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Der Vollstrecker aus Texas (24.8.06)


Diesen Beitrag erhielt ich von Herrn Frank Eckhardt, dem ich nochmals dafür danke. Es handelt sich um einen Aufsatz von Beat Balzli und Christoph Pauly.

Die Hände von Brigitte Urban zittern. Ihre Stimme droht zu versagen. Wenn  die 51-jährige Mutter von zwei Kindern über ihre jüngsten Erlebnisse mit der internationalen Hochfinanz spricht, kann sie kaum noch klar denken.

Neubausiedlung (bei Mainz): Viele können quasi über Nacht zum Opfer werden.
Vor wenigen Wochen hat Hudson Advisors mit Hauptsitz im amerikanischen Dallas die Zwangsversteigerung von Urbans Mehrfamilienhaus in Dresden angekündigt. Der Familie nutzte es nichts, daß sie ihren Immobilienkredit immer  brav bedient hatte. Die Einnahmen aus der Zimmervermietung reichten dazu völlig aus. Dachte Frau Urban...

Doch am 9. Dezember 2004 war die gelernte Buchhalterin, ohne es zunächst zu merken, mit ihrem Kredit an besonders gierige "Heuschrecken" verkauft worden. Damals teilte ihr die Münchner Hypo Real Estate lapidar mit, daß ihr Immobiliendarlehen aufgrund einer "Neuausrichtung der Bank" einer anderen Gesellschaft übertragen worden sei.

Es klang so harmlos, als kündigte das Institut an, die Farbe seines Briefpapiers zu ändern. Tatsächlich hatte man Frau Urban mitsamt ihren Schulden verkauft.

Denn hinter der neuen Gesellschaft versteckt sich die texanische US-Beteiligungsgesellschaft Lone Star, die viele milliarden Dollar bei Großinvestoren wie US-Pensionsfonds eingesammelt hat. Deren Fonds haben in den vergangenen Jahren Verbindlichkeiten von vielen tausend deutschen Hausbesitzern "übernommen". Kredite im Wert von schätzungsweise 38 Milliarden Euro wechselten von den vertrauten Banken mit einem Rabatt an sogenannte "Private-Equity"-Firmen wie Lone Star.

Kompromißfähigkeit gehört nicht zu deren Kompetenzen - eher schon die Fähigkeit zu filetieren, abzuspalten, auszupressen und weiterzuverkaufen. Kurz: sie gieren nach schnellem Bargeld und schnüren dabei vielen Kreditnehmern rigoros die Luft ab. Für Lone Star übernimmt die Schwesterfirma Hudson Advisors die Schmutzarbeit.

Zahlreiche, mittlerweile vor Gericht anhängige Verfahren zeigen, daß viele Besitzer einer kreditfinanzierten Immobilie quasi über Nacht Opfer der rabiaten Methoden werden können. Wer nicht schnell seinen Kredit durch eine andere Bank ablösen lassen kann, bekommt Probleme.

Mal hilft den Amerikanern die Unbedarftheit ihrer Opfer, mal deren wackelige Finanzlage. Immobilienbesitzer etwa, die in einer Krisenregion wohnen oder als Selbständige kein regelmäßiges Einkommen vorweisen können, finden oft nicht schnell genug einen neuen Finanzpartner. Die Abwickler lassen dann Konten pfänden, schicken den Gerichtsvollzieher oder gleich den Zwangsvollstrecker vorbei.

Angesichts der beinharten Taktik der Kreditverwerter erweist sich das deutsche Immobilienrecht als schlechter Schutz. Zwar kann es sein, daß irgendwann der erste ausgenommene Kläger vor dem Bundesgerichtshof Recht bekommt. Doch die Gesellschaften sind dann schon längst über alle Berge, das Objekt verkauft.

"Die Karawane zieht nach einer Abarbeitungsphase von drei bis vier Jahren weiter", beschrieb Karsten von Köller, der Deutschland-Chef von Lone Star, schon im vergangenen Jahr bei einem Vortrag in Frankfurt am Main die Taktik seiner Branche. In den neunziger Jahren erzielte sein Unternehmen zweistellige Renditen bei der Abwicklung fauler Kredite in den USA. Dann kamen Japan und Südkorea dran. Nun ist Lone Star in Deutschland mit einem Forderungsbestand jenseits von 20 Milliarden Euro Marktführer.

