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Greift der Staat nach unseren Kindern?
von Christa Meves

Greift der Staat nach unseren Kindern? Es gibt viele Anzeichen, daß durch eine Fülle von Maßnahmen in Bezug auf die Erziehung der Kinder unser Grundgesetz unterlaufen wird. Es handelt sich

1. um die Bemühung von staatlichen Eingriffen in die Kleinkindererziehung:

  • durch die Intention, flächendeckend Krippenplätze für 0-3-Jährige einzurichten,
  • durch den Ausbau von Kitas, das heißt durch ganztägige Einrichtungen für 3-6-Jährige mit der Tendenz, diese zur Pflicht zu machen,
  • durch die staatliche Überwachung von jungen Familien und
  • durch die Schwächung der Einverdienerfamilie durch die Veränderung im Unterhaltsrecht.

2. Es handelt sich um den Absolutheitsanspruch des Staates auf die Grundschulpädagogik:

  • durch Ausweitung der Zentralisierungen,
  • durch die Erschwerung von Privatschulen,
  • durch das Verbot von Homeschooling.

3. Es handelt sich um eine Veränderung des weiterführenden Schulsystems,

  • durch die Intention, Haupt- und Realschulen aufzugeben zugunsten einer Erweiterung der Gesamtschulen zu Mammutschulen (Gemeinschaftsschulen genannt),
  • durch Ganztagsunterricht der Schüler.

4. Es handelt sich um eine Vereinheitlichung der Schulpläne:

  • durch ein Zentralabitur,
  • durch eine Überflutung mit Leistungsnachweisen,
  • durch Verpflichtung zu einer unangemessenen Sexualerziehung,durch eine Ideologisierung der Bildungsinhalte.

5. Es handelt sich um eine Gesetzesvorlage für autonome, vom Staat kontrollierte Kinderrechte.

Der Weg dahin ist bereits klar ausgeschildert: Flächendeckend sollen nun - einhellig unterstützt von allen Parteien - Kinderkrippen für Säuglinge, Ganztagskindergärten für Kleinkinder, Horte und Ganztagsschulen aufgestockt werden. „Krippenplätze flächendeckend“ für möglichst viele Kinder im Alter von 0-3 Jahren, proklamiert das Familienministerium. Mittlerweile hat aber die amerikanische Hirnforschung hieb- und stichfest bewiesen, was Erfahrungswissenschaft, was ebenso die jahrzehntelange Kollektivierung der Kleinkinder im Ostblock mehr als deutlich sichtbar werden ließ: Die seelisch gesunde Entfaltung des menschlichen Gehirns, die im Kleinkindalter ihren Hauptschwerpunkt hat, ist von Bedingungen abhängig, die sich nicht willkürlich verändern lassen.

Der Neurobiologe Prof. Gerald Hüther von der Universität Göttingen drückt das folgendermaßen aus: „Frühe emotionale Erfahrungen werden im Hirn verankert, sichere emotionale Bindungsbeziehungen sind die Voraussetzungen für eine optimale Hirnentwicklung. Störungen stellen für Kinder Belastungen dar, die sie umso weniger bewältigen können, je früher sie auftreten. Sie führen zu einer massiven und lang anhaltenden Aktivierung Streßsensitiver Regelkreise im kindlichen Gehirn. Daraus müßte sich dringend eine Stärkung elterlicher Erziehungskompetenz ergeben.“ Das bedeutet: Das Neugeborene bedarf sorgsamster Hellhörigkeit derer, die es betreuen. Und die Hormonforschung vermittelt die Erkenntnis, daß Mütter bereits während der Schwangerschaft auf diese so besonders wichtige Aufgabe durch eine spezifische Hellhörigkeit für ihr leibliches Kind vorbereitet werden.

