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Rückblick 2008

Das Jahr der Rezession

Von Walter K. Eichelburg

Datum: 2008-12-25

Mit dem Beginn der Finanzkrise im Sommer 2007 ist ein langer Prozess des wirtschaftlichen Abstiegs eingetreten. 2007 war in der Realwirtschaft noch praktisch nichts zu bemerken. Mit Herbst 2008 ist die ganze Welt in eine Rezession eingetreten. Der Absturz verschärft sich inzwischen, in 2009 kommt dann die Depression.

Das Bankensystem war 2008 mehrere Male nahe der „Kernschmelze“, konnte aber durch wildes Gelddrucken und Staatsgarantien immer wieder aufgefangen werden. Einige Staaten sind schon praktisch bankrott gegangen. Der Rest wird 2009 folgen.

Der Goldpreis hat 2008 mehrere Male $1000/oz überschritten – immer im Zusammenhang mit einer ernsten Bankenkrise. Er wurde aber immer wieder von den Zentralbanken gedrückt.

Was geschah 2007

Ein Chronologie wäre nicht vollständig, ohne den Beginn der Bankenkrise kurz zu beschreiben.

Real begann die Finanzkrise im Frühjahr 2007, wo die US-Hypothekenvertriebe (Mortgage Lenders) reihenweise bankrott gingen. Ihnen wurde der Mist aus Subprime-Hypotheken, die jeder bekam, der noch atmete, nicht mehr abgenommen.

Im Juni 2007 gingen dann 2 Hedge Fonds der inzwischen verschwundenen US-Investment-Bank Bear Stearns unter. Diese waren mit Collateralized Debt Obligations (CDO) aufgefüllt, die aus den Resten von US-Subprime-Hypotheken konstruiert waren. Die Fonds kauften diese CDO-Mistpapiere auf Kredit, inzwischen sank aber der Wert der CDOs, da in den USA viele Subprime-Kreditnehmer ihre Raten nicht mehr zahlen konnten.

Ab Juli 2007 kam dann das Aus für Junk-Bonds (Anleihen schlechter Qualität) sowie Firmenkäufe auf Kredit. Im August 2007 begann dann der Interbankenmarkt mit Krediten einzufrieren. Daran hat sich bis jetzt kaum etwas geändert, egal wieviel Geld die Zentralbanken auch hineinsschütten.

Ab August brach dann die Krise in Deutschland los. Zuerst flog die „Mittelstandsbank“ IKB auf, indem sie auch eine Art von Hedge Fonds betrieb. Diese sogenannten Structured Investment Vehicels (SIV) kauften für Milliardenbeträge US-CDOs mit geborgtem Geld, das aus der Ausgabe von Asset Backed Commercial Paper (ABCP) stammte. Die Bank haftete für diese Vehikel.

Inzwischen kam heraus, dass viele Institutionen solche SIVs betrieben etwa deutsche Landesbanken (BayernLB, SachsenLB, WestLB), sogar die österr. Eisenbahn ÖBB. Die US-Investmentbanken haben selbst solche SIVs betrieben. Auch das SIV-Problem ist bis jetzt ungelöst. Etwa bei deutschen Landesbanken sind dadurch Verluste ab € 30 Mrd. pro Bank aufgetreten. Bis jetzt hat man diese Papiere nicht abgestossen, obwohl sie kaum mehr einen Wert haben, man hofft wie der Kleinanleger immer noch auf Wertsteigerung.

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1. Quartal 2008

Der Anfang des Jahres war durch die Krise um die beiden US-Kreditversicherer MBIA und Ambac gekennzeichnet, die diese CDOs versicherten. Inzwischen sind diese Firmen aus dem Geschäft draussen, leben aber noch irgendwie.