Als die Firma 2003 anfing, fand sie aus ihrer Sicht paradiesische Zustände vor. Hiesige Banken saßen auf faulen Krediten, die auf insgesamt 250 Milliarden Euro geschätzt wurden. Viele Kreditinstitute hatten beispielsweise oftmals unsinnige Immobilienprojekte finanziert, vor allem in den neuen Bundesländern. Nun waren sie bereit, komplette Kreditpakete oft zur Hälfte des Nominalwertes abzugeben.

So kam 2004 auch ein Kreditpaket der Hypo Real Estate in den Besitz von Lone Star. Und schnell machten sich die Profis auch an die Liquidierung jener Sicherheiten, deren Kredite gar keine Probleme aufwiesen. Das bekam auch die Dresdnerin Urban zu spüren.

Normalerweise verpflichtet sich die Bank, bei Ablauf der Zinsbindung ein neues Angebot zu unterbreiten. Auch Frau Urban hatte sich auf die vertragliche Zusage ihrer alten Bank verlassen, ihr "dann übliche Konditionen" anzubieten.

Die von Lone Star beauftragten Hudson-Leute forderten stattdessen einen Zins von 9,39% plus einem Prozent Tilgung, 50% mehr, als die Hypo Real Estate vorher verlangt hatte. Urban sollte 500 Euro pro Monat mehr bezahlen. Das hätte für sie den Ruin bedeutet.

Man sei ja gar keine Bank und dürfe eigentlich gar keine Kreditverträge abschließen, begründete Hudson die Zinsexplosion zunächst gegenüber Urbans Anwalt Leonhard Baur, dann auch gegenüber dem SPIEGEL. Nach langen Verhandlungen gewährte die Firma Frau Urban einen Zins von 6,5% plus 1% Tilgung. Zudem wollte sie dafür sorgen, daß der Kredit auf die Mitteleuropäische Handelsbank übertragen wird - seit 2005 im Besitz von Lone Star.

Doch der Waffenstillstand hielt nicht lange . Im März dieses Jahres schraubte Hudson den Zins erneut auf 9% hoch. Für den Fall, daß die Zahlungen ausblieben, wurde unmißverständlich mit der Zwangsversteigerung gedroht. "Dallas gibt Anweisung und macht Druck", bekam Anwalt Baur zu hören.

Die neuen Gläubiger wollen die billig erworbenen Kredite nicht verwalten, sondern möglichst schnell verwerten - ohne Rücksicht auf Verluste. "Wir machen Sie platt", bekommen Immobilienbesitzer schon mal am Telefon zu hören. Sie hätten sowieso keine Chance, drohen Anrufer, die in einer Art Call-Center von Frankfurt am Main und München aus die Kunden bearbeiten.

Der Rechtsanwalt Ingo Schulz-Hennig hält die Methoden für illegal. Die Abtretung intakter Darlehensforderungen an Inkassogesellschaften sei "eindeutig rechtswidrig und wegen Gesetzesverstoßes unwirksam", argumentiert er in mehreren Gerichtsverfahren.

"Die Hypo Real Estate hat in eklatanter Weise gegen des Bankgeheimnis sowie das Bundesdatenschutzgesetz verstoßen", meint der Jurist. Schließlich hätte sie höchstpersönliche Daten aus ihren Kreditakten den Aufkäufern überlassen, ohne je ihre Kunden dafür um Erlaubnis gebeten zu haben. Dieses Wissen diene nun den Abwicklern als Hebel, um geeignete Zwangsmaßnahmen einzuleiten.

Natürlich habe man einen aggressiveren Managementstil als die Banken, heißt es bei Hudson. Doch es wird betont, daß alles unter strikter Beachtung der Gesetze erfolge. Die Übertragung fauler Kredite sei ausdrücklich erlaubt. Nur der Transfer bisher störungsfrei laufender Kredite sei strittig und müsse irgendwann höchstrichterlich entschieden werden. Fakt ist: die neuen Herren gehen oft rabiat vor.