Die Hormonforscherin Louanne Brizendine stellt fest:

„Tief im genetischen Code der Frau liegen die Auslöser für das zwingend notwendige Mutterverhalten verborgen. Das Hormon Oxytocin ist hier der Vorbereiter. Es wird durch die Entbindung noch mehr aktiviert und durch den engen körperlichen Kontakt des Neugeborenen mit seiner leiblichen Mutter machtvoll verstärkt.“ Von Hormonen unterlegt entwickelt sich in dem Kind auf diese Weise eine Stimmung der Zufriedenheit, ja des Glücks und damit die Erfüllung seiner unbewußten Erwartungen. Und vornehmlich dieses ist es, was die Synapsen in seinem Gehirn millionenfach sprießen läßt!

Dieser Zusammenhang beweist: Aus der anhaltend liebevollen, durch das Stillen körpernahen Gemeinsamkeit zwischen Mutter und Kind bildet sich ein optimal gefülltes Gehirn. Dabei haben internationale Studien gezeigt, daß, wenn die Nähe zur Mutter mit noch gelegentlichem Stillen bis ins zweite und dritte Lebensjahr erhalten bleibt, das Kind im Alter von 10 Jahren intellektuell um 7 Punkte Kindern seiner Jahrgänge überlegen ist, denen dieses Glück nicht zuteil geworden ist.

Allerdings streckt sich das Kind mit seinem mächtigen Lebenswillen auch nach der Decke, wenn ihm das ganz Richtige, das Natürliche, das Ursprüngliche nicht geboten wird, wenn ihm die leibliche Mutter abhanden kommt, wenn es beschädigt zur Welt kam, wenn man es nicht anlegt und - aus welchen Gründen auch immer - von anderen, womöglich von wechselnden „Bezugspersonen“, mit Kunstnahrung füttern und betreuen läßt. Aber volle Befriedigung seiner instinktiven Erwartung kann ihm so nicht zuteil werden.

Das gilt es also dringend neu zu lernen: Daß das Gefühl liebevoller Verbundenheit und Anregung das entscheidende Stimulans der Hirnentwicklung sowohl des Intellekts als auch von jeglicher späteren Motivation und damit zu Leistungs-, Gemeinschafts- und Ehefähigkeit darstellt!

Bei den Neurobiologen löste diese Erkenntnis kein geringeres Erstaunen aus als einst die Entdeckung des Galilei. Nicht durch Dressur in Massenpflege oder gar durch Baby-Parties und sogenannte Bildungsprogramme für Babys also, sondern durch ein Gefühl wächst das Gehirn!!!! Durch die Liebe der mit seiner Pflege hormonell geradezu vernieteten Person erhält der Mensch einsetzbare Kraft zum Leben, ja nicht allein dazu, sondern sogar Lebenskraft zur Höherentwicklung des Homo sapiens! Der Mensch ist von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt! Darauf ist er programmiert!!!

Vom Gegenteil der Medaille können Psychotherapeuten hingegen ein trauriges Lied singen; zumal seit 40 Jahren die frühe natürliche Mutter-Kind-Nähe als nichtig und unnötig erklärt und durch Unangemessenheiten ersetzt wurde: durch die Flasche, durch Isolation und durch Delegieren, welcher Art auch immer. Aber auch dieses ließ sich nun durch die neue Forschung erhärten: Die Streßhormone Adrenalin und Kortisol werden ausgeschüttet, wenn das Kind z. B. in seiner ersten Lebenszeit allzu oft und immer wieder von der Mutter getrennt wird. Und es ist neuerdings ein Leichtes, bei Trennungserlebnissen die Angst, den Streß des Babys durch die Erhöhung des Kortisolspiegels im Speichel zu messen. Und so hat sich bald herausgestellt, daß durch immer erneute Trennungen dieser Streßpegel chronisch erhöht bleibt und später seelische und körperliche Beeinträchtigungen vielfältiger Art hervorruft.

Auf diese Weise bestätigt sich, was Freud uns bereits ins Stammbuch schrieb, was John Bowlby später erhärtete, was sich durch hundert Jahre psychoanalytische Praxis immer neu bestätigt hat: Daß die Kernneurosen mit ihren später kaum revidierbaren Lebensschwierigkeiten ihren Ursprung in der frühen Kindheit haben. Kollektiverziehung im Kleinkindalter bildet also wissenschaftlich nachweislich u. U. die Ursache von Depressionen, von Adipositas, Anorexia, Alkoholismus ebenso wie Diebstahlskriminalität. Und die Störungen der Bindung, die ebenfalls in den ersten drei Jahren entstehen, können die Neigung zu Schizoidie, zu Panikattacken, Borderline-Not, autismusähnlichen Verhaltensweisen, kurz: eine Minderung der Sozialisation heraufbeschwören.

Daß das Kollektivieren von Kleinkindern als Norm - bereits im Schulalter als Unruhe ersichtlich, neuerdings als ADHS (als Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätssyndrom bezeichnet) - eine schwer revidierbare Minderung der seelischen Stabilität und schließlich der Leistungsfähigkeit in so verfahrenden Gesellschaften hervorruft, ist eine berechtigte Schlußfolgerung, die sich nicht nur hierzulande, sondern übrigens besonders eklatant in dem 70-jährigen Großexperiment der atheistischen Sowjetunion längst bestätigt hat. Man könnte interpretieren: Die Auflösung der Mutter-Kind-Dyade am Lebensanfang, wie sie dort geschah, indem man die jungen Mütter kurze Zeit nach der Geburt eines Kindes wieder in die Produktion stellte, minderte die Möglichkeit, lieben und arbeiten zu können und verursachte statt dessen Minderung der Leistungsfähigkeit vieler Menschen und damit wirtschaftlichen Niedergang mit einem Status von vierzig Millionen Alkoholikern, wie die Akademie der Wissenschaften in Moskau 1980 herausgab.

Die neuen Neurowissenschaften können uns also helfen, das Urmysterium der Entfaltung zum Menschsein sichtbar zu machen: den zentralen, unaufgebbaren Höchstwert der Mutter-Kind-Dyade. Je mehr ungeteilter, urnatürlicher, gekonnter Liebesdienst am Anfang, umso höher vermag sich der Einzelne und eine diese Anweisung beachtende Gesellschaft zu entfalten.

Glaubt unsere Regierung, glauben unsere Ideologen diesen Stand internationaler Forschung einfach verleugnen zu können? „Sucht ist der Ersatz für die veruntreute Mutter“, hat uns der große ungarische Psychologe Szondy aufgrund seiner praktischen Erfahrung schon vor Jahrzehnten mahnend zugerufen. Haben wir damit inzwischen nicht in Millionen von Fällen genug Erkenntnisse sammeln können? Wäre es nicht endlich an der Zeit, den wirtschaftlichen Zusammenbruch des Ostblocks einmal in diesem Zusammenhang zu sehen?

 Wirtschaft wird von Menschen gemacht. Wenn die Menschen „seelisch kaputt“ keine Durchhaltefähigkeit mehr bei der Arbeit haben, wenn sie stattdessen millionenfach in Depressivität und Alkoholismus bzw. Rauschgiftsucht versinken – woher soll dann die Gedeihlichkeit der Gesellschaft kommen? Jeder Hundezüchter, der seine Welpen zu früh verkauft, kann bestraft werden, aber unsere Regierung versucht, ihren „Gestaltungsauftrag“ dergestalt zu erfüllen, daß sie den Eltern vorgaukelt, ihre Babys und Kleinkinder würden besser im Kollektiv betreut als bei Eltern, die ihre Kinder in einer urnatürlichen Weise verantwortungsbewußt gekonnt erziehen.

In unseren Tagen wird damit jedem, der Ohren hat zu hören, erkennbar: Es geht dem linken Trend im neuen Europa gar nicht mehr darum, durch sorgsame Erziehung, durch Unterstützung der Familie geistige Elite und dadurch Gedeihlichkeit der Gesellschaft zu erwirken, es geht den Protagonisten vor allem darum, durch die uniforme Behandlung von Menschen nach Rasenmähermanier – am besten von Geburt an – homogene Masse hervorzubringen, einen neuen, in seiner Individualität geschwächten, manipulierbaren Menschentyp.

Von der Forschung her ist es also mittlerweile eindeutig klar, daß die Familie unaufgebbar ist; denn sie ist nicht etwa eine überholte gesellschaftliche Institution des 18. und 19. Jahrhunderts, wie unsere Ideologen unterstellen. Sie ist eine Vorgabe der Schöpfung. Eine Betreuungs- und Erziehungsform wie in der Familie werden Kollektive niemals leisten können. Allein bei im Schichtdienst wechselnden Betreuerinnen kann die Entstehung der zwingend nötigen festen Bindung an eine Person nicht erfolgen. Aber auch der Unterschiedlichkeit jedes einzelnen Kindes kann im Kollektiv unmöglich hinreichend Raum gegeben werden.

Nein, so lassen sich die traurigen Pisa-Ergebnisse nicht revidieren. Dazu braucht es die ihre eigenen Kinder tief liebenden Eltern und Großeltern, die sich Zeit für ihre Kinder nehmen, die ihnen zum Beispiel im Vorschulalter vorlesen, so daß das Buch eine so positive Valenz für das Kind bekommt, daß es die Motivation entwickelt, selbst lesen lernen zu wollen.

Dies sei nur als Beispiel genannt. Die Palette der Argumente für erfolgreichere Erziehung in der Familie als im Kollektiv ist außerordentlich umfänglich, so die Vorgabe Vater. Er hat eine außerordentlich wichtige Funktion bei der Erziehung der Kinder, die auch keineswegs mit der der Mutter austauschbar ist. Er ist der beschützende, Orientierung gebende, der behausende und auch der grenzen setzende Erzieher. Daß der Vater das kann, sind Vorgaben, die durch das männliche Hirn und die Hormone, z.B. durch das männliche Geschlechtshormon Testosteron, hervorgerufen werden. Vater und Mutter haben nicht die gleichen, jederzeit auswechselbaren, sondern hingegen einander ergänzende Aufgaben bei der Erziehung der Kinder.

Und auch die Geschwister haben gewichtige Funktionen. Sie sind z.B. Verwöhnungsverhinderer. Sie sorgen für eine wirkungsvolle Sozialisation, die wesentlich tiefgreifender zu sein vermag als die im Kollektiv angestrebte; denn natürlicherweise wird sie durch eine sorgsame Abfolge der Geburten allmählich erreicht. Dadurch, daß die voll stillende Mutter frühestens im Abstand von zwei Jahren wieder empfangsfähig ist, kann eine sorgsamere Sozialisation erreicht werden, als das in der Krippe mit Gruppen von Gleichaltrigen der Fall sein kann. Gerade erzählte mir ein Kinderarzt (und auch ich hatte bereits einen solchen Fall), daß er immer häufiger Bißwunden von Kleinkindern zu versorgen habe, die sie sich in den Krippen gegenseitig zufügen. Das ist hier noch gesunde Abwehr gegen die Ideologie einer zu früh angestrebten Sozialisation. Diese ist so falsch, daß sie im übelsten Fall später einen Pegel allgemeiner Bereitschaft zur Gewalt hervorruft, wie es Langzeituntersuchungen in den USA bereits bewiesen haben.

Hingegen: Natürliche Bruderschaft, natürliche Schwesternschaft ist eine vorrangige Voraussetzung zur Sozialisation. Sie prägt verbindlicher als der rohe Kampf das kindliche Ego eins gegen das andere in der Massenpflege Gleichaltriger.

Gewiß, ein humaner Staat hat mit entsprechenden Einrichtungen für elternlose Kinder und für die, deren Eltern absolut erziehungsunfähig sind, zu sorgen. Aber das ist glücklicherweise in unserem Land noch eine Minderheit von 0,7%. Als ein Motiv zur Kollektivierung möglichst aller Kleinkinder ist dieses Argument also nicht tauglich, wie es heute eingeredet werden soll. Die Milliarden, die jetzt für den Aufbau von Krippen geplant sind, sollten lieber in die Hand der Mütter gegeben werden, damit sie es sich wenigstens in den ersten Lebensjahren ihrer Kinder leisten können, von der Erwerbstätigkeit zu pausieren und zunächst bei ihren Kindern zu bleiben, bis diese reif sind für eine größere Gemeinschaft mit Gleichaltrigen. Wenn dieser gesellschaftliche Rahmen geschaffen würde, wenn man die Mütter durch die Medien von ihrem riesigen Wert, zunächst bei den Kindern präsent zu sein, nachhaltig informiert hätte, würde die Mehrzahl dieser Aufgabe auch gewachsen sein, weil das ja instinktmäßig vorgegeben ist. Das Modell: Mutter als Beruf, das ich 1985 der Kohlregierung mit der Zusicherung auf Einführung vorgelegt habe, wäre geeignet, dem Geburtenschwund und der geminderten Leistungsfähigkeit unserer Kinder entgegenzuwirken.

Auch die Tendenz, die Ganztagsbetreuung für 3-6-Jährige zu favorisieren entspricht nicht optimalen Entfaltungsbedingungen für die Kinder in diesem Alter. Der halbtägige Kindergarten zwecks Bildungsanregung durch Fachleute und als Vorbereitung auf die notwendige Sozialisation in der Schule ist für Kinder in diesem Alter angemessener. Ihre Kreativität verstärkt sich, wenn sie halbtags noch unter individueller häuslicher Obhut ihrem Einfallsreichtum nachgehen können. Auch dafür ist lärmende Masse mit dressierendem Programm keineswegs optimal. Kultusminister Maier fragte zu Recht: „Wäre wohl Mozart Mozart geworden, wenn man ihn auf diese Weise kollektiviert hätte?“

Nun aber das Erschreckende: Alle familienpolitischen Neueinführungen vom Elterngeld bis zur Veränderung des Unterhaltsrechts macht es jungen Familien immer schwerer, in jahrelangem Volleinsatz der Mutter für ihre Kinder zu leben, weil es immer schwerer wird, wenn der Vater das Geld allein verdient. Wahlfreiheit zur Familienbildung mit Vollmutter einer Großfamilie ist damit selbst für den Mittelstand mehr oder weniger ausgeschaltet.

Auch die negativen Auswirkungen einer vereinheitlichten, ideologisierten Grundschulpädagogik sind durch die negativen Pisa-Ergebnisse bereits deutlich sichtbar geworden. In diesem Alter sind die nun üblich gewordenen langen Schulwege, die großen Klassen, die häufig wechselnden Lehrer allgemein leistungsmindernd in Erscheinung getreten. Auf diesem Feld gibt es sogar einige ahnungsvolle Einsicht, die ernüchternd durch die Schulen Finnlands ermöglicht worden ist. Aber immer ist es noch so, daß die wenigen konfessionellen Privatschulen, besonders die nicht-koedukativen katholischen und auch die in Homeschooling unterrichteten Kinder wesentlich bessere Ergebnisse aufzuweisen haben. Auch dieses ist ein Kennzeichen der Tatsache, daß hierzulande eine Vereinheitlichung der Erziehung durch staatliche Schulen angestrebt wird; denn Homeschooling gibt es in Deutschland nur an den Rändern der Republik, dort, wo die Familie im Ausland gemeldet ist, weil unser Staat „Parallelbeschulungen“ untersagt.

Und wie sieht ein weiterer Eingriff des Staates als Monopol für unsere Kinder aus? Ohne eine öffentliche Diskussion auszulösen, sind in den vergangenen drei Jahren die Kultusminister mehrerer Länder dazu übergegangen, ein Ganztagsangebot ihrer Schulen vorzunehmen. Teilweise noch freiwillig sind die Lehrpläne - schon ganz und gar in den höheren Klassen - auf den Nachmittag ausgedehnt worden. In den meisten Schulen ist eine Mensa eingerichtet worden, meist ohne eine einladende straff ordnende Organisation. In vielen Schulen wird unter unwirtlichem Lärm eine mehr oder weniger ansprechende Mahlzeit verschlungen. Sofern hier Freiwilligkeit herrscht, werden diese Einrichtungen aber von den Schülern zunehmend weniger in Anspruch genommen. Anfängliche Proteste und eine Umfrage bei den Schülern, die mehrheitlich gegen den nachmittäglichen Unterricht ausfiel, blieben ungehört.

Es gibt allerdings eine Gruppe von Teenagern, für die eine Beschulung am Nachmittag sinnvoll wäre: für vernachlässigte Kinder. Für sie ist das eine Möglichkeit, sie von ungutem Streunen oder unmäßigem Konsum des TV oder PC fernzuhalten. Ja, viel Gemeinschaftssport ist für diese Kinder und Jugendlichen sogar geeignet, sie an faire Spielregeln des Lebens zu gewöhnen, die sie trauriger weise in der Kinderstube meist nicht gelernt haben.

Aber selbst diese Argumentation ist ungeeignet, die Ganztagsbeschulung als Pflicht für alle voranzutreiben. Auch hier scheint schließlich eben doch das ideologische Ziel auf, durch Verstaatlichung der Erziehung den leicht lenkbaren Einheitsmenschen aus dem Boden zu stampfen.

Daß in unserem Land die Tendenz, durch staatliche Erziehung die Angleichung aller an alle zu erreichen, - und dies trotz umfänglicher negativer Erfahrungen damit - ungebrochen ist, zeigt sich unfaßlicher weise darin, daß mehrere Länder nun dabei sind, das Schulsystem so zu vereinheitlichen, daß die Differenzierung in Hauptschule, Realschule und Gymnasium aufgegeben werden soll, zugunsten einer riesigen Mammutschule für alle - Gemeinschaftsschule genannt. Hamburg und Schleswig-Holstein streben dergleichen an, und das, obgleich vergleichende Langzeitstudien bewiesen haben, daß je größer die Schule, je mehr Vereinheitlichung in Gesamtschulen, je weniger persönliche Beziehung zwischen Lehrern und Schülern, desto mehr sinkt das Leistungsniveau ab - im Gegensatz zu Bayern und Baden-Württemberg, wo man die Differenzierung des Schulsystems beibehielt. Man konnte das von der wissenschaftlichen Entwicklungspsychologie und Erfahrungspädagogik voll voraussagen, weil solch ein Umgang mit Jugendlichen optimalen Bedingungen für ihre geistige Entfaltung nicht entspricht.

Durch die Ideologisierung der Bildungsinhalte ist den jungen Menschen in unserer Republik in den vergangenen Jahrzehnten unermeßlicher Schaden zugefügt worden, vor allem durch die Indoktrination hin zu einem vereinheitlichten Globalisierungsdenken und durch den Pflichtunterricht einer enthemmenden Schulsexualerziehung. Es gibt nichts an Anleitung zum Jugendsex, was hier nicht in den vergangenen 40 Jahren in den Schulen durch Pflichtunterricht forsch vorangetrieben worden ist. Selbst in bayerischen Schulbüchern ist ab der 7. Klasse Information zum selbstverständlichen „ersten Mal“ üblich. Es gibt keine Perversität, keine Verhütungsmethode bis zur Information über Abtreibungsmöglichkeiten in der ach so hilfreichen Institution „Pro-Familia“, die ausgelassen worden ist.

Die Folgen liegen auf dem Tisch: Der Geburtenschwund wird kaum mehr revidierbar sein: Ein erheblicher Teil der Menschen in der jungen Generation ist durch Entzündungen der Eileiter, durch Geschlechtskrankheiten und nach langfristiger Einnahme der Antibabypille nicht mehr fortpflanzungsfähig. Und ein anderer erheblicher Teil hat vom Sex die Nase voll und mündet ins Single-Leben ein. Aber solche Informationen und Warnungen, auch z.B. über die Gefahr von Sexualsucht (etwa durch Internetpornographie), kommen in den Lehrbüchern nicht vor! Radikaler läßt sich nicht verwirklichen, was Goethe im Faust den Mephisto sagen läßt: „...denn alles was entsteht, ist wert, daß es zugrunde geht, drum besser wär’s, daß nichts entstünde...“ Die Schilderungen mancher Schüler über ihren Sexualkundeunterricht sind für mich immer wieder aufschreckend; denn er enthält nicht selten direkte Verführung zu oft lebenslänglicher Fehlbahnung.

Unsere jugendlichen Schüler und Schülerinnen bleiben aber nicht nur auf diesem Sektor ohne wahre gesunderhaltende Orientierung, sie werden vielmehr mit dem Menschenbild einer sich selbst überschätzenden Autonomie und Liberalität der Lebensformen geradezu durchtränkt. Kindern aus gläubigen Elternhäusern wird der christliche Glaube nur allzu oft durch dessen Diskriminierung ausgetrieben. Selbst im Religionsunterricht ist nur allzu oft Pluralität und Relativismus Erziehungsziel. (Das heißt nicht, daß es auch heute noch vorzügliche Schulleiter und Lehrer gibt.)

Aber sogar in der neu diskutierten Gesetzesvorlage zu einer Verstärkung der Kinderrechte sitzt eine Teufelsklaue zur Verstaatlichung unserer Kinder. Das verstaatlichte, scheinbar autonome Kind ist eine sozialistische Lieblingsidee, weil die Vereinheitlichung der Kinder nach Rasenmähermanier erfolgen soll, um eine wunderbare realistische Wahrheit zu unterbinden: daß – wie die Genforschung es bewiesen hat - jeder Mensch ein einmaliges Individuum ist, zu Unterschiedlichkeiten begabt, handverlesen vom Schöpfer selbst mit persönlicher Würde und individuellem Lebensrecht ausgestattet, und daß diese Wunderblume eben am ehesten von liebevollen leiblichen Eltern zum Blühen gebracht wird.

Wie die jüngsten Landtagswahlen durch den Zugewinn der Linkspartei deutlich werden lassen, dämmert nun ganz konsequent das Klassenziel dieses durch die Medien einheitlich vorangetriebenen Trends herauf: Die Dominanz des Staates und damit die Entmachtung der Freiheitsspielräume des Einzelnen. Die Verwirklichung dieser Ideologie der Gleichheit und der scheinbaren Gerechtigkeit, eines atheistischen Verhängnisses auf dem Boden des Neides, ist so unrealistisch, daß sie in der Geschichte bisher immer mit Mord und Totschlag der eigenen Einwohner geendet hat. Sie ist kein besserer Gesellschaftsentwurf! Denn sie entspricht nicht dem Wesen des Menschen. Sie täuscht ein Glück vor, dem sie nicht gerecht werden kann; denn wie es uns bereits Dostojewski ins Stammbuch geschrieben hat, kann lediglich Zerfleischung durch Machtanmaßung entstehen, wenn der Mensch Gott abschafft, realistische Demut verliert und in maßloser Überschätzung meint, sich alles erlauben zu können.

Wie retten? Noch lebt die Familie. Gegen alle Zerstörungsbemühung erweist sich ein Kern als erstaunlich resistent. Und das liegt gewiß daran, daß sie von Gott vorgegeben ist. Rettung kann uns also nur dadurch zuteil werden, daß wir erneut Gott seinen Platz einräumen und mit einer friedlichen, aber der Stunde entsprechend SEHR entschlossenen Kulturrevolution in nüchternem Realismus das christliche Menschenbild neu zur Grundlage unserer Gesellschaft machen.

Aus: Infobrief März/April 2008 Familiennetzwerk