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Sprachecke


Wie Sie vielleicht schon gemerkt haben, zählt die deutsche Sprache zu meinen Hobbys. In einer Zeit, in der Politiker fast nichts auslassen, was sie uns nehmen können, halte ich es für dringend notwendig, zumindest im privaten Bereich mit aller Kraft der Marodierung unserer Sprache entgegenzusteuern.

Von Anfang an durften wir schon keinen Nationalstolz mehr haben, ja es scheint schon anrüchig, in diesem Zusammenhang überhaupt das Wort "deutsch" zu gebrauchen. Wie Sie sicher auch gemerkt haben, verbindet mich einiges mit Norwegen, dies sind familiäre und daher auch sprachliche Bindungen. Dort ist es ganz selbstverständlich, daß fast auf jedem Grundstück ein Fahnenmast steht, an dem die norwegische Fahne flattert. Warum? Weil "vi elsker dette landet..", wie es in der Nationalhymne heißt.

Sind Sie schon einmal auf die Idee gekommen, unsere BRD zu "lieben", oder / und deshalb die BRD-Fahne zu hissen? Ich bin mir sicher, daß dann nicht wenige Zeitgenossen denken werden, daß irgendein  "Rechtsradikaler" hier wieder seine gefährlichen Possen treibt, oder? Einzig rühmliche Ausnahme war seinerzeit der Bundespräsident Heinemann, der unumwunden sagte, daß er seine Frau liebe, aber sonst mehr oder weniger nichts. Hatte er nicht recht damit?

Man hat uns ohne zu fragen die stabilste Währung der Welt genommen; man hat uns ohne zu fragen in die EU eingebracht; man hat uns ohne zu fragen alle Außengrenzen geöffnet und beklagt sich jetzt darüber, daß z.B. der Menschenhandel floriert, und wir unerwünschten Besuch bekommen von Subjekten, die hier nicht hingehören. Auch waren wir es als "Volk" nach Ansicht der Politiker natürlich nicht wert, unsere Meinung über die EU-Verfassung kundzutun. Das Volk ist selbstverständlich zu "dumm" und inkompetent, um über wichtige Fragen gehört zu werden. Daraus folgt, daß dem Volk nur die unwichtigsten Themen übrigbleiben, z.B. Wahlen. Dann darf es aber auch niemandem vorgeworfen werden, wenn er damit ernst macht und bei "unwichtigen" Sachen zuhause bleibt.

Da wir im Zeitalter der "reformatio in peius", d.h. buchstäblich der Rückwärts-Formation zum Schlechteren hin, leben, mußte natürlich auch unsere Sprache "verschlimmbessert" werden. Wenn sich die Beteiligten, gemessen an ihrem Ergebnis, auch noch "Sprachwissenschaftler", "Semantiker" oder "Linguisten" nennen, die für das, was sie abgeliefert haben, neben Jahrzehnten auch noch Millionen von Kosten verpulvert haben; ja dann  fragt es sich wirklich, wem das "Lieb Heimatland" vor die Flinte getrieben wird.

Ich lege Wert darauf, daß meine "Sprachecke" hier als entschiedener Protest gegen alle Bemühungen von staatlicher Seite aufgefaßt wird, unsere deutsche Sprache der allgemeinen Verelendung preiszugeben. Ich werde mich daher strikt bemühen, keine einzige "Neuerung", die ich nicht gutheiße, in meinen Texten zu verwenden. Dabei hoffe ich auf Mitstreiter!

Hier etwas zum Einstimmen, was für mich "deutsche Sprache", d.h. die Sprache der Dichter und Denker bedeutet:

Der Rhapsode

von Paul Steinmüller

Ich wandre durch ein Land, das etwas Zeitloses an sich hat wie das Meer, das seinen Rand bespült. Der Winter geht darüber hin wie ein Alter in triefendem Regenmantel, dem das Leben nichts mehr anhaben kann, und der Frühling sitzt wie ein frierendes, weinendes Kind unter schwarzem Holunderstrauch. Spärlich sind die glänzenden Steine wolkenloser Sommertage in den Jahresgürtel gefügt. Aber der Herbst kann schön sein, mit durchsichtiger Bläue, zartem Nebelflaum und dem herben Duft farbigen Laubes, und er gibt sich Mühe, die leise Traurigkeit seines Wesens wie der buntscheckige Narr des Königs Lear unter schmerzlicher Heiterkeit zu verbergen.