Ja, und dann begann der Absturz der Aktienkurse, vorerst in Asien und Europa. In China etwa haben sich die Indizes inzwischen mehr als halbiert, Osteuropa und Russland sind noch stärker eingebrochen, auch in Westeuropa haben sich die Aktienkurse inzwischen etwa halbiert, an der „Ost-Börse“ Wien noch mehr. Dort musste sogar der Handel ausgesetzt werden, aber das war erst im Sommer. Die US-Börsen kamen erst ab Sommer 2008 dran, haben aber auch ca. 50% eingebüsst.

Inzwischen wurden weitere „Verlust-Vehikel“ der Investment-Banken entdeckt, etwa die Variable Interest Entities (VIE) oder die Auction Rate Securities (ARS), die besonders der Schweizer UBS grosse Verluste brachten. Alle Banker machen in Bubble-Zeiten den selben Unsinn, daher schreiben sie alle gleichzeitig Verluste, wenn diese Spekulationen platzen. Sogar Lord Keynes hat das schon vor 80 Jahren festgestellt.

Dann schlug am 14. März 2008 die Bear Stearns Bombe ein: über das Wochenende muste diese US-Investment Bank gerettet werden. Sie wurde gleichzeitig an die US Grossbank JP Morgan (den „Gott“ der Wall Street) angehängt. Grund waren grosse Derivatenverluste, speziell mit Gold-Derivaten. Bear Stearns war einer der Goldpreis-Drücker, der Goldpreis ist aber im Zug der Krise dieser Bank auf über $1000/oz gestiegen.

Am 20. April stand dann im Spiegel: Finanzsystem stand haarscharf vor dem Kollaps

Das internationale Finanzsystem stand offensichtlich viel näher am Abgrund, als selbst Experten wahrhaben wollten. Nach Überzeugung des ehemaligen Konzernchefs der Credit Suisse, Oswald Grübel, ist es sogar nur denkbar knapp dem Kollaps entgangen.

Wäre diese vergleichsweise kleine Bank zusammengebrochen, hätten weltweit Millionen von Bankkunden ihre Einlagen zurückverlangt, und die Situation wäre außer Kontrolle geraten, erklärte der Banker. Das Bankgeschäft wäre über einen unabsehbaren Zeitraum hinweg gelähmt gewesen.

Zum Glück hätten die Zentralbanken erkannt, dass sie den Interbankmarkt faktisch hätten übernehmen müssen, sagte Grübel: "In der jetzigen Finanzkrise sind wir haarscharf an einem System-Kollaps vorbeigeschlittert. Das hat es noch nie gegeben."

Das Finanzsystem stand also vor dem Kollaps. Die Frage ist, wie viele solche "Near-Misses" überlebt das System noch?

Das war die 1. US-Investment-Bank und der 1. Fed Primary Dealer (handelt mit der Fed Wertpapiere direkt), der unterging. Inzwischen ist Bear Stearns in JP Morgan aufgelöst und der Grossteil des Bear Stearns Personal entlassen. Inzwischen gibt es keine einzige reine US-Investment-Bank mehr.

2. Quartal 2008

Das 2. Quartal (April bis Juni) war „ruhig“ im Vergleich zu den Folgequartalen.

Jedoch verschlechterte sich die Situation der Banken immer weiter, besonders UBS, Merrill Lynch und Lehman Brothers. Die Verluste der Banken wurden bereits auf ca. $5000 Mrd. geschätzt.

Die Immobilien-Bubbles in Westeuropa, speziell Grossbritannien und Spanien brachen zusammen, dort beginnt die Rezession. Das restliche Westeuropa und Osteuropa merken noch praktisch nichts.

Die Rohstoffpreise erreichen im Juni ihren Hohepunkt. Ebenso die Preise für Agrargüter wie Getreide. Die 1. Welt stöhnt unter den hohen Preisen, die 3. Welt hungert.

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Hier „Dr. Copper“, das Metall mit dem Dr. in Ökonomie – der Kupferpreis zeigt sehr gut die Wirtschaftsentwicklung an:

Der Höhepunkt wurde Ende Juni mit ca. $9000/t erreicht, seitdem ist der Kupferpreis auf 1/3 gefallen – zeigt eine schwere Depression an. Kupfer geht in alle Bauten, Autos, Elektronik, etc.

