeugten Güter oder seine Arbeitskraft auf Märkten anzubieten, um Zahlungsmittel zur Tilgung seiner Abgabenschuld zu erwerben.

Die Geschichte und Systematik der Steuern und Abgaben ist ein Schwerpunkt der debitistischen Forschung. Nach debitistischer Auffassung liegt der Ursprung der Steuern im Tribut unterworfener Völker, der nach Übernahme der Tributgebiete bzw. Einbeziehung der Tributpflichtigen in das ursprüngliche Machtareal zur Steuer umgewandelt wird.

Die Existenz des staatlichen Gewaltmonopols (Gesetze, Gerichte, Polizei) ist andererseits auch unabdingbare Voraussetzung für das Funktionieren einer Marktwirtschaft und begründet das Eigentum als staatlich garantiertes Besitzrecht. Zur Finanzierung seiner Machtausübung muss der Staat sich nach debitistischer Auffassung im Vorgriff auf künftige Abgabenschulden ("Staatsschulden") verschulden.

Zur Bezahlung dieser (vom Machthaber festgesetzten) Steuern und Abgaben müssen auch die Bürger private Schulden aufnehmen. Der Zeitunterschied zwischen dem (frühen) Steuertermin des Bürgers und dem (späten) Zeitpunkt seines Einkommens erklärt und rechtfertigt für Paul C. Martin die Erhebung von Zinsen. Dadurch beginnt eine Schuldenspirale, die nur durch periodische Wirtschaftskrisen und damit verbundene Revolutionen unterbrochen werden kann.

Herausgezögert werden solche Krisen dadurch, dass die modernen Staaten ihre Besteuerungsbasis ständig ausweiten durch Privatisierung immer weiterer Bereiche (in den USA z.B. sogar die Gefängnisse). Das Element der Androhung staatlicher Gewalt bei Nichterfüllung der Abgabenforderungen nimmt dem gegenüber stark ab.

Der Debitismus lehnt das neoklassische Tausch-Konzept sowie sämtliche daraus entwickelten makroökonomischen Modelle, z.B. die Quantitätsformel mitsamt der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ab. {Max: Umlaufgeschwindigkeit gibt es laut Martin nicht. Siehe unten.}Stattdessen werden alle Wirtschaftstransaktionen als Schuldenaufnahme bzw. Schuldentilgung definiert, denen eine entsprechende Guthabenbildung bzw. Guthabenvernichtung gegenübersteht. Der Begriff Zeit spielt in der debitistischen Theorie eine extrem wichtige Rolle

Kritik

Das Konzept des Räuberstaates mag für die Staaten der frühen Neuzeit und während der kolonialistischen Expansion der europäische Staaten gültig gewesen sein. Die modernen europäischen Staaten beruhen jedoch auf einem komplexen Entscheidungsprozess, der einkommensunabhängige Steuern nicht vorsieht.

Dem ist wiederum entgegen zu halten, dass die Failing States (unter der Herrschaft von "Kriegsherren" bzw. "Gewaltkaufleuten" (Georg Elwert)) in der Gegenwart Stoff der aktuellen Ethnologie und Politologie sind.

Der Debitismus unterschätzt die Folgen des Schuldendrucks für wirtschaftlich Schwache und übersieht die Probleme der Überlastung der Wirtschaftsteilnehmer.

Die im Einklang mit der bankbetriebswirtschaftlichen Realität stehende Konzeptualisierung von Geld als Schuldverhältnis oder Kredit ist nicht neu. Angefangen mit dem merkantilistischen Ökonomen James Steuart gab es in der Geschichte der Wirtschaftswissenschaften eine Reihe von Ökonomen, die diese Auffassung vertreten haben[3]. Als weitere Autoren, die Geld als Schuldverhältnis sehen, wären hier noch Mitchell Innes[4] und Johann Philipp von Bethmann zu nennen.

Die Auffassung von Geld als Kredit konnte sich trotz ihrer weitaus höheren Realitätsnähe im Mainstream der Wirtschaftswissenschaft nie durchsetzen.

Der Debitismus wird nicht nur im privaten Kreis diskutiert. Er wird von einigen Professoren (u.a. Heinsohn und Steiger) als Alternative zur gegenwärtigen Wirtschaftstheorie angesehen.


(3) DEBITISMUS
(Macht, Staat, Zins, Wirtschaften, Geld, uvm.)
Beiträge von Dr. Paul C. Martin



Notenbankkredit

http://www.miprox.de/Wirtschaft_allgemein/Debitismus-PCM.pdf

Bekanntlich gehen die mainstreamer davon aus, dass es "Kredite der Notenbanken an Geschäftsbanken" gibt. Es ist ihr zentraler Glaubenssatz, an dem zu rütteln keinem bekommt. Der Glaubenssatz ist zentral, da es ohne solche "Kredite" keine Möglichkeit gäbe, das Wirtschaftsgeschehen gedeihlich zu beeinflussen.

Der Kreditgeber hat den Kreditnehmer in der Hand: Gibt er ihm den Kredit, kann der mit dem Kredit arbeiten; verweigert er den Kredit, kann er nicht damit arbeiten. Ein Kredit der Notenbank ist unbezweifelbar eine Forderung (Aktivum) der Notenbank, wie umgekehrt ein ihr von der Notenbank gegebener Kredit für die Geschäftsbank eine Schuld darstellt (Passivum).

Wie war es nach der Währungsreform von 1948? Die Notenbank hat ihre Kredite an inländische Kreditinstitute tatsächlich aktiv verbucht, wie hier zu sehen (die erste Zeile ist das Jahr 1948 usw.; es geht um Mio DM): Im Jahr 1948 sind insgesamt 1651 Mio DM solcher "Kredite" vergeben worden. Sie setzen sich zusammen aus 1446 Mio DM , die unter dem Rubrum "Inlandswechsel" und 205 Mio DM, die unter dem Rubrum "Lombardforderungen und sonstige Kredite" verbucht sind.