   Ich wandre über ein Land, dessen weite Ebenen fruchtschwer sind, wo der Seewind unermüdlich über Sturzäcker und Halme geht, wo bemooste Steine von weiten Wanderungen erzählen und selten nur Baumgruppen menschliche Siedelungen andeuten. Die Dörfer, deren niedrige Steinkirchen sich in die Büsche der Friedhöfe ducken, sind so weit voneinander entfernt, daß der Klang der Abendglocken stirbt, bevor er das nächste erreicht.

   Ich wandre durch ein Land, wo die Menschen wortkarg und herb sind. Sie pflügen ihre Gedanken in die dunkle Erde und lassen sie selten mit den Wildgänsen in die Weite fliegen. So kam etwas Erdschweres über sie. Sie suchen keinen Ausdruck für ihre Freuden und Leidenschaften in der Kunst; darum verzehrten diese sich in der Brust wie Köhlerfeuer. Sie wurzeln nicht in einer alten Geschichte, denn hier schlafen keine Könige in steinernen Särgen; so wurden sie Kinder des Tages, die der Stunde dienen. Hier wurden Wünsche nicht zu Riesen, und die Sehnsucht schläft nach dem ersten Wiegenlied ein.

   Es ist nicht leicht, in diesem Lande die Freude zu finden, denn die Worte der Menschen verwunden oft wie scharfkantige Kiesel, die satte Ruhe macht unruhig, und die lastende Stille läßt Lieder nicht gedeihen. Wer gewohnt ist, unter Rosen zu sitzen und den getriebenen Henkelkrug zu schwenken, muß hier lange suchen, bevor er ihr begegnet. Aber wem die seltene Gabe des anderen Gesichtes ward, der sieht sie. Die Quellen rieseln versteckt, die Blumen duften anders, und die Laute der Nächte klingen wie Rätsel. Doch wer betrachtend und sinnend verweilt, spürt in allem das Regen der Weltseele.

   So wandre ich durch das Land staunend und stiller Freude voll. Wo Rosen blühen, pflücke ich sie, wo Lieder klingen, lausche ich, und an alle, die mir begegnen, verschenke ich beides, Rosen und Lieder.

Ich bin untröstlich, daß meine Schriften hier kein Gothisch enthalten. Erst dann komnmt der Text richtig zur Geltung, der wohl noch vor 1921 entstand, denn da war er bereits gedruckt und liegt mir vor. Sie werden verstehen, daß ich niemand an diesem Werkzeug unserer Seele herumpfuschen lasse, und schon gar niemand, der trotz aller seiner Diplome nicht in der Lage ist, meine Seele mit ein paar Zeilen zum Klingen zu bringen.


Ich möchte Ihre Stimmung jetzt nicht verderben nach diesen wohlgefügten Sätzen, die die Seele wärmen und jeden, der über etwas Sprachgefühl verfügt oder ein Gespür oder gar eine Leidenschaft für Sprachrhythmik hat, entzücken müssen. Zu meiner Schande muß ich auch gestehen, daß mir noch der Überblick über alle Greueltaten fehlt, die sich die Fachleute für unsere Sprache haben einfallen lassen. Aber nehmen wir mal ein Beispiel aus dem juristischen Bereich:

"Herr Wachtmeister, Sie haben sicher zu stellen, dass das corpus delicti unverzüglich sicher gestellt wird! Und stehen Sie da nicht so Nase triefend herum!"

Was für ein Kauderwelsch! Etwas "sicher stellen" bedeutet, daß man einen Gegenstand so aufstellt, daß er z.B. nicht herunterfallen kann. Das ist aber nicht gemeint. Gemeint ist, daß ein Gegenstand "sichergestellt", d.h. in Verwahrung genommen, wird. Nach der "Reform" gibt es diesen Ausdruck nicht mehr! Die Sprache ist damit ärmer geworden und hat sich ohne Not differenzierter Ausdrucksmöglichkeiten berauben lassen. Wer z.B. als musischer Mensch über ein Rhythmusgefühl verfügt, muß das Grausen bekommen, wenn ihm angesonnen wird, den alten und den neuen Ausdruck gleichzusetzen (oder gleich zu setzen??) Wer diese feinen, aber gravierenden Unterschiede nicht bemerkt oder nicht bemerken will, ist einfach ein Banause und vergewaltigt die deutsche Sprache. Daß der Akzent bei "sicherstellen" ganz klar auf dem ersten Wort liegt, und bei "sicher stellen" auf dem zweiten, ist diesen Sprachverkrüpplern wohl egal, mir aber nicht!