Hier der Rohölpreis über ein Jahr:

Innerhalb eines Jahres ist der Ölpreis auf $147/bbl Anfang Juli 2008 gestiegen und dann wieder auf auf $36 (Ende Dezember) gefallen – der selbe Wert wie Anfang 2006. Innerhalb eines halben Jahres ist der Ölpreis also wieder auf ¼ gefallen, ein enormer Abstieg. Alle Ölproduzenten, die sich auf den hohen Preis eingestellt haben, haben jetzt Probleme.

Die Medien waren im Sommer 2008 voll mit Berichten über die enorme Inflation. Sie war in der Tat enorm und traf primär essentielle Güter wie Lebensmittel und Energie. Die Treibstoffpreise sind inzwischen schon heruntergekommen, die Lebensmittelpreise aber kaum.

3. Quartal 2008

Das 3. Quartal unterschied sich in einem wesentlichen Punkt von den vorangegangen Quartalen: der Absturz der Rohstoffpreise. Selbstverständlich hat der US-Finanzminister Hank Paulson mit seinem Plunge Protection Team (PPT) hier nachgeholfen, denn es standen Wahlen in den USA vor der Tür

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und die Menschen stöhnten unter der hohen Inflation. Also hat man die Spekulationen aus ihren Long-Positionen auf den Rohstoffbörsen verjagt. Alle Rohstoffpreise begannen in der 2. Julihälfte zu fallen.

Der „Geld-Rohstoff“ Gold hat nicht so stark gelitten, wie der primär Industrie-Rohstoff Silber:

Gold ist von $1000 Mitte Juli auf ca. $700 im November „gefallen“, besser gesagt, es wurde dort hin gedrückt. Silber ist wie andere Rohstoffe gleich um 50% gefallen.

Das alles in US-Dollar, in anderen Währungen wie dem Euro hat Gold erst im Herbst 2008 den Höhepunkt erreicht. Warum? Weil interessanterweise der US-Dollar gegenüber allen anderen Währungen stark gestiegen ist.

Das grosse De-Leveraging:

Eigentlich war der Dollar wegen seiner schlechten Fundamentaldaten bereits auf der Abschussliste. Der Dollar Index ist auf unter 80 gefallen. Dann kam die Wende. Diese Wende war sicher zu einem grossen Teil Manipulation der Zentralbanken.

Auf der anderen Seite ist die Russland-Kreditbubble zusammengebrochen.

Es hat sich gezeigt, dass der „märchenhafte Reichtum“ der russischen Oligarchen nur auf West-Kredit aufgebaut war, mit dem sie ihre Aktienpakete gekauft haben. Ab August 2008 bekamen sie von den Banken die „Margin Calls“, also die Aufforderung Geld nachzuschiessen oder die Bank verkauft die verpfändeten Aktien. Das haben die Banken auch gemacht und Aktien massenhaft auf den Markt geworfen. Die russischen Börsen mussten immer wieder wegen grosser Kursverluste geschlossen werden.

Inzwischen haben diese Oligarchen ca. $300 Mrd. verloren, vermutlich noch viel mehr, da bei Kursverlusten immer zuerst das Eigenkapital leidet. Die ganze russische Wirtschaft war mit ca. $500 Mrd. im Westen meist in USD verschuldet. Dollars mussten her, um die Kredite zurückzuzahlen.

Russland ist seit dieser Zeit im massiven Absturz, denn der grösste Teil der Kredite kam aus dem Ausland, da es kaum interne Ersparnisse gibt. Selbst ein Staatsbankrott wird nicht mehr ausgeschlossen, jedoch hat Russland hohe Devisenreserven, die zumindest die Auslandsschulden abdecken. Der fallende Ölpreis trifft Russland schwer.

Überhaupt ist seit dieser Zeit die Emerging Marktes Euphorie verflogen. Aus diesen ganzen exotischen Märkten fliesst Kapital zurück, besonders in die USA. Die EZB musste fortlaufend Dollars an europäische Banken austeilen, die sie sich vorher bei der Fed holte. Europäische Banken haben ca. $2700 Mrd. in diesen Märkten stecken, von Argentinien bis Osteuropa.

Die Fannie & Freddie Bombe:

Nicht, dass die USA keine Probleme hätten, sie haben davon genügend. Etwa die beiden halbstaatlichen Immobilienfinanzier Fannie Mae und Freddie Mac. Diese beiden Institute waren in 2008 die einzigen Firmen, die noch US-Hypotheken aufkauften, zu Mortgage Backed Securities (MBS) bündelten und weiterverkauften. Im Juli und August kamen auch die unter Druck. Von den ca. $5300 Mrd. an ausgegebenen Fannie &

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Freddie-MBS befand sich ein grosser Teil als Währungsreserven in der Hand von Zentralbanken rund um die Welt. Besonders die chinesische Zentralbank bestand auf einer Rettung durch den amerikanischen Staat. Anfang September war es soweit. Die US-Regierung übernahm die Garantie für Fannie & Freddie sowie deren MBS. Damit hat sich die effektive US-Staatsschuld gleich um 50% erhöht.

Lehman und AIG:

Es kam im September 2008 noch stärker. Am 14.9. „verstarb“ die US-Investment-Bank Lehman Brothers. Besser gesagt, man verweigerte ihr einen staatlichen Bailout (Rettung), offenbar war die Derivaten-„Belastung“ dieser Bank nicht so hoch wie vorher bei Bear Stearns. Gleichzeitig wollte man wohl der Politik zeigen, was bei einem Bankuntergang passiert.

Die Lehman Pleite hatte Auswirkungen rund um die Welt. In den USA wurden einige Wochen später „Versicherungszahlungen“ von ca. $380 Mrd. auf Credit Default Swap (CDS) Derivate auf den Anleihen von Lehman fällig. Diese Anleihen waren im Schnitt nur mehr 9% des Nennwertes wert – ein Zeichen für die heutige „Werthaltigkeit“ von Bankenanleihen. Real sind die meisten Banken bankrott.

In Europa entstanden riesige Ausfälle bei Banken und Haltern von Lehman-Zertifikaten. Den Vogel schoss eindeutig die deutsche KfW ab, die einige Stunden nach der Lehman-Pleite noch mehrere 100 Millionen an Lehman überwies.

Einige Tage nach der Lehman-Pleite war es bei der US-Versicherung AIG soweit. Diese wurde aber wegen der vielen CDS-Derivate gerettet, denn dieser Untergang hätte das Finanzsystem in den USA und Europa sofort umgebracht. Inzwischen hat die US-Federal Reserve (Fed) über $150 Mrd. in dieses Fass ohBoden gesteckt. Das Meiste davon ist sicher für DerivatenVerluste draufge

Seit September 2008 drucken die Zentralbanken wie wild Geld. Hier die US-Fed (aus The Casey Report 12/2008):

Wie man sieht hat das grosse „Gelddrucken“ im September 2008 eingesetzt. Was in die Fed Bilanz aufgenommen wurde, sind primär wertlose Mistpapiere wie ABCP oder CDOs. Im Fall der EZB ist es nicht besser.

Was hier gemacht wird, ist reine Verzögerungstaktik. Man möchte das bisherige System der Kredit-Expansion über die Banken wieder ankurbeln, aber das gelingt seit 2007 nicht mehr. Die heutigen Eliten im Finanzwesen wie in der Politik sind zu einer Generalreform unfähig, da es deren Jobs kosten würde. Aber die Schäden am System sind schon zu gross, um eine erfolgreiche Kredit-Reflation nach altem Muster wie 2001 noch durchführen zu können. Auch die derzeitigen 0% Zinsen der Fed werden nicht nützen. Das System ist im Kollaps.

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4. Quartal 2008

Begonnen hat die wirklich ernste Phase der Finanzkrise im September in den USA mit den Fällen, Fannie Mae, Freddie Mac, Lehman und AIG. Ende September war dann Europa dran.

An einem Wochenende mussten in Deutschland die Hypo Real Estate (HRE), in Belgien die Fortis Bank und in Grossbritannien mehrere Banken vom Staat gerettet werden. Alle diese Banken konnten sich plötzlich am Interbanken-Markt nicht mehr refinanzieren. Deren Risiko wurde als zu gross angesehen.

Mit der HRE war der gesamte deutsche Pfandbriefmarkt in Gefahr (hat sich seither nicht erholt). Dieses Fass ohne Boden hat inzwischen ca. € 50 Mrd. an deutschem Steuergeld und Staatsgarantien verschlungen.

Der Run auf den Banken in Europa:

Begonnen hat es mit Geldabhebebegrenzungen und anderen „technischen Problemen“. So waren einige Zeit die Sparkassen in Nord- und Ostdeutschland „offline“. Auch bei anderen deutschen und Schweizer Banken gab es verschiedenste Probleme.

Als Erklärung wurde unter anderem herausgegeben, dass ein Marder das Stromkabel des deutschen SpRechenzentrums durchgebissen hätte.

Das Bild links ist eine passende Leser-Anfertigung, vielen Dank!

Solche kaum glaub-würdigen „Erklärungen“ wurden uns vorgesetzt.

In Wirklichkeit war natürlich ein Run auf die Banken im Gang, der aber verschwiegen wurde.

Hier eine Leserzuschrift:

Postbank Marder-aktivitäten wieder gestern in Berlin:

Gestern abend in der Postfiliale am Bundesplatz: Beim Abgeben von Paketen fielen mir wieder die "Technische Störung-Schilder" auf. Auf eine entsprechende Frage versicherte mir die Schalterfrau, das seien wirlich nur technische Probleme und habe nichts mir Finanzproblemen zu tun. Ich bin erstmal beruhigt Essen gegangen. Nicht weil ich den Beteuerungen glaube, sondern weil ich Edelmetall und Bargeld gebunkert habe.

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Das haben sich damals viele gedacht. Es wurde massiv Geld abgehoben. Die Edelmetallhändler wurden weltweit leer gekauft.

Zuerst ging es in Irland los, dann in Griechenland, dann in Deutschland, dann in Österreich. Ein Run auf Banken, die als unsicher eingestuft wurden. Die Politiker gerieten in Panik.

Der General-Bailout:

Zuerst waren die Amerikaner mit einem $700 Mrd. Rettungspaket für die Banken da. Dieser wurde nur mit Mühe durch den Kongress geschleust.

In der Realität ist es so, dass die Zentralbanken zwar Liquiditäts-Engpässe der Banken überbrücken können, jedoch neues Kapital können sie nicht zuschiessen. Das können nur externe Investoren oder der Staat machen. Nachdem sich Asiaten und Araber bereits vor einem Jahr mit solchen Aktienkäufen die Finger verbrannt haben, bleibt jeweils nur mehr der eigene Staat übrig. Aber sterben lassen wollte man keine grössere Bank, denn das hätte den Run auf alle Banken nur noch verstärkt.

Also berief der aktuelle EU-Ratspräsident Nicolas Sarkozy eilig einige EU-„Rettungsgipfel“ ein. Statt der angekündigten „radikalen Massnahmen“ gegen die Bankenkrise kam eine umfassende Staatsgarantie für alle Spareinlagen heraus. Er wollte zwar einen grossen Geldtopf, aus dem er Gelder zuteilen wollte, aber das wurde ihm nicht gewährt.

Stattdessen rettete jeder EU-Staat nach eigener Version seine Banken. Den Vogel schoss dabei Irland ab, das alle Spareinlagen bis zu einer Höhe von € 400 Mrd. garantierte. Deutschland „garantierte“ €500 Mrd. und Österreich €100 Mrd. Alle diese Rettungspakete würden natürlich den sofortigen Staatsbankrott bedeuten, selbst im Fall von Deutschland mit s„moderaten“ €500 Mrd. Von der irischen Wahnsinn

Der österr. EU-Abgeordnete Hannes Swoboda:

Leider war es notwendig, diese Garantien zu geben, aber erstens ist dieses Geld ja nicht vorhanden und zweitens würde es, wenn es eingefordert werden würde zu einer echten Wirtschaftskatastrophe kommen. Aber die mit dieser Summe verbundenen Signale der Sicherheit waren notwendig.

Der Politik war also bewusst, dass, wenn die angebotenen Garantien gezogen werden, es den Staatsbankrott bedeuten würde. Aber dieses Hasardspiel sind sie eingegangen, um noch an der Macht bleiben zu können. Der Bank-Run hat hat sie in totale Panik versetzt.

Der österr. Ex-Bundeskanzler Gusenbauer gibt nachträglich im Parlament den Run auf Österreichische Banken zu. APA-Meldung vom 14. Oktober:

"In dem Moment, in dem die Bundesregierung die unbeschränkte Absicherung von Spareinlagen verkündet hat, "ist der Run auf die Banken, der einige Tage stattgefunden hat, gestoppt worden", sagte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) am Dienstagnachmittag in Hauptausschuss des Nationalrates. Dies zeigt aus Sicht Gusenbauers das hohe Vertrauen der Bürger in die politischen Institutionen des Landes."

So ist es also: sie wussten sich nicht mehr anders zu helfen. Also haben sie ihre Staaten auch noch in den Krisen-Hexenkessel geworfen. Nur um noch einige Monate Ruhe zu haben.

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Der Untergang der Staaten:

Andere Staaten wie Island, Ungarn, Ukraine, Lettland sind gerade in mitten im Staatsbankrott-Prozess drinnen.

Meist ist das passiert, indem sogenannte „schwächere“ Staaten ihre Banken zu retten versuchten. Also flohen die Investoren auch aus den Staatsanleihen und Währungen. Diese stürzten ab, Importe wurden fast unmöglich, Kredite in Fremdwährung kaum mehr zu bezahlen. Wer in Westeuropa auf einer Bank isländische Kronen oder ungarische Forint umtauschen möchte, wird sein böses Wunder erleben. Trotz Hilfe duInternationalen Wärhungsfond (IWF) werden diese Währungen praktisch nicht mehr genommen. In Island etwa ist der offzielle Euro-Kurs 150 Kronen, der Schwarzmarkt-Kurs aber 350 Kronen – falls man überhaupt Euros oder Dollars bekommt.

Uns, die „1. Welt“ hat der Staats-Pleitegeier für 2009 aufgehoben. Dann kommen auch wir dran, wie in meinen Artikeln „Die Staatsblätter fallen“, und „Alles oder Nichts“ gezeigt wird.

Der Zusammenbruch der Realwirtschaft:

Inzwischen kommen immer Horrormeldungen aus der Realwirtschaft. So ist etwa der Baltic Dry Index, der Index der Rohstoff-Schiffscharterraten von 11700 auf unter 800 zusammengebrochen. Den Charterraten für Containerschiffe geht es nicht besser. Das hat nicht nur mit der nachlassenden Welt-Nachfrage für Rohstoffe und Fertigwaren zu tun, sondern auch mit der vielfachen Nicht-Verfügbarkeit von Letters of Credit (Import-finanzierungen) zu tun. Der Schiffsverkehr ist in den letzten 3 Monaten um mindestens 40% gesunken. Auch die Eisenbahnen legen Waggons still. Bei LKW-Frächtern gibt es eine Pleitewelle, die früher übliche „LKW-Wand“ auf den Autobahnen ist verschwunden.

Die Autoindustrie ist in einem massiven Schrumpfungsprozess, weil es immer weniger Finanzierungen für den Autokauf gibt. Die gesamte Investitonsgüter-Industrie bricht massiv ein, etwa LKW, Baumaschinen. Auch diese wurden bisher über Kredit/Leasing gekauft.

In Deutschland stirbt jetzt jede Woche mindestens eine Auto-Zulieferer. Die Autoindustrie macht derzeit lange Weihnachtsferien. Viele Werke werden 2009 vermutlich nicht mehr aufsperren. Vom Zustand der US-Autoindustrie brau

Die Verfügbarkeit von Firmenkrediten ist stark zurückgegangen, egal was die Politiker von den Banken fordern.

Hier eine Leserzuschrift aus Deutschland – Auftragslage chem. Industrie:

Ich arbeite in einer großen deutschen AG in der chem. Industrie. Wir stellen Salze für verschiedene andere Inustriezweige her, darunter auch die Nahrungsmittelindustrie und das weltweit. Seit Okt. Diesen Jahres sind wir mit der Produktion deutlich zurückgefahren. Bis Weihnachten fahren wir nur noch Mindestlast. Und jetzt halten Sie sich fest: Ab Weihnachten gibt es keinen einzigen Auftrag mehr, auch nicht für nächstes Jahr! Nicht mal für die Nahrungsmittelindustie! Das gab es noch nie. Was das bedeuten könnte, sollte sich jeder mal ernsthaft überlegen! Ich dachte bis vor kurzen ähnlich wie Sie,

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muss aber jetzt feststellen, dass es Deutschland wohl vielleicht noch härter treffen wird als angenommen.

Egal, was es ist, alles wird derzeit zusammengedroschen.

Zum „Glück“ für die Beschäftigten in diesen Industrien haben ihre Bosse noch nicht verstanden, um was es sich handelt – den Eintritt in eine schwere Depression – die „Greater Depression“, von der viele Autoren schreiben.

Aber bald werden sie es verstehen. Vermutlich ab Anfang 2009 kommen überall Entlassungswellen, wie sie die Welt noch nie gesehen hat. Denn dann will jeder Manager etwas von seiner Firma retten. Ohne Aufträge ist überflüssiges Personal nur Last, die schnell weg muss. Wir sehen derzeit erst die ersten Zeichen.

Depression 2009

Die gesamte Welt geht derzeit synchronisiert in eine Depression, schlimmer als in den 1930er Jahren. Fahrt wird diese Depression erst dann richtig aufnehmen, wenn auch die Staaten der „1. Welt“ bankrott gehen. Aber das ist für den nächsten Artikel – den Ausblick 2009.

Die Rettungboote werden bald gebraucht, die Titanic taucht gerade ein.

Disclaimer:

Ich möchte feststellen, dass ich kein Finanzberater bin. Dieser Artikel ist daher als völlig unverbindliche Information anzusehen und keinerlei Anlage- oder sonstige Finanzierungsempfehlung – ähnlich wie ein Zeitungsartikel. Ich verkaufe auch keine Finanzanlagen oder Kredite. Jegliche Haftung irgendwelcher Art für den Inhalt oder daraus abgeleiteter Aktionen der Leser wird ausdrücklich und vollständig ausgeschlossen. Das gilt auch für alle Links in diesem Artikel, für deren Inhalt ebenfalls jegliche Haftung ausgeschlossen wird. Bitte wenden Sie sich für rechtlich verbindliche Empfehlungen an einen lizensierten Finanzberater oder eine Bank.

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Zum Autor: Dipl. Ing. Walter K. Eichelburg ist unabhängiger Consultant und Investor in Wien. Er beschäftigt sich seit mehreren Jahren intensiv auch mit Investment- und Geldfragen. Er ist Autor zahlreicher Artikel auf dem Finanz- und IT-Sektor. Er kann unter walter@eichelburg.com erreicht werden.

Seine Finanz-Website ist: www.hartgeld.com 9