So weit so gut. Nun sind "Inlandswechsel" keine Bankwechsel in dem Sinne, dass die Kreditinstitute auf sich selbst gezogen und anschließend die Wechsel an die Notenbank weiter gereicht hätten, um im Gegenzug einen "Kredit" der Notenbank zu erhalten. Das wäre auch unnötig gewesen, denn die Notenbank hätte entweder den Kredit blanco vergeben können oder indem sie dingliche Sicherheiten verlangt.

* Im ersten Fall hätte die Notenbank zunächst eine Sache,
nämlich Banknoten verliehen, der zweite Fall ist nicht
eingetreten, die in der NB-Bilanz keine Grundstücke der
Banken o.ä. erscheinen. Im ersten Fall hätte die NB auch
immer nur Banknoten dinglich verleihen können und kein
Guthaben, über das sie selbst verfügt auf dem Wege über eine
Zession desselben.

* Im zweiten Fall hätte die Bundesbank keinerlei
Bewertungsmöglichkeit für die ihr angetragene Sicherheit
Grundbesitz o.ä. gehabt. Denn eine Bewertung von Immobilien
kann erst Statt finden, nachdem Notenbankgeld in Erscheinung
getreten und Grundstücke o.ä. mit Hilfe desselben hätten
gekauft werden können. Das aber hätte erst geschehen können,
nachdem Notenbankgeld erschienen wäre. Dies hätte aber
wiederum erst erscheinen können, nachdem Grundbesitz o.ä.
mit Hilfe von Notenbankgeld umgesetzt worden wäre. Die Katze
hätte sich also in den Schwanz gebissen.

Die rätselhaften Kredite der Notenbank an inländische Kreditinstitute waren also überhaupt keine Kredite, sondern nichts anderes als die Verwandlung von bereits vorhandenen Kredittiteln (Inlandswechsel, Lombardpapiere) in Banknoten bzw. Buchgeld, über das die Banken ihrerseits verfügen konnten, indem sie nicht abgerufene Banknoten in Form eines Guthabens bei der Notenbank stehen ließen, um es jederzeit an andere Banken oder Nichtbanken weiter buchen zu können. In diesem Zusammenhang ist auch das Wort "Lombardforderungen" interessant. Aus einem Lombardpapier (z.B. Staatsanleihe) kann immer nur einer Rückzahlung fordern, nämlich der jeweilige Inhaber des Papiers. Der Inhaber des Papiers ist zunächst die Bank. Die Bank tritt diese Forderung aber nicht an die Bundesbank gegen den Erhalt von Banknoten ab, die sie hinfort bis zur Endfälligkeit behalten kann, sondern sie hinterlegt die Forderung als Sicherheit für den Zeitraum, für den sie von der Notenbank Banknoten (oder eine Gutschrift, nicht einen Kredit!) in Höhe der Summe, auf die die Papiere lauten (abzüglich des Lombardsatzes).

Die Notenbank vergibt also keine Kredite an Kreditinstitute, sondern sie verwandelt vorübergehend bereits vorhandene Kredite (Wechsel, Lombardpapiere) in Banknoten.

Das wird völlig klar, wenn wir uns vergegenwärtigen, was geschähe, wenn sich die Kreditinstitute in der Zeit auflösen würden (freiwillig oder durch Konkurs), während der die von ihnen an die Notenbank weiter gereichten Wechsel und Lombardpapiere noch bei der Notenbank liegen. Die Notenbank könnte die Inlandswechsel nur beim Schuldner bzw. beim Gläubiger des Wechsels einklagen (beim Wechsel haften beide gleichermaßen, auch die Bank, die quergeschrieben hat, aber die Bank betrachten wir der Einfachheit halber als nicht mehr existent).

Die aus dem Wechsel verpflichteten Parteien müssten dann ihrerseits der Notenbank das Notenbankgeld zurück geben. Und bei den Lombardpapieren müsste sich die Notenbank gedulden, bis sie Endfälligkeit erreichen, um sich ihr Notenbankgeld zurück zu klagen, bei Staatspapieren wäre es der Staat. Dem eben geschilderten Tatbestand ist es zu verdanken, dass die Geschäftsbanken ihrerseits nirgends eine Verbindlichkeit gegen die Notenbank verbuchen und auch gar nicht können, da sie diese nicht haben.

Aus den Lombardpapieren sind sie per se nicht verpflichtet, sondern der Staat.

Aus dem Wechsel sind sie auch nicht als Gläubiger oder Schuldner verpflichtet (das sind beim Inlandswechsel immer Nichtbanken), sondern sie stehen durch ihr Querschreiben des Inlandswechsels nur in Haftung. Aus einer Haftung selbst ist jedoch niemand verpflichtet (schuldig), bevor nicht der Haftungsfall selbst eingetreten ist. Sonst müssten z.B. auch Versicherungen sofort nach Abschluss einer Versicherung den vollen Betrag, der beim Eintritt des Versicherungsfalles zur Auszahlung fällig wäre, als Verbindlichkeit (Schuld) verbuchen.

Und so kommt es denn, das die Kreditinstitute selbst "Guthaben" bei der Notenbank verbuchen und niemals Verbindlichkeiten gegenüber der Notenbank, was sie aber tun müssten, wenn es so etwas wie "Kredite an Kreditinstitute" gäbe. Wie diese Darstellung aus der Startphase der DM beweist: "Kredite an Kreditinstitute" sind Kredite von Kreditinstituten an Kreditinstitute, denen Einlagen und aufgenommene Kredite von Kreditinstituten gegenüberstehen einschließlich weitergegebener Wechsel (was beides nicht ganz "passt", z.B. werden schon allein die "durchlaufenden Kredite" der Kreditinstitute untereinander aktiv und passiv unterschiedlich hoch verbucht, was per se ein Unding ist und deshalb gesondert untersucht werden sollte).

Die "Guthaben der Kreditinstitute" bei der Bundesbank werden 1948 mit 1 457 Mio DM ausgewiesen, was wundersamerweise fast genau dem Betrag entspricht, den die Bundesbank unter "Inlandswechsel" ihrerseits als "Kredite an inländische Kreditinstitute" in Höhe von 1 446 Mio DM verbucht.