Wenn nach neuer Auffassung jemand "Nase triefend", "Schwanz wedelnd" "Rad fahrend", "Schweiß treibend" oder gar "Gewinn süchtig" daherkommt, dann möchte ich mit dem jedenfalls nichts zu tun haben. Die alten Partizipien als ein Wort geschrieben hatten schon ihren Sinn. Auch hier werden in grotesker Weise Möglichkeiten vergeben. Ich hoffe, daß nach der letzten Novelle diese Mißgeburten "entsorgt" wurden; ein kräftiger "Rückbau" der "Reform" würde uns allen guttun (pardon: gut tun)!

Daß das "Das" heute von vielen einfach nur als "dass" geschrieben wird, ist so frevelhaft, daß es mir nicht einleuchten will, daß es das gibt. Nach dem Motto "Nichtzutreffendes bitte streichen", falls ein "s" zuviel sein sollte. Was halten Sie von "Nicht zu Treffendes bitte streichen"? Was nicht zu treffen ist, kann man auch nicht streichen, dafür müßte man es ja erst erwischen. Stücke aus dem Tollhaus!

Die Rechtsprechung war früher "höchstrichterlich" und wies sich damit als Produkt der höchsten Richter aus. Alles klar, aber heute ist sie nach einer gewissen Mutation wohl "höchst richterlich" geworden, was ich nur als "höchst peinlich" ansehen kann. Jedenfalls wird damit klargestellt (pardon: klar gestellt), daß die Rechtsprechung nicht vom Gerichtswachtmeister beim BGH stammt. Und das zu wissen, ist ja schon mal etwas!

Bitte nehmen Sie mir folgendes ab: Ich habe nicht den Ehrgeiz, mich hier als "Sprachpapst" aufzuspielen und meine Ansichten als der Weisheit letzten Schluß zu propagieren. Wie viele von Ihnen habe ich meine Sprachausbildung in den 50er und 60er Jahren erhalten. Ich möchte auf diese Weise auch meine damaligen Lehrerinnen und Lehrer in Ehren halten, die sich alle Mühe gegeben haben, uns unsere Muttersprache nahezubringen. Wer sich erinnern kann, weiß, daß dies die besten Jahre unseres Gemeinwesens waren. Wir sind mit unserer damaligen Sprache bestens klargekommen (heute wird man wohl gezwungen zu sagen: "klar gekommen", und wird damit genötigt, einen Fachausdruck aus dem Rotlicht-Millieu zu verwenden). Die danach eintretende Sprachperversion kann man auf Schritt und Tritt verfolgen. Ein Unglück eigener Art ist die Inflation von angeblich englischen Ausdrücken. Die Engländer schütteln den Kopf, da es viele solcher Ausdrücke im Englischen gar nicht gibt. Irgendwelche ganz Schlauen haben diese eigens kreiert, um die deutsche Sprache "anzureichern", weil sie glauben, daß dies "in" ist. Hauptbeispiel hierfür ist das "Handy". Es sollte dafür gesorgt werden, daß diese "Sprachdesigner" schnellstens "out" sind, wenn sie nicht mehr in der Lage sind, einen deutschen Satz zu bilden. Dies gilt insbesondere für die Damen und Herren Politiker, die eine besondere Kreativität in der Erfindung von Politausdrücken der widerlichsten Art an den Tag legen. Dies hängt mit dem Phänomen der "Etikettierung" zusammen, die das Denken ersetzen soll. Darauf werde ich noch eingehen.

Auch in meinen Texten steht bestimmt nicht jedes Komma an der richtigen Stelle. Auch die Verwendung von Ausrufezeichen ist meistens verfehlt, hat sich aber eingebürgert. Strenggenommen (bitte nicht: "streng genommen" s.o.)sind Ausrufe entweder Befehle oder wirkliche Ausrufe wie "Oh weh! ach so! Hilfe!" Ich bitte daher um Nachsicht, wenn ich den Anwendungsbereich des Ausrufezeichens ein wenig erweitere. Dies hat die Bedeutung, daß der Satz einen progressiven inneren Aspekt hat, der mich z.B. innerlich in Erstaunen oder Empörung versetzt. Ich denke, dies ist legitim.

Was mir in täglichen Texten immer wieder auffällt, ist, daß das transitive Verb "hängen" im Imperfekt mit dem intransitiven "hingen" verwechselt wird. Es ist also (jedenfalls grammatikalisch) falsch zu schreiben: "Sie hingen ihre Politiker am nächsten Baum auf". Richtig muß es immer noch heißen: "Sie hängten...usw". Nach der Aktion "hingen" sie dann da, was wiederum mit den Sprachregeln übereinstimmt.