"Für 35.000 Euro wird mein Leben zerstört", klagt Ingeborg Biermann-Römmer, der die zweite Etage eines Einfamilienhauses im niedersächsischen Otterndorf gehört. Die Betreuerin von Pflegekindern war nach einer Steuernachzahlung in Zahlungsrückstand geraten und bekam es alsbald mit den Herren der Zweiten Westend GmbH zu tun, einer der zahlreichen Abwicklungsgesellschaften von Hudson.

Die völlig verängstigte Frau unterzeichnete eine Verkaufsvollmacht. "Das ist der Trumpf, den man den Leuten von Hudson Advisors nie überlassen sollte", sagt der Düsseldorfer Rechtsanwalt Julius Reiter. Ab 1. Oktober können die nun die Hausetage verkaufen.

Ein Vergleichsangebot von Biermann-Römmer, mit Hilfe von Freunden 33.000 Euro der Hauptforderung von 35.000 Euro zurückzuzahlen, war Hudson zu wenig. Nachdem ein zweiter Vergleich die Frau überforderte, weil sie durch den negativen Eintrag bei der Kreditauskunft Schufa keinen anderen Bankkredit bekam, schalteten die Eintreiber auf stur. "Wir werden unsere Befriedigung in der Zwangsversteigerung suchen und im Nachgang hierzu die Eröffnung des Privatinsolvenzverfahrens beantragen", schnarrte die Firma am 3. April im Juristendeutsch. Zu diesem Zeitpunkt verlangte sie für das Darlehen 18% Zinsen p.a., rückwirkend ab 1998.

Bei solchen Aktionen hilft den "Heuschrecken" sogar deutsches Recht: Denn wer sich von einer Bank Geld für den Kauf eines Grundstücks leiht, muß ihr in der Regel als Sicherheit eine Grundschuld abtreten. Das im Jahr 1879 in Kraft getretene Zivilprozeß- und Vollstreckungsrecht ermöglicht es, die Sicherheit zu verwerten.

Was traditionelle Kreditinstitute nur im Notfall einsetzen, ist für die neuen Angreifer ein strategisches Werkzeug. Auf Antrag der Gläubigerin verfügte das Amtsgericht Otterndorf Ende Mai gegen Frau Biermann-Römmer die Zwangsversteigerung. Ein vom Gericht eingesetzter Verwalter aus Cuxhaven wurde "ermächtigt, sich selbst den Besitz des Grundbesitzes zu verschaffen", steht in dem Gerichtsbeschluß.

Immerhin, nachdem der SPIEGEL bei Hudson wegen des Falles angefragt  hatte, bekam der Anwalt von Biermann-Römmer den Anruf, daß man einen Vergleich akzeptieren werde. Die Zwangsversteigerung sei "nicht die beste Lösung", heißt es nun plötzlich.

Wie lukrativ Problemfälle sein können, will Lone Star auch bei einem Giganten des Geschäfts beweisen: der ehemaligen Gewerkschaftsbank AHBR. Die war durch Fehlspekulationen in Schieflage geraten und hat für 2005 einen Verlust von 1,08 Milliarden Euro ausgewiesen. Im Dezember übernahm Lone Star die Bank und damit Immobilienkredite im Wert von über 20 Milliarden Euro.

Daß die neuen Herren aus Dallas keine Angst vor großen Namen haben, demonstrieren sie bereits. Sie beteiligten kurzerhand die Inhaber von AHBR-Genußscheinen und die stillen Einleger der Gewerkschaftsbank an den Verlusten. Nach einem außergerichtlichen Vergleich bekommt beispielsweise die DZ Bank nur noch 25% ihrer stillen Einlage von 140 Millionen Euro zurück.

Jetzt sind die kleinen Kunden des einstmals drittgrößten deutschen Immobilienfinanzierers dran. Die alte AHBR-Abteilung, die sich um Problemkredite in Höhe von insgesamt 2,5 Milliarden Euro kümmerte, wurde bereits dichtgemacht. Die Gespräche übernehmen demnächst die Hudson-Profis. Duiskutiert wird nur selten, wie die Verwertung des Hypo-Real-Estate-Kredits der Familie Schubbert beweist.

Ihr ehemaliges Heim steht am Hang einer Gemeinde unweit der ostdeutschen Kleinstadt Bautzen. In der Nachbarschaft herrscht kleinbürgerliche Idylle. Nur Schubberts ehemaliges Anwesen wirkt heruntergekommen. Der Winterfrost hat den Verputz von den Terrassenwänden gesprengt, das Gras steht kniehoch.

Kein Wunder: Seit dem 5. Dezember steht das Haus leer. Nach einem monatelangen Gefecht erhielt die Zweite R.E.O. Westend GmbH, eine weitere Hudson nahestehende Gesellschaft, bei der Zwangsversteigerung den Zuschlag.

Die Familie mußte ihr Haus verlassen. Vertreter von Polizei, Jugend- sowie Ordnungsamt und Hudson Advisors standen damals schon um sieben Uhr früh vor der Tür. "Wir wurden behandelt wie Schwerverbrecher", erinnert sich Jaqueline Schubbert. "Mehrfache Zahlungs- und Gesprächsangebote wurden lapidar übergangen", sagt Schubberts Anwalt Ulrich Büttner.

Aus Sehnsucht nach ihrem alte Zuhause stellte die Familie im März bei den neuen Besitzern eine Anfrage der besonderen Art: Weil sich niemand um das Grundstück kümmerte, wollten die Schubberts wenigstens das Eis des zugefrorenen Teiches aufhacken, um die Fische zu retten. "Es klingt vielleicht abstrakt, denn uns gehören ja diese 'Dinge' nicht mehr", hieß es in ihrem Brief. "Aber auf der anderen Seite können diese Kreaturen, ob Tiere oder Pflanzen, nichts für die vergangenen Geschehnisse."

Die US-Schuldensammler lehnten die Bitte ab und untersagten ein Betreten des Grundstücks. Es sei ja "nicht davon auszugehen, daß sich nach dem langen Winter noch zu versorgende Fische in dem Teich befinden", war die eisige Antwort.

"Wir wurden behandelt wie Schwerverbrecher".. kann man oben nachlesen. Nein, wir wurden behandelt wie Deutsche! Schwerverbrecher, Musterbeispiel Gaefgen, werden gehätschelt, bekommen Publicity, schießen hohe Beamte ab und sind die Stars. Normalbürger wie die Schubberts werden einfach ausgerottet. An diesen Beispielen kann man sehen, welche Pest uns die "fortschrittlichen" Politiker in Form von "Globalisierung" und diesem ganzen Finanzgeschmeiß beschert haben, um das Land auszuverkaufen und die Deutschen gleich mitzuentsorgen. Bei dieser Lage kann es doch keinem mehr verborgen bleiben, wer hier was für schmutzige Spielchen spielt. Man kommt immer wieder auf die zwei Grundprinzipien der Illuminaten zurück: 1. Vernichtende Finanzmanipulationen 2. Kriege. Daß die Rechtsprechung sich auch noch als Steigbügelhalter profiliert, war schon immer so. Aber:" die Würde des Menschen ist unantastbar", es sei denn, es geht ums (große) Geldverdienen von gewissen Kreisen, dann gibt es keine Grenzen mehr. Wie schon jemand richtig bemerkte: gegen den "Staat" sind wir vielfältig geschützt, aber wer schützt uns vor den lieben Mitmenschen? Hier liegt ganz gewaltig der Hund begraben. Es wird mehr als je Zeit, daß wieder ein geordnetes Staatswesen etabliert wird und dieser Freßtrog BRD verschwindet, der nur mit Hilfe seiner Lakaien dazu dient, das Dogma "Germany must perish" brutalstmöglich zu vollenden. Aufklärung tut not! Vielleicht auch auf die schmerzliche Art.

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1.9.06 Banken fürchten neue LTCM-Katastrophe. Im Mai 2005 war es schon "fünf vor zwölf" - wo stehen wir heute?

Dutzende, wenn nicht Hunderte von mittelschweren bis großen Spekulationsfonds sind vermutlich durch die in der Nachkriegsgeschichte beispiellose Herabstufung ausstehender Anleihen von insgesamt 453 Milliarden Dollar bei General Motors und Ford in Schieflage geraten. Krisenmanagement gerät außer Kontrolle.

Am 10. Mai 2005 geht ein Schock durch die Finanzwelt, es heißt, eine Reihe von Hedgefonds stünden vor dem Zusammenbruch, darunter Highbridge Capital in den USA und GLG in London. Diese hochspekulativen Fonds hatten in eine bestimmte Form von Finanzwetten investiert: sogenannte Kreditderivate. Nachdem die Schuldenberge von General Motors und Ford in Höhe von 453 Milliarden Dollar auf Ramschniveau herabgestuft worden waren ("BB"), verwandelten sich diese Kontrakte plötzlich in finanzielle Handgranaten, die ihre Besitzer in Stücke reißen konnten. Es war die Rede von einem neuen LTCM (Long Term Capital Management).

Im Herbst 1998 blies die FED zu einer Krisensitzung mit den Managern der 16 führenden Banken, da die Gefahr bestand, daß es am nächsten Tag weder diese Banken noch ein Finanzsystem überhaupt mehr gegeben hätte. LTCM war es gelungen, mit 3 Milliarden Dollar eingesammeltem Kapital 100 Milliarden Dollar an Bankkrediten hereinzuholen, um damit wiederum finanzielle Wetten im Volumen von 1200 Milliarden Dollar einzugehen. Nach dem Kollaps der russischen GKO-Pyramide im August 1998 und der Zuspitzung der Finanzkrise in Asien gerieten diese Finanzwetten in Schieflage. Die Kurse von JP Morgan, Citigroup und Deutsche Bank gingen in den Keller.

Auslöser dieser Systemkrise war die dramatische Entwicklung bei den hochverschuldeten US-Autobauern General Motors und Ford. Bereits seit Anfang des Jahres drohte eine Herabstufung auf "Junk"-Niveau. Im Finanzestablishment war bereits die Entscheidung gefallen, GM solle in Kürze den Bankrott erklären und dadurch seine Pensions- und Krankenversicherungsverbindlichkeiten auf staatliche Rettungsfonds abwälzen. Die Autoproduktion wäre zerschlagen worden zur Rettung eines Maximums an finanziellen Werten. Es handelte sich aber um die weltweit größten privaten Schuldner außerhalb des Finanzsektors, deshalb war Behutsamkeit angesagt.

Man erfuhr, daß eine koordinierte Aktion gestartet wurde unter Beteiligung der FED, Bush, der führenden Rating-Agenturen und "privater Finanzkreise". Man präsentierte zunächst den "Weißen Ritter" Kirk Kerkorian, der verkünden mußte, einen Teil vom GM  aufkaufen zu wollen. Ergebnis: gute Stimmung, die Aktien zogen 18% an. Dann kam Standard & Poor ins Spiel und wertete die Schulden (Anleihen) von GM von BBB auf BB ab. Mit diesen "Ratings" wird die Kreditwürdigkeit von Schuldnern eingeschätzt. Die besten Schuldner bekommen ein "Triple-A" (AAA) über AA bis A usw. bis D. Die magische Grenze liegt zwischen BBB und BB. Ab BB herrscht die Ansicht: Schrott ("junk"). Dasselbe geschah mit Ford. Die neue zusätzliche Junk-Summe auf dem Markt betrug damit schlagartig 453 Milliarden Dollar. Der größte private Schuldner mit diesem Schicksal war vorher das US-Telekomunternehmen WorldCom mit rund 30 Milliarden Dollar "junk". Bei Enron waren "lediglich" 14 Mrd Dollar im Spiel, also relative "peanuts".

Bis zum 10. Mai glaubten die Strippenzieher im Hintergrund, sie hätten die Lage einigermaßen im Griff. Doch es gibt einen Bereich, den weder die Ratingagenturen noch die offenen oder versteckten Liquiditätsoperationen der FED unmittelbar steuern können: FINANZDERIVATE. Während sämtliche volkswirtschaftlichen Aktivitäten der Welt, Industrieproduktion und Dienstleistungen eingeschlossen, pro Jahr lediglich 40 Billionen Dollar an Einkommen generieren, werden zur gleichen Zeit Finanztransaktionen in Höhe von 2 Billiarden Dollar umgesetzt. Allein für die an den Börsen gehandelten Finanzderivate beziffert die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) den Jahresumsatz auf rund 800 Billionen Dollar. Die außerbörslichen "OTC"-Derivate - dies sind private Finanzwetten zwischen zwei Parteien ohne Einschaltung und Kenntnisnahme irgendeiner Börse oder Aufsichtsbehörde - sind hier nicht eingerechnet. Die BIZ schätzt das ausstehende Volumen dieser OTC-Derivate auf 220 Billionen Dollar, kann aber über den Umsatz damit nichts aussagen.

Der im Moment am schnellsten wachsende Derivatmarkt sind Kreditderivate, hochkomplexe Finanzinstrumente unterschiedlichster Art. Das Prinzip: Zwei Parteien wetten gegeneinander, ob eine Gruppe von Schuldnern ihren Verpflichtungen nachkommt oder nicht. Auch eine Auf- oder Abstufung der unterliegenden Kredite hat Einfluß auf den Ausgang der Wette. Eine besondere Form davon sind CDOs (collateralized debt obligations): Eine Bank verkauft an Investoren Schuldentitel, die jeweils durch ein Bündel ausstehender Kredite der Bank an zahlreiche Unternehmen gedeckt sind. In vielen solcher Bündel,die von Hedgefonds gekauft wurden, waren Schulden von Genaral Motors und Ford eingestreut. Der US-Spekulationsfonds Highbridge Capital soll Marktberichten zufolge dadurch innerhalb weniger Tage rund eine Milliarde Dollar an Verlusten eingestrichen haben.

Und die Deutsche Bank gehört zu den Geldgebern von Highbridge Capital. Am 11. Mai mußte der Finanzvorstand Clemens Boersig auf einer Konferenz in New York erklären, die Deutsche Bank unterhalte keine direkten Beziehungen zu Hedgefonds, und überhaupt seien die Verbindlichkeiten der Bank vollständig abgesichert, man sei "konservativ" usw. Doch jedermann weiß, daß die Deutsche Bank unter Vorstandschef Josef Ackermann zuletzt nur deshalb eine sagenhafte Rendite von 30% erzielen konnte, weil sie durchaus eng mit Hedgefonds kooperiert und zum Teil selbst wie ein Hedgefonds agiert. Die "konservative" Strategie hat die Deutsche Bank jedenfalls nicht davon abgehalten, inzwischen ein Riesenrad von Finanzderivaten im Nominalvolumen von 17 Billionen Euro zu unterhalten - also zehnmal so viel wie die gesamte "offizielle" Staatsverschuldung in der BRD.

Highbridge Capital und GLG sind nur zwei Hedgefonds, die mehr oder weniger aus Versehen in die Schlagzeilen gerieten. Dutzende, wenn nicht gar Hunderte von mittelschweren bis großen Spekulationsfonds sind vermutlich durch die in der Nachkriegsgeschichte beispiellose Herabstufung von 453 Milliarden Dollar an ausstehenden Schulden in Schieflage geraten. Dabei ist der Vergleich mit LTCM im Grunde irreführend, da verharmlosend. Sowohl die Anzahl wie das Kapital von Hedgefonds ist heute rund zehnmal so groß wie im Herbst 1998. Und die Verquickungen zwischen diesen Fonds und den führenden Banken der Welt ist heute enger als jemals zuvor. Man wird noch viele Dementis von den Banken zu hören bekommen. Sie werden sich verzweifelt bemühen, die Leichen in ihren Kellern verborgen zu halten. Doch der Gestank drängt zur Oberfläche!