Da nicht beide - Bundesbank und Kreditinstitute - gleichzeitig Kredite bzw. Guthaben gegeneinander buchen können ohne entsprechende Verbindlichkeiten gegeneinander zu buchen, tritt der Schwindel offen zu Tage.

Die Kreditinstitute können jederzeit über ihre Guthaben bei der Notenbank verfügen. Die Notenbank aber kann nicht über ihre "Kredite an Kreditinstitute" verfügen, sondern sie muss, nachdem sie einmal Banknoten gegen Wechsel oder Lombardpapiere ausgegeben hat, immer warten.

* Entweder bis die Frist verstrichen ist, an der die von ihr an die Banken ausgegeben Banknoten zurückgegeben werden müssen. Dies ist eine physische Rückgabe (dinglich, Rückgabe einer vertretbaren Sache) und keine Rückzahlung (tilgend).

* Oder sie muss (im Fall des zwischenzeitlichen Ausscheidens der Banken) warten, bis die ihr als Besicherung bei der Ausgabe (nicht Kreditierung) ihrer Noten bzw. jederzeit in Noten abrufbaren Gutschriften hingegebenen Schuldtitel nach den auf ihnen vermerkten Fristigkeiten fällig werden. Dann kann sie die Rückgabe der vertretbaren Sache "Banknoten" einklagen.

Soweit die Sachlage in dem Punkt "Notenbankkredit". Letztlich läuft alles auf eine Verwechslung von Kreditgewährung mit Sicherheitsablegung und auf eine Verwechslung von Sachenrecht mit Schuldrecht hinaus.

Geldumlauf 1 / Inflation & Deflation

Fast jeder Banknote und jeder Münze ist sofort anzusehen, dass sie benutzt wurden. Daraus wird gern der Begriff "Geldumlauf" abgeleitet. Da auch die Karten eines Karten- oder die Geldscheine eines Monopolyspiels benutzt ausschauen, muss der Unterschied geklärt werden. Er besteht bezogen auf Banknoten und Münzen darin, dass mit ihrer Hilfe etwas bezahlt wird. Das Vorhandensein eine Kaufkontraktes erzwingt die Bezahlung und damit die Tilgung einer Schuld des Käufers. Die Schuld kann eingeklagt werden. (Beim Spiel wird eine "Schuld" nur mit Hilfe der Regeln simuliert, also ein Zwang zur Weitergabe. Dies kann nicht eingeklagt werden). Um sich dem Phänomen des "Geldumlaufs" zu nähern, gab es verschiedene Versuche. Sie beginnen mit dem einfachen Voraussetzen einer "Zirkulation", ohne sie näher zu hinterfragen oder zu erklären. Dann gibt es den Ausdruck "Taler, Taler, du musst wandern". Dabei wird allerdings auch nicht gesagt, was sich hinter dem "muss" versteckt. Der Zwang zur Zirkulation des Talers wird nicht aus der Tatsache abgeleitet, dass er zirkulieren muss, weil es auf Taler lautende Schulden gibt, die vollstreckt würden, falls er nicht zirkuliert.


Es gibt Vorstellungen, man könne den Geldumlauf beschleunigen, um so Kaufakte zu erzwingen. Man meint z.B. in einer Inflation würde mehr gekauft, weil das Geld immer wertloser wird und es sich also "lohnt" schneller zu kaufen (sog. Schnellkauf-Mythos - z.B. "Warum mit dem Autokauf warten? Im nächsten Jahr ist das Auto teurer").

Der Inflationismus ist aber ein rasch durchschauter Trugschluss. Denn eine Inflation kann nicht mit dem bereits vorhandenen Geld initiiert werden, sondern nur, indem zusätzliches Geld in die Welt kommt (was normalerweise nur durch Verwandlung von neuen - und immer vor der Geldausgabe existierenden - Schuldtiteln in Banknoten bzw. ZB-Guthaben geschieht, siehe dazu auch "Notenbankkredit" oben). Selbst wenn das neue Geld möglichst "netto", bzw. über zusätzliche, gegen kurzlaufende Staatstitel ausgegebene Banknoten, in Erscheinung tritt, was wir aus den sog. Hyperinflationen bestens kennen, muss sich die Inflation doch immer erst "warm laufen", was der Preismechanismus vorschreibt: Jeder, der als erster seine Preise erhöht (und einer müsste der erste sein) riskiert sein ganzes Geschäft, da alle anderen Geschäfte (noch) billiger als er selbst anbieten.

Die Beschleunigung des Geldumlaufs ist zunächst nur die Tatsache, dass zusätzliches, also "immer mehr" Geld umläuft und nicht etwa, dass das bisherige Geld schneller umläuft.

Die säkulare Abnahme der "Geldumlaufsgeschwindigkeit" wie hier zu sehen: ist damit zunächst erklärt (ex: Friedman, "The Optimum Quantity of Money", S. 127). Auf weiteres zur "Velocity" wird in Geldumlauf 2 noch eingegangen.

Wird nun vom Publikum beobachtet, dass nicht nur immer mehr Geld umläuft, sondern immer schneller immer mehr Geld umläuft, kann in der Tat alles Geld immer schneller umlaufen.
Auch das Publikum läuft dann (buchstäblich) immer schneller, um noch etwas mit dem sich jetzt rapide entwertenden Geld zu kaufen (siehe Hyperinflationen). Dieser schnellere Geldumlauf ist allerdings im wesentlichen auf die direkten Lebensbedürfnisse begrenzt, weshalb in einer Hyperinflation zwar Bäcker und Wurstverkäufer usw. florieren, aber der große Rest der Wirtschaft immer stärker stagniert und zurückgeht.

Eine Hyperinflation wird niemals den Sektor "Stahlwerke" erfassen, in dem Sinne dass Stahlwerke auch immer teurer werden. Dies schon deshalb nicht, weil den Stahlwerksanbietern jegliche verlässliche Kalkulationsbasis (was kostet eine Stranggussanlage in zwei Jahren?) fehlt und sie nicht "auf gut Glück" neue Stahlwerke anbieten können, ohne Kopf und Kragen zu riskieren.
Eine Hyperinflation ist daher letztlich immer mit einer allgemeinen Verelendung verbunden. Das Tempo des Geldumlaufs bleibt allerdings auch in ihrem eng begrenzten Wirkungskreis das immer schnellere Abschließen von Kaufakten, aus denen dann die Schuld, mit Geld bezahlen zu müssen, resultiert.
Diese Beschleunigung der Kaufakte (Abschluss von Kaufkontrakten) findet ihre Grenze in sich selbst. Es hat keinen Sinn, alles zu kaufen, nur weil alles teurer wird und man weiß, dass alles teurer wird, weil man dadurch, dass alles teurer wird, nicht mehr Kaufkraft selbst in Händen hat (Kaufkraft definiert als das einem zur Verfügung stehende Geld korrigiert um die laufende Entwertung des Geldes).

Deshalb kann niemand die Inflation mit dem jeweils ihm zur Verfügung stehenden Geld überlisten, sondern nur - sofern es sich um Kaufakte handelt - indem man sich in dem sich - über die steigenden Preise - entwertenden Geld zusätzlich verschuldet. Dann hat man nicht nur die vorhandene Kaufkraft zur Verfügung, sondern auch die mit Hilfe des Kredits zusätzliche Kaufkraft. Dies bietet sich an, wenn man die durch die Kreditierung entstandene Schuld mit "entwertetem" Geld zurückzahlen kann.

Kann man dies am Ende nicht, z.B. weil die Inflation gestoppt wurde oder es gar zu einer Währungsreform bzw. -umstellung kommt, oder (noch schlimmer) anschließend an die Inflation Ausgleichszahlungen fällig werden bzw. Umstellung der Schulden auf frühere Kaufkraft erfolgt, wie es 1923 oder 1948 geschehen ist, ist der vermeintliche "Inflationsgewinn" sofort wieder dahin. Man muss dann seine Schulden zu den alten Preisen bzw. mit früherer Kaufkraft abarbeiten.

Jede Spekulation auf die mühelose Entschuldung in einer Inflation ist daher eine höchst gefährliche Sache. Umgekehrt ist es auch höchst schwierig, in einer Deflation die Zahl der Kaufakte zu erhöhen (vulgo = den Geldumlauf zu beschleunigen), weil dazu erst eine massive Inflationserwartung aufgebaut werden muss (vgl. die Vorschläge von Prof. Paul Krugman in puncto Japan).

Eine Inflation muss aber nicht nur "versprochen" werden, sondern sie muss deutlich sichtbar Statt finden. Sie kann ihrerseits aber nur deutlich sichtbar Statt finden, wenn durch massierte zusätzliche Käufe die Preise steigen. Diese Käufe könnten aber zunächst nur mit dem bereits vorhandenen Geld getätigt werden, da das zusätzliche Geld noch nicht erschienen ist.

Erscheint das zusätzliche Geld, wird es auch nicht für zusätzliche Käufe verwendet, sondern zunächst einmal, um mit seiner Hilfe bereits bestehende Schulden aus früheren Kaufakten abzuzahlen. Dies gilt nicht nur für die Konsumenten, sondern für den gesamten Rest der Wirtschaft, bei dem das von den Konsumenten ausgegebene Geld über kurz oder lang ankommen würde. Das Geld kursiert nicht von Konsument zu Konsument, sondern von Konsument zum Geschäft, von dort zum Lieferanten, von dort zum Hersteller, von dort zum Vermieter usw. Das Geld macht, um ein Bild zu gebrauchen, niemals einen "Kreis", sondern es steigt immer eine Treppenstufe höher.

Bereits vorhandene Schulden (egal auf welcher Stufe der Treppe) sind in einer Deflation das Allerschlimmste, da sie in einer sich ständig erhöhenden Kaufkraft zurück gezahlt werden müssen, also immer mehr Leistung erfordern, bis man sie schließlich hinter sich hat.

Durch die Tilgung von Schulden mit Hilfe von zusätzlichem Geld werden in der Deflation solange keine neuen Kaufakte getätigt, bis - schlimmstenfalls - alle aus der früheren Zeit her rührenden Verbindlichkeiten getilgt sind.

Daher frisst sich nach einem Kreditexzess die Deflation immer weiter fort, d.h. es kommt zu keinen neuen Kaufakten (und einem möglicherweise dadurch sich wieder erholenden Preisniveau). Und je länger sich die Deflation fortsetzt, um so drückender werden die Schulden. Und umso mehr Schulden werden unbedienbar. Im Extremfall kann die Deflation, die ihrerseits immer mehr alte Schulden unbedienbar werden lässt, erst gestoppt werden, nachdem sämtliche (!) Schulden getilgt sind.


Da in früheren (vordeflationären) Zeiten aber nicht nur mit Geld, sondern auch mit Kredit nachgefragt wurde und in einer Deflation die Kreditnahme (selbst bei Nullzins!) rapide nachlässt, entfällt obendrein der Block der Nachfrage, die bisher mit Hilfe von Kredit ausgeübt wurde. Dem deflationären Teufelskreis kann kaum einer entkommen, zumal die laufenden Einkommen ihrerseits (Arbeitslosenproblem) auf breiter Front wegbrechen. Bis die Deflation ausgelaufen ist, gibt es faktisch kein Mittel, die Zahl der Kaufakte (vulgo = den Geldumlauf) irgendwie zu erhöhen, auch nicht mit dem Kunstgriff das Problem mit Hilfe von "sich selbst (also nicht durch die Preise) entwertendem Geld" zu lösen. Denn auch dieses Geld würde nicht zu neuen Kaufakten stimulieren, sondern es würde zunächst dazu dienen, die bereits existierenden und immens drückenden Schulden abzubauen.

Auch ein Schein, auf dem stünde "Morgen nur noch die Hälfte wert" würde sofort zur Schuldentilgung verwendet werden, dies sogar umso mehr, je höher die Entwertung ist. Denn "Morgen" könnte ich nur noch halb so viele Schulden tilgen wie ich es heute kann. Für neue und zusätzliche Kaufüberlegungen wäre erst dann Platz, nachdem alle ihre Schulden getilgt haben, was umso länger dauert, je höher die bereits existierenden Schulden sind.

Geldumlauf 2 / Scheidemünzen und Banknoten

Wenn das heutige Geld in unseren Brieftaschen und Geldbeuteln betrachten so sehen wir Banknoten und Scheidemünzen. Letztere heißen so, damit man sich bei Zahlungen einfacher "scheiden" (= von einander trennen) kann. Scheidemünzen kann es nur geben, wenn und weil es Banknoten gibt. Die erste geprägte D-Mark erschien 1950, die Währungsreform, die den Deutschen neue Banknoten bescherte, war 1948. In der Zwischenzeit behalf man sich mit "Scheidepapierchen" (auf historische Entwicklung wird noch eingegangen). Scheidemünzen gibt der Staat aus, weshalb sie in Deutschland die Worte "Bundesrepublik Deutschland" tragen.

Die Banknoten tragen den Namen der ausgebenden Bank (ab 2001 werden € ausgegeben, die den Aufdruck EZB, ECB, BCE usw. tragen). Oft begreifen selbst Währungspolitiker nicht, was Sache ist. So erschienen 1949/50 tatsächlich 50-Pfg-Stücke mit der Aufprägung "Bank Deutscher Länder":

Dies war ganz falsch, weshalb ganz schnell die Prägestempel geändert wurden. Die Münzen existieren aber bis heute und werden in bester Erhaltung und geprägt mit Jahreszahl 1950 und Münzzeichen G für über 1000 DM gehandelt. Es lohnt sich also, solche Fehlprägungen zu suchen und aus 50 Pfg, die man als Wechselgeld erhält, 1000 DM zu machen.

Die "Bank Deutscher Länder" war die Vorgängerin der Deutschen Bundesbank. Ihr Chef war Geheimrat Vocke, der schon unter dem Kaiser und dann unter Hitler in der Reichsbank an führender Stelle tätig war und also hätte wissen müssen, dass er einen Unfug veranstaltet. Diese falsch geprägten 50-Pfg-Stücke ließen sich aber nicht mehr herausfischen und so sind sie bis heute geltende Scheidemünzne geblieben und werden auch anstandslos in € umgewechselt. Scheidemünzen sind klassisches Nettogeld. Ihnen entspricht weder beim Staat (der ohnehin nicht bilanziert) noch bei der Bundesbank ein Passivposten (im Gegensatz zu den dort passiv verbuchten Banknoten; Scheidemünzen, die sie selbst hält, verbucht die Bundesbank aktiv wie jede andere Firma auch, inkl. Geschäftsbanken). Scheidemünzen kosten in der Herstellung, die von Münzprägeanstalten vorgenommen wird, erheblich weniger als das aufgedruckte Nominal, Kleinstmünzen ausgenommen, deren Prägung subventioniert wird und zwar mit dem sub summa entstehenden Münzgewinn, der sich aus der Differenz zwischen Nominal und Herstellkosten der übrigen Scheidemünzen ergibt.

Die Schweiz hat wegen des Prägeverlustes bei 1-Rappen-Stücken die Prägung derselben vor Jahren schon eingestellt, Finnland prägt grundsätzlich keine €-Münzen, um sich die damit verbundenen Umtriebe zu ersparen.

Der Münzgewinn, der sich für den Staat ergibt, wird an die Staatskasse ausgekehrt und vom Staat wiederum ans Publikum verteilt, so dass der Münzgewinn letztlich wieder dem Publikum zugute kommt. Da die Scheidemünzensumme (nominal) ohnehin nur zu ca. 1 Zehntel (je nach Land verschieden) der Banknotensumme ausmacht und ihre Ausgabe beschränkt bzw. genehmigungspflichtig ist (bei der €-Umstellung gibt es keine Vorab-Genehmigung der EZB, so dass grundsätzlich alle € in Scheidemünzen hätten abgefordert werden können, was zu einer Sanierung der öffentlichen Haushalte hätte führen können, wie ich in einem vor einiger Zeit hier reingestellten Posting vorgeschlagen hatte). Außerdem ist die Annahme von Scheidemünzen im privaten Verkehr (nicht bei öffentlichen Kassen, da sie "gesetzliche" Zahlungsmittel sind) beschränkt.

Wir können also Scheidemünzen aufgrund ihrer geringen Bedeutung für den "Geldumlauf" außer Betracht lassen, zumal sie - wie beschrieben - auf ein Nullsummenspiel des Publikums mit sich selbst hinaus laufen.

Bei den Banknoten wird von einem Denkmodell ausgegangen, das dem bei Scheidemünzen ähnelt. Sie werden einmal gedruckt und laufen ab dann für immer im Publikum um, wofür der Augenschein zu sprechen scheint, da wir frische und abgenutzte Banknoten erleben.

Genau die Tatsache aber, dass wir unterschiedlich abgenutzte Banknoten haben, beweist indes, dass es einen dem Scheidemünzenumlauf entsprechenden Umlauf von Banknoten nicht haben. Würden die Banknoten nach einer Erstausgabe immer außerhalb der Ausgabestelle umlaufen, könnten sie von dieser nicht durch frisch gedruckte Banknoten ersetzt werden.

Die Banken selbst sortieren nur in Ausnahmefällen stark abgenutzte oder beschädigte Banknoten aus um sie sich von der Zentralbank ersetzen zu lassen (in Deutschland Bundesbank mit ihren LZBs = Landeszentralbanken mit Zweigstellen in allen größeren Städten). Normalerweise legen die Banken an ihren Kassenschaltern alle Banknoten immer in die einzelnen Kassenfächer, was jeder, der schon einen Bankkassierer bei der Arbeit beobachtet hat, bestätigen kann. Wie kommen dann die abgenutzten Banknoten in die Zentralbank? Dies führt uns in den Kern des Problems "Geldumlauf", da wir wissen, dass Banknoten in der Regel (je nach Land verschieden) zwei Mal pro Jahr ausgetauscht werden, was aber niemand anderes machen kann als die Zentralbank selbst (Geschäftsbanken haben keinen Zugang zu Banknotendruckereien).

Um die Frage zu beantworten, müssen wir den "Umlauf" oder das "Leben" einer Banknote näher betrachten. Bekanntlich werden Banknoten (siehe auch "Notenbankkredit") ausschließlich von der Zentralbank ausgegeben.

Dies geschieht ausschließlich gegen Hinterlegung von "Sicherheiten" (Schuldtiteln). Im modernen Repogeschäft verkaufen die Banken der ZB diese Titel gegen gleichzeitige Rückkaufsverpflichtung. Würden die Banken nach Ablauf der Repofrist keine neuen Sicherheit an die ZB geben, würden die Banknoten am letzten Tag der letzten Repofrist in gleicher Summe ein für alle Mal aus dem Verkehr verschwinden.

In Deutschland blieben dann im wesentlichen nur noch Banknoten übrig, die bei der Währungsreform als Kopfgeld ausgegeben wurde, siehe Teil 1, sowie Banknoten, die gegen den - inzwischen eingestellten - Ankauf von Gold hergegeben wurde sowie solche, die gegen Devisen (= Forderungen gegen ausländische Stellen) ausgegeben wurden, also nur ein kleiner Teil.

In anderen Ländern ist das anders, z.B. in der Schweiz, wo Noten vor allem gegen Gold und Devisen ausgegeben wurden oder in den USA, wo Noten vor allem gegen Fed Funds ausgegeben werden, was aber letztlich die Sache nur verschiebt, denn würden im Beispiel USA sämtliche Staatsschulden getilgt, gäbe es auch keine Fed Funds mehr, ein Problem, das - wie bereits ausführlichst gepostet - Alan Greenspan umtreibt, der sich darum bemüht die Fed Funds durch die Entgegennahme von anderen Sicherheit, wie sekurisierte Hypotheken zu ersetzen.

Wir bleiben in Deutschland. Die Banknoten liegen also zunächst als bunt bedrucktes Papier (und wertlos, es gibt keine Aktivverbuchung von gedruckten, aber noch nicht ausgegebenen Banknoten bei der Bundesbank!) in der Bundesbank bzw. ihren LZBs und werde dort von den Banken gegen den Verkauf von Sicherheiten mit Rückkaufsverpflichtung abgeholt. Die Bundesbank bucht jetzt die Sicherheiten aktiv und die Banknoten passiv. Die Geschäftsbanken ersetzen die bei ihnen liegenden und bisher aktiv verbuchten Sicherheiten durch die ebenfalls dann aktiv verbuchten Banknoten (Kasse). Es ist bei den Banken ein Aktivtausch (keine Bilanzverlägerung) - im Gegensatz zur Bundesbank, wo eine Bilanzverlängerung Statt findet. Auf die damit verbundenen Inkompatilibität wurde unter "Notenbankkredit" bereits eingegangen.

Die gesamte Bilanzierungspraxis von Zentralbank und Geschäftsbanken ist, da nicht aufeinander passend, kompletter Unfug. Sind die Banknoten dann in den Geschäftsbanken, können sie dort vom Publikum abgeholt werden, wiederum gegen Sicherheiten, die vom Immobilienkredit bis zur Kontenüberziehung (besichert durch künftige Einkünfte des Banknotenabholers) reichen.

Damit ist etwas äußerst Wesentliches klar: Die Banknoten sind nie zuerst (!) im Publikum vorhanden (das ja keinen Zugang zur Bundesbank bzw. den LZBs hat und also auch von dort niemals Banknoten direkt beziehen kann) und werden anschließend (!) bei den Banken eingezahlt, die sie dann ihrerseits an andere im Publikum verleihen können.

Die Vorstellung von "irgendwie" bereits im Publikum vorhandenen Banknoten, die dann (!) bei den Banken eingezahlt werden und dann (!) von diesen wiederum verliehen werden können, ist ebenfalls komplett falsch beschrieben. Auch die allererste Ausgabe von Banknoten geschah gegen Hinterlegung des Schuldtitels "Ausgleichsforderung" (gegen den Staat), der bis heute in der Buba-Bilanz zu besichtigen ist. Die weitere Ausgabe von Banknoten nach der Währungsreform durch die ZB geschah ebenfalls erst, nachdem (!) Schuldtitel (Wechsel, Lombardpapiere) bei ihr eingereicht wurden (wie oft genug ausführlich beschrieben, siehe auch Geldumlauf 1).

Wandern nun die Banknoten von den Banken in die Kassen des Publikums, nehmen sie ihren normalen Weg: das Publikum kann mit den Banknoten die gewünschten Käufe tätigen, sprich Kaufkontrakte damit erfüllen. Dabei merkt das Publikum natürlich nicht, dass es eine schnell verderbliche Sache in Händen hat. Denn es weiß nicht, dass die Banknote nur eine begrenze Lebenszeit hat und nach Ablauf der Repofrist ohne Wenn und Aber wieder in die ZB zurückkehren muss.

So geschieht denn folgendes: Die Banknoten, die das Publikum hält, wandern in die Kassen der Geschäfte (Bargeldumsatz). Die Geschäfte bewahren die Banknoten aber nicht etwa auf und warten, bis sie damit ihrerseits etwas kaufen können, z.B. die verkauften Waren ersetzen (was auch völlig skurril wäre, wenn das Geschäft in Hamburg und der Lieferant der Waren des Geschäftes in Rosenheim sitzt). Sondern die Banknoten gehen noch am Abend des Tages, spätestens nach einigen Tagen, in die Banken zurück, was jeder bestätigen kann, der schon einmal eine Geldbombe gesehen hat oder - wie ich - täglich beobachten konnte, wie der Bäcker einer kleinen Gemeinde täglich kurz vor 4.00 Uhr nachmittags in der Bank gegenüber erschien und seine "Tageskasse" dort ablieferte, d.h. einzahlte. Damit sind die Banknoten ratz, fatz aus dem "Umlauf" verschwunden. Die Bank kauft ihrerseits nichts damit und das Publikum selbst hat keine Banknoten mehr, um damit woanders etwas kaufen zu können. Es kann sich nur wieder Banknoten bei der Bank besorgen, sofern es dort Konten führt. Besorgt sich das Publikum keine Banknoten bei der Bank, kann es auch keine Barkäufe mehr tätigen. Und da sich das Publikum sub summa immer nur Banknoten bei der Bank besorgen kann, indem sie es sich von dort leiht, ist der "Geldumlauf" nichts anderes als ein dauerndes, sich immer wieder erneuerndes Kreditgeschäft.

Selbst wenn sich das Publikum in Form von Endverbrauchern nicht selbst Banknoten in der Bank (nie Zentralbank!) leihen kann, muss es jemand anderes tun, z.B. die Firma, die den Endverbraucher beschäftigt, bzw. diesen Firmen vorgelagerte Firmen.

Banknoten erscheinen immer nur gegen Kredit (die eingestellten Goldankäufe ausgenommen) und dies erst nachdem in der Zentralbank die entsprechenden repofähigen Sicherheiten hinterlegt sind. Da die Banken ihrerseits ebenfalls nur möglichst geringe Kassen in bar halten (Bargeld kostet immer Zins!) schicken sie ihrerseits Banknotenbestände, die über ihre optimale Kassenhaltung hinaus reichen, sofort wieder an die LZB, so dass wir jeden (!) "Banktag" beobachten können, wie in jeder (!) Bankfiliale Geldboten erscheinen, um überflüssige Banknoten abzuholen bzw. neu benötigte Banknoten dorthin zu bringen. Die abgeholten Banknoten werden nicht in irgendwelchen Zentraltresoren aufbewahrt, sondern sie werden gesammelt und schnellstmöglich in die LZB gebracht, wo sie dann wieder wertloses Papier (!) sind, sobald sie über den Tresen der LZB gereicht wurden. Die LZB entlastet die Bank entsprechend bzw. schreibt ihr die Summe gut. Das Publikum weiß von alledem nichts und denkt die Banknoten würden immer nur von Geschäft zu Geschäft bzw. von Bank zu Bank oder so ähnlich befördert, weil sie doch "umlaufen". Deshalb überfallen selbst höchstleistungskriminelle Gangster rätselhafterweise fast ausschließlich Bankfilialen, in der Hoffnung dort den großen Raub zu landen. Vom wahren Wesen des banktäglichen Entstehens und Vergehens von Banknoten haben sie keine Ahnung. Sie blitzt nur ab und an auf, wenn von "Überfällen auf Geldtransporter" zu lesen ist. Geldtransporter zu überfallen ist allerdings auch ein in der Regel aussichtsloses Unterfangen.

Aber genau diese Geldtransporter sind es, die unsere Vorstellung von einem "Geldumlauf" endgültig zertrümmern. Denn würde Geld "umlaufen" müsste man es nicht von den Banken zur LZB und zurück transportieren, denn weder die Banken noch die LZBs tätigen mit den Banknoten irgendwelche Käufe oder bieten etwas zum Verkaufen feil. Den "Geldumlauf" also mit den Transaktionen in der realen Welt zu verbinden, was die berühmte Gleichung MV = PT suggeriert (siehe Teil 1), und irgendwelche "Velocity" (V = Umlaufgeschwindigkeit von M = Money) damit zu verbinden, ist vollständiger Unsinn. Noch zur Ausgangsfrage zurück: In den LZBs werden die dort laufend eintreffenden Banknoten geprüft und die abgenutzten Noten dann durch neu gedruckte ersetzt. Daher kommt es, dass unsere Banknoten sub summa stets ein passables Aussehen haben. Ich wiederhole also noch ein Mal mein Bild:

Die Banknoten "kreisen" nicht im Publikum, was der Ausdruck "Geldumlauf" uns weis machen will, sondern sie dienen immer nur dazu, bereits existierende Schulden abzuarbeiten (woraufhin sie physisch und komplett wertlos in den LZBs verschwinden) und sie kommen auch immer nur gegen Schulden bzw. die entsprechenden Schuldtitel wieder neu in die Welt (wobei die in der LZB liegenden völlig wertlosen Noten dort jeweils durch andere wertlose Noten ersetzt werden können, sofern die alten abgenutzt sind; ihren "Wert" (Nominal) erhalten die Noten erst wieder, wenn sie über den Tresen der LZB in Richtung Geldtransporter geschoben werden). Die Banknoten "steigen immer nur Treppenstufen hinauf und herab": Publikum - Geschäft - Bank - LZB - Bank - Firma - Publikum.

Das Geheimnis des "Geldumlaufs" der Banknoten ist damit enttarnt: Es gibt so etwas wie ihren "Umlauf" nicht.

Geldumlauf 3 / Giralgeld

Diesmal geht's kurz.

So wenig wie es einen Geldumlauf von heutigen Banknoten und eine Geldumlaufsgeschwindigkeit (V = Velocity) der selben gibt (siehe Teil 2), existiert ein Geldumlauf oder eine V für Giralgeld. Dies bescheinigt Prof. J.S. Cramer, der dies ausführlich untersucht hat (u.a. "The volume of transactions and of payments in the United Kingdom 1968-77", Oxford Economic Papers Juli 1981) hier:

"No place in modern economic analysis..." zunächst bezogen auf die alte V aus der Gleichung: MV = PT die wir schon als üblen Unfug kennen gelernt haben.

Auch ein Versuch, eine V in der obigen Gleichung zu entwickeln, die sich nicht nur auf c (Cash), sondern auch auf d (Depositen) bezieht, scheitert kläglich. Ich bitte in diesem Zusammenhang übrigens auf das Summenzeichen zu achten. Demnach wird auf der rechten Seite eine Summe angezeigt, auf der linken Seite aber nach wie vor mit "Menge" und "Geschwindigkeit" gearbeitet, was natürlich Nonsens pur ist. So gleiten auch die Versuche, eine V für Depositen (Giralgeld) zu "finden" in ihrem Ergebnis ins nachgerade Lächerliche ab.

So gab es "Berechnungen" für die USA (u.a. Garvy/Blin, "The Velocity of Money", 1970, und Fortschreibungen dieses Unfugs sogar noch im "Federal Reserve Bulletin"), die auf eine V des Giralgelds bei unter 30 im Jahre 1919 begannen und schon 1984 bei über 400 (!!!) angekommen waren, was nun wirklich kein vernünftiger Mensch im Kopf aushalten kann. Prof. Cramer versucht eine Erklärung, die noch lächerlicher ist als die ursprüngliche Annahme selbst, nämlich dass es eine Umlaufsgeschwindigkeit gäbe. Er schreibt (New Palgrave, "A Dictionary of Economics", 801): "The enormous later increase must in large part be due to new techniques like overnight lending and repurchase agreements".

Damit stehen wir also - mehr verärgert als belustigt - vor der Tatsache, dass das T (volume of Trades) und das P (Price level) nach dem Summenzeichen in der Gleichung rechts sich jeweils "über Nacht" verändert hat bzw. nicht verändern konnte, weil nachts bekanntlich alle schlafen, sogar die tüchtigen Amerikaner (Nachtschichtler und Barbesucher selbstverständlich ausgenommen).

Wir können also die Vorstellung von einem "Geldumlauf" oder gar einer "Geldumlaufsgeschwindigkeit" beruhigt zu den Akten legen. Ein für alle Mal. Jeder, der mit solchen Hirngespinsten operiert, sollte schleunigst einen Arzt aufsuchen.

Kommentar Max: auch Paul Martin kann von Henry Liu noch dazu lernen http://henryckliu.com/page16.html
vor allem in bezug auf Begriffe wie Overnight lending und Repo.



(5) Antwort auf MaxNews auf die Geldkreierung von Herrn Striegel

-----Original Message-----
From: Bernd Striegel [mailto:bernd.striegel@web.de]
Sent: Wednesday, February 07, 2007 23:14


Das generelle Problem sehe ich bei der Geldkreieierung darin, daß es die beiden offenbar unversöhnlichen Standpunkte gibt:

1) Max, Kreutzer, etc.:

Bargeld ist ein "bloßes Anhängsel" des "Giralgeldes", wobei letzteres Banken selbst erzeugen können.
Weil sich nur "Giralgeld" verzinst, nicht aber das Bargeld, weil außerdem die "Giralgeldmenge" um Größenordnungen größer ist als die Bargeldmenge, sind alle Leute, die das Geldproblem vom bargeld aus betrachten, a priori auf dem falschen Dampfer.
Das Zinsproblem kann nur gelöst werden, wenn die "Giralgeldschöpfung" der Banken verboten wird und irgendwie (wie genau, das findet man aber nirgends) zinsfreies Geld emittiert wird.

2) Striegel (der übrigens kein "Jünger" von Creutz ist, sondern selbst denken kann), m. E. Creutz, Hannich, usw.

So etwas wie "Giralgeld" gibt es gar nicht. Die Verwendung des Begriffes "Geld" für Forderungen auf die Lieferung von Bargeld, denn nichts anderes, nicht mehr und nicht weniger stellen Kontoguthaben dar, ist irreführend.
Genauso wenig wie Verpflichtungen (Schulden) Geld sind, sind es Guthaben.

Geld, und das ist eben nur Bargeld, ist aber das (einzige !!!!) gesetzliche Zahlungsmittel für Schulden und für die Erfüllung von geldlichen von Forderungen.

Selbstverständlich verzinsen sich nur Guthaben und Schulden, und nicht das Bargeld, selbstverständlich wachsen die Zinszahlungen proportional zu der Menge der Forderungen bzw. Schulden an, selbstverständlich ist der Gesamtguthabenbestand immer genauso hoch wie der Gesamtschuldenstand, selbstverständlich verschwinden in dem Moment, wo alle Schulden getilgt sind, auch alle Forderungen mitsamt dem Bargeld - denn was sollte es dann noch gelten?
Aber alle diese Selbstverständlichkeiten belegen doch nur, daß das Bargeld allein der entscheidende Punkt der Geldordnung ist.
Und deshalb wird man auch das Zinsproblem niemals über eine Beschränkung der Guthaben o. ä. lösen können, sondern nur, indem man sich mit dem Geld selbst auseinandersetzt.

Niemals könnte es in Geld ausgedrückte Guthaben oder Schulden geben, wenn es kein gesetzliches Zahlungsmittel, wie auch immer es aussehen möge, ob aus Papier, Gold oder meinetwegen auch irgendwann aus elektronischen bits gemacht, zu ihrer Begleichung gäbe.

Schlußfolgerungen (Striegel):

Und jetzt ist es aber doch so, daß, abhängig von den Eigenschaften dieses Bargeldes, entweder die Möglichkeit besteht, den Zins unschädlich zu machen oder nicht.
Daß man sich weigert, sich damit auseinanderzusetzen, ist mir allerdings schleierhaft. Wenn man doch Interesse daran hat, die Lage zu verbessern, warum fürchtet man dann alle Literatur zu diesem Thema wie der Teufel das Weihwasser und weist sie zurück? Müßte man sich dafür nicht mehr interessieren, als sie nur abzukanzeln, zu diffamieren und zu verschweigen?

{Max: bis hierher kann man einig gehen - danach kommen nur noch Behauptungen.}

Wie dem auch sei: Es wird jedenfalls niemals gelingen Geld zu erfinden, ohne dabei auch den Zins dazuzubekommen.
Denn das liegt nun einmal in der Natur der Dinge begründet, und ist nicht abhängig von unserem Willen, so sehr es einem auch stinken mag.

Und die Begründung ist eine sehr einfache - echtes Geld kann immer nur in einer Eigentumsordnung entstehen, denn nur dort gibt es rechtliche Forderungen, die durchgesetzt werden, indem bei Nichterfüllung Zwangsmaßnahmen und Bestrafung der Schuldner erwirkt werden.