21.5.2006 Zur Sprache gehören auch Begriffe. Gestatten Sie mir einen kleinen Exkurs zu einem Begriff, der für uns alle zentrale Bedeutung hat. Dies ist der Begriff "Pharma", "Pharmakologie", "Pharmaindustrie" und alles, was damit in Zusammenhang steht. Nach meiner Meinung ist bei diesem Begriff wesentlich, daß Sie alles, wo "Pharma" draufsteht, in den Müll werfen! Den Beweis führe ich wie folgt:

Im Oktober 2002 erwachte ich mit einem fremdartigen Druck in Brustmitte, der zusammen mit Schweißausbrüchen einherging. Die Fachwelt machte daraus einen "Herzinfarkt" und spulte die übliche Behandlungslitanei ab: Herz-Katheter, Intensivstation, Implantierung von 2 Stents und vor allem - lebenslange Medikation mit rund 10 Pharmaprodukten, darunter auch "Vioxx". So schluckte ich dann rund um die Uhr, bezahlte jedesmal 10 € Praxisgebühr und jede Menge "Zuzahlung" , wenn meine Tüte voll Medikamente kam.
Wie Sie mitbekommen haben, wurde Vioxx schleunigst vom Markt genommen, da es sich herausgestellt hatte, daß hierdurch Infarkte geradezu hervorgerufen werden. Es war auch schon zu Todesfällen gekommen. In den USA war vom ersten positiven Gerichtsurteil zu lesen. Diese tödlichen Gefahren entnahm ich der Presse; der Hausarzt war der Letzte, der mir durch seine Sprechstundenhilfe kurz einen Medikamentenwechsel vorschlug, ohne jeden Warnhinweis usw. Die Fa. MSD (Merck-Sharp-Dohme), Herstellerin von Vioxx, will natürlich von irgendwelchem Schadensersatz nichts wissen. Meine Strafanzeige gegen die Verantwortlichen verwest inzwischen bei der StA München. Falls Sie damit ebenfalls Probleme hatten, kümmern Sie sich drum, es bestehen keine Verjährungsprobleme.

Was mir aber besonders auffiel, war die Tatsache, daß während der Medikamenteinnahme die gesamten Symptome weiter in starker Form vorhanden waren, und ich immer das Gefühl hatte, gleich geht es wieder los. Einmal fuhr ich sogar in die Klinik, um das abklären zu lassen. Weitere Katheterbehandlungen folgten mit Diagnose "Re-Stenose", die anscheinend zwischen den Stents als allergische Reaktion aufgetreten "sein soll".

Das Ganze besserte sich schlagartig, als ich kein Wort mehr glaubte, und den ganzen Pharmamist in den Müll warf. Von wegen "lebenslang ASS 100" usw. Ich werde mich lebenslang auf gesunde Naturmittel beschränken und keine Apotheke mehr von innen sehen. Beste Erfahrungen haben wir z.B. mit Ingwersaft gemacht; gestern habe ich mir mein erstes kolloidales Silber hergestellt. Ansonsten nehme ich mehr oder weniger regelmäßig Vitamin C als reine Ascorbinsäure, und wenn ich das Gefühl habe, daß mein Blut etwas dünner sein sollte, dann greife ich zu einer Aspirin. Jedenfalls habe ich keine Blutdruckprobleme oder Infarktgefühle mehr, an denen vorher so verzweifelt herumgedoktert wurde.. Die EKGs sind in Ordnung, und das Herz geht "wie ein Uhrwerk"  (O-Ton Hausarzt).

Was lernen wir daraus? Daß der Satz immer wieder richtig ist: "Glauben Sie nichts, aber auch absolut gar nichts, bevor Sie nicht den für Sie gültigen Beweis in Händen halten!" Heute wird besonders auf medizinischem und Pharmagebiet gelogen, daß die Kasse platzt. Nicht umsonst sagte kürzlich ein norwegischer Professor, daß das Pharmametier das brutalste Geschäftsgebiet auf der ganzen Welt ist. Seien Sie also vorsichtig, wenn Ihnen jemand ( ganz besonders Politiker) einzureden versucht, wir hätten hier eine "Pandemie" zu erwarten oder irgendwelche Viren würden Unheil verbreiten. Die Einzige, die hier Unheil verbreitet, ist die Pharmaindustrie, die aus abartigsten Geldmotiven "Probleme" schafft, die sie dann selbst behandeln will. Alles gehört zum "Großen Plan", unsere Bevölkerung kaputtzumachen, dies ist meine Meinung. C.C.J.E.D.

3.6.06  Haben Sie heute schon Ihr Paradigma gewechselt?
Es vergeht doch keine Diskussionsrunde mit Leuten, die sich für besonders schlau halten, in der nicht von einem "Paradigmenwechsel" die Rede ist. Der Zuhörer erstarrt in Ehrfurcht, denn das einzige, was er bisher gewechselt hat, waren die Batterien im Handy, seine Reifen oder den Lebensgefährten. Aber ein Paradigma haben wir noch nie gewechselt, noch nicht einmal unsere Meinung. Was wollen uns diese  semantischen Schaumschläger eigentlich sagen? Daß wir zu dumm sind, ihren großartigen Gedanken zu folgen, oder daß sie zu dumm sind, ihre weltbewegenden Gedanken in deutsche Sprache zu übersetzen? Natürlich beides. Und als Drittes geben sie nebenbei noch zu erkennen, daß sie selber nicht wissen, wovon sie reden. Klingt aber unheimlich gut und kompetent.
Wahrigs Wörterbuch sagt zum Begriff "Paradigma":
"Musterbeispiel, Flexionsmuster, kurze Erzählung, die in Beispielen eine moralische Lehre erläutert. Griechisch 'paradeigma - Beispiel'

Wenn also jemand das nächstemal sein Paradigma wechselt, dann ist er nach eigenen Angaben zu unfähig, ein neues Musterbeispiel konkret zu benennen oder einfach eine kurze neue Geschichte zu erzählen, aus der er seine neue Moral ableiten will. Wie schön wären doch diese elenden Diskussionsschwafeleien, wenn ein "Paradigmenwechsler" einmal eine nette kleine Geschichte in deutscher Sprache erzählen würde, die jedem sofort einleuchtet und seinen Standpunkt unmittelbar "evident" macht? Aber wo kämen wir denn hin, wenn wir Deutsch reden würden, und dann noch ganz einfach, d.h. womöglich simpel oder gar einfältig? Dann würde ja jeder sofort erkennen, daß  ich tatsächlich dieser Simpel bin, den ich so krampfhaft zu verstecken bemüht bin. Nein - die deutsche Sprache ist so unvollkommen und primitiv, daß z.B. politische Ideen der amtswaltenden Kaste keinesfalls "kommuniziert" werden können. Das würde ja zu "kognitiven Dissonanzen" bei den "Politikrezeptoren" und "Demokratieunterworfenen" führen, wenn diese schlagartig erkennen müßten, daß : getretener Quark wird breit - nicht stark! Da muß schleunigst ein Paradigmenwechsel her, denn so geht es nicht weiter. Ziehen Sie aber die Schrauben gut an, sonst könnte Ihnen die "Maske" vom Gesicht fallen.

Anscheinend glaubt keiner mehr, was schon Goethe (berühmter deutscher Dichter) sagte: "Es trägt ein rechter Geist mit wenig Kunst sich selber vor!"

Jetzt untersuchen Sie mal unsere Medienprodukte anhand dieser Vorgaben, viel Spaß dabei!

4.6.2006               Von lichtlosen Wegen

                            von Paul Steinmüller

Sterne standen am Himmel, aber ihr Licht drang nicht durch die dichten Buchenkuppeln. Ich mußte den schmalen Pfad mit den Füßen tasten, verlor ihn zwischen mannshohen Wacholderbüschen und verirrte mich. Tappte durch Farnkraut, Dornen, Knickholz, fiel über Wurzeln und Baumstümpfe, bis ich endlich lauschend stillstand.
  
    Nichts war zu hören als das unbestimmbare Rauschen der Himmelsmuschel, der Atem der Weltseele.
  
   Wie lange ich in den umschlingenden Armen des Walddunkels umherirrte, weiß ich nicht. Aber plötzlich sah ich zufällig empor und erblickte zwischen den Wipfeln einen schmalen Lichtstreif, wußte, daß ich auf meinem Pfade stand und ging nun, nicht abwärts, sondern aufwärts schauend, meinen Weg, ohne zu fehlen. --
   
   Zuweilen gehe ich durch Zeiten, die mich an jene Nacht erinnern.
  
   Ich folge einem Menschen, den ich für wert hielt, daß er mir Führer sei; ich ließ mich von einer Strömung mitreißen, die der Tag aufwarf, ohne zu prüfen, wo sie münden könnte.

   Und dann ein jähes Erkennen: du hast dich in das Dunkel eines Irrtums verlaufen, vor dem dich der Richter in der Brust warnte! Über der Erde die Welt vergessen, über dem Kleinen das Erhabene!

   Dann stehe ich still und suche den schimmernden Lichtfaden, der mich zu den Lampen meines Hauses und seinem ruhevollen Frieden leitet.

Ja, Paul Steinmüller war ein wahrer Meister, schade, daß ich nie etwas von ihm gehört habe, bevor ich ein kleines vergilbtes Bändchen auf einem Scheunen-Flohmarkt fand. Wenn Sie gestatten, werde ich noch weitere Rhapsodien der Freude daraus weitergeben. Ich denke, es lohnt sich wirklich.

Aus meiner eigenen Sprachkiste:

Sitzen zwei am Tisch, fragt der eine: willst du noch mehr Kuchen? Nein, danke, das wäre reines Ruditum. Was wäre das? Reines Ruditum! Also ich kenne Altertum, Reichtum, Wachstum, aber  - Ruditum, was ist denn das schon wieder? Na - reine Völlerei!  (Mehr was für Fußballer)

Ich habe mir auch immer überlegt, wo der Ausdruck "Altes Haus!" als Begrüßung herkommen könnte. Scharfsinnig, wie ich bin, kam ich zu folgendem Ergebnis: es handelt sich um eine doppelte Persiflage von "Casanova". Also - jemand ist bekannt als herzensbrechender Casanova und wird anfangs begrüßt mit:  "Hallo alter Casanova!" usw. Der nächste Geistesblitz führt dazu, ihn eingedeutscht als "Hallo neues Haus!" zu begrüßen. Als Retuorkutsche  kommt dann natürlich prompt "Altes Haus!"
Als weitere Verdrehung bleibt es dann dabei, daß ein Casanova sofort als "Altes Haus" begrüßt wird. Einen anderen Sinn vermag ich darin nicht zu entdecken, wenn man davon ausgeht, daß der Ausdruck irgendwie witzig sein soll. Wenn jemand eine andere Version hat, bin ich dafür natürlich aufgeschlossen.

Man sollte wirklich immer ein Notizbuch dabeihaben, um solche Eingebungen festzuhalten. Davon hatte ich jedenfalls genug, schade, daß mir im Moment keine weitere einfällt, aber das kommt schon noch!

Mein privater Kreuzzug (zur Sprachreform)

Was ich von den Reformbemühungen halte, habe ich schon angedeutet. Ich halte es für Stücke aus dem Tollhaus, wenn Wortungetüme wie "Schifffffahrt"  oder "Bot" statt "Boot" oder ähnliche Primitivismen bzw. reine Rückschritte, eingeführt werden, bei denen einem nur die Augen flimmern, wenn man das lesen soll, und womit vor allem nichts gewonnen ist. Wenn man mich gefragt hätte, aber das tat ja keiner, dann hätte ich u.a. für folgendes plädiert:

Ich halte es für längst überfällig, daß anschauliche und griffige Wendungen aus der Umgangssprache aufgewertet werden, und diese als richtiges und gutes Deutsch endlich auch Einzug in die Schriftsprache halten. Wenn ich schreiben darf:

"Ich gehe mal kurz mit dem Hund raus!"

dann weiß jeder sofort, was gemeint ist, man hat "Deutsch" gesprochen bzw. geschrieben und hat kein einziges Mode- oder Fremdwort verwendet. Die Damen und Herren Sachverständigen hätten meiner Meinung nach einmal dort ansetzen sollen, um wirklich hervorragende sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten zu erschließen, die in der gesprochenen Sprache schon längst Allgemeingut sind. Das hätte nur vorausgesetzt, daß man es z.B. gelten läßt, daß die zusammengesetzten Wörter mit
-rein, -raus, -rauf, -runter mit eben diesen Silben zugelassen werden, anstatt auf den gestelzten Formen  "herein, heraus, hinaus, hinein, hinauf, hinunter, herunter " usw. weiter zu bestehen. Welch herrliche Möglichkeiten würden sich bei Berichten und Beschreibungen ergeben, welche Anschaulichkeit und welche Lebendigkeit!

Ein Ausdruck wie: "sie wollten mich drankriegen" wäre dann ohne weiteres möglich, während nach heutiger Diktion eine umständliche Umschreibung nötig wäre, die jeden Witz und jeden Biß verloren hätte. Machen Sie bitte einmal einen Vorschlag, wie dieser Ausdruck ähnlich treffend in der derzeitigen Schriftsprache zu formulieren wäre - es würde nur langweiliges Holperdeutsch übrigbleiben.

Welch herrliche Ausdrücke und anschaulichen Beschreibungen lassen sich mit rein-, raus- usw. bilden! Wenn ich sage: "wir wollten da nicht reingehen", anstatt .."dort nicht hineingehen", dann ist auch ein feiner weiterer Sinn in diesem Ausdruck mitgeteilt, der schon wieder verlorengeht, wenn andere Ausdrücke verwendet werden. Bei täglichen Unfallschilderungen wäre es sehr hilfreich, wenn man einfach loslegen könnte:

"Als ich kurz vor der Einmündung war, kam A aus der Nebenstraße raus und setzte sich direkt vor mich. Für mich kam das so überraschend, daß ich ihm hinten rechts reinfuhr."

oder: "Er wollte nicht runterkommen, aber keiner hatte den Mut, zu ihm raufzugehen."

Was wäre dagegen zu sagen? Diese Sprache wird täglich gesprochen und ist klar, sofort verständlich  und anschaulich. Da liegt der Hund begraben! Warum soll man es Schriftstellern überlassen, sich dieser weiten Möglichkeiten zu bedienen, aber unseren Kindern die unmöglichsten Machwerke beizubringen, bei denen sich die Fingernägel kräuseln? Ich rufe daher alle auf, die sich anmaßen, etwas an der deutschen Sprache "verbessern" zu dürfen, sich einmal Gedanken in dieser äußerst praktischen Richtung zu machen. Ich werde dabei wohl auf verlorenem Posten stehen und werde diese Idee daher mit Nachdruck in meiner eigenen Sprache zur Geltung bringen! Laßt euch nichts von sogenannten "Wissenschaftlern" vormachen! Die Wissenschaft begreift sich allenthalben als "wertfrei", d.h. nichts anderes als verkommen, korrupt und damit "wertlos", jedenfalls für die Allgemeinheit. Jeder kämpft dagegen auf seinem Platz, an meiner Pionierarbeit werde ich es nicht fehlen lassen!

Natürlich werden auch weitere Schwachformen gebraucht, die aber eminent wichtig sind. Wenn ich sage: "Man wird sich doch wohl mal dazu äußern dürfen!" , dann drückt dieses "mal" etwas anderes aus als etwa ein "einmal". Mit dem "einmal" kann schon wieder eine zeitliche Dimension ins Spiel kommen, während das "mal" diese nicht hat, sondern nur den protestierenden Aspekt ausdrückt. Ich bin froh darüber, daß offenbar Linguisten diesem Weg zu folgen bereit sind. Jedenfalls habe ich ein Buch, geschrieben von einem Linguisten, in dem solche Formen schon anklingen. Es scheint daher noch nicht alles verloren. Bestätigt wird allerdings meine Erfahrung, daß sich an den "höchsten Spitzen" anscheinend immer "sachverständige" Leute finden, die absolut überbezahlt sind.

7.6.06  Ich danke allen Leserinnen und Lesern ganz herzlich, die sich für meine Beiträge interessieren und bin glücklich, daß es mir offenbar gelungen ist, keine Langeweile zu verbreiten. Meinen musikalischen Hintergrund habe ich bereits in meiner Vita skizziert. Nach unserer aktiven Phase habe ich natürlich allein weitergemacht und per Tonband im Mehrspur-Verfahren selbst Musikstücke eingespielt, eigenhändig an allen Instrumenten. (An dieser Stelle möchte ich nicht vergessen, unseren "Sugar Bear" in Haarlem zu grüßen, der langjährig den Soul bei uns als Frontmann ausgelebt hat. Sein Leib- und Magenstück war "Knock on Wood". Möge dies weiterhin Glück bringen und nicht wie er oft sagte: "It bees a nix!"  Thank you for the days, Teddy!)
Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, meine eigenen Texte zu schreiben. Leider wird man mich in den Charts vergeblich suchen, deshalb halte ich es für eine glänzende Idee, den einen oder anderen Text hier weiterzugeben. Aus aktuellem Anlaß grüße ich ganz besonders Sabine in Chemnitz, die in einem Altenheim arbeitet. Sie sagt, daß sie schon einen erheblichen Teil ihrer allzu knappen Freizeit damit verbringt, meine Beiträge zu studieren. Möge diese Zeit nicht vertan sein! Dazu eine kleine Geschichte: Mein Nachbar lag praktisch im Sterben. Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis zu ihm und seiner Frau, deshalb war das eine tragische Zeit. Als es dem Ende zuging, setzte ich mich hin und schrieb ihm ein Lied, nahm dies mit allen Instrumenten auf Band auf und das Wichtigste - spielte es ihm über Kopfhörer vor. Er hat diesen letzten Gruß damit praktisch in die Ewigkeit mitgenommen. Vielleicht kann sich der eine oder andere Senior heute noch daran erfreuen. Es handelt sich um einen ganz langsamen Walzer im 3/4-Takt. Der Text ging wie folgt:
Er ist bald achtzig Jahr
war immer für uns da
das Leben im Gesicht
ein`Bessern find`st du nicht
er gab alles für uns her
und tat noch viel mehr
unser Leben war sein's -
jetzt geht es nicht mehr....

Ref.

Bitte verlaß' uns nicht!
du weißt doch, wir brauchen dich!
ohne dich
ist die Welt so leer!

Mußte immer was tun
und wollte nicht ruh'n
von morgens bis spät
hat er sich geregt
konnte alles und mehr
nichts war ihm zu schwer
fehlte Rat oder Tat
er hat nie gespart

Ref.

Jetzt welkt er dahin
den Tod nur im Sinn
in der Frühlingszeit
der Weg war so weit
er geht nicht mehr raus
ihm ist kalt nur im Haus
das Essen bleibt steh'n
ich kann's nicht anseh'n

Ref. 

1)  Ref.  fade out...
Das war mir damals wirklich ein Bedürfnis. So habe ich immer wieder Themen wie hier aufgegriffen und in Musik umgewandelt. Vielleicht bringe ich noch den einen oder anderen Text.

11.6.06  Aus aktuellem Anlaß

Zum damaligen NATO-Doppelbeschluß habe ich mich hingesetzt und ein Deutschlandlied komponiert, dessen Text ich hier gern weitergebe in der Hoffnung, daß er niemals Realität werden möge. Das Lied ist als Slow-Rock  aufgenommen, nicht zu schnell und nicht zu langsam. Als Drummer hatte mir freundlicherweise Dave Crigger zur Verfügung gestanden:

Ref:  Erinnerung an die Zukunft
         wo Deutschland einmal war
         'n schwarzer Fleck im Westen
          roter Nebel im Radar -
          die Landschaft ist aus Glas
          kein Baum, kein Strauch, kein Haus -
          das Festival der Krater
          oh Heimat siehst du aus.......

1.       Es war einmal ein Deutschland,
          das wollte sicher sein,
          und holte sich zum Schutze
          den Teufel an den Rhein.
          Der Teufel funktionierte,
          wobei das Land krepierte,
          und nur in einer Nacht.....
          wer hätte das gedacht!!!

Ref.

2.       Die Wissenschaft ist ratlos:
           woher kam der Komet?
           Oder war's wieder mal 'n Raumschiff
           von irgend 'nem Planet?        
           Es gibt paar irre Alte,
           die faseln ganz konfus
           von Bomben und Raketen,
           wer glaubt denn diesen Schmus?
         

Ref.    Erinnerung an die Zukunft,
           wo Deutschland einmal war,
           'n schwarzer Fleck im Westen,
           roter Nebel im Radar...
           Die Landschaft ist aus Glas,
           kein Baum, kein Strauch, kein Haus,
           das Festival der Krater,
           mein Gott, wie sieht's hier aus....

Ich habe leider mein Song-Buch verlegt, deshalb gebe ich im Moment keine Garantie auf Vollständigkeit. Die Texte sind um die 25 Jahre alt, aber haben nichts an ihrer Aktualität und Richtigkeit eingebüßt, leider!
        
13.6.06 Aus meiner Zeitung heute: Gewinneinbruch bei Brockhaus

Beim Mannheimer Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus ist aufgrund der Rechtschreibdebatte und hoher Investitionen im vergangenen Jahr der Gewinn eingebrochen. (..) Grund für den Rückgang sind u.a. Kaufzurückhaltung beim Duden nach dem erneuten Aufflammen der Rechtschreibdiskussion...

Da zeigt sich die ganze Misere! Anstatt unsere Sprache zu hegen und zu pflegen mit wirklich sinnvollen Weiterentwicklungen, wird eine Verhunzung getrieben, die nur einen Sinn haben kann: das Integrationskauderwelsch weiter vorzubereiten und salonfähig zu machen. Mir gehen sicher nicht die Pferde durch, wenn ich folgendes vermute: in einem "Land der Täter" mit Resten vom "Tätervolk" kann es doch eigentlich nicht geduldet werden, daß diese unselige "Tätersprache" am Leben erhalten wird. Wie schön wäre doch die Welt nach Ansicht der Hintergrundregisseure, wenn diese gehaßte und "belastete" Sprache nicht mehr zu hören wäre! Also auf ein Neues, die kriegen wir schon noch kaputt - Germany must perish!
Wie stolz bin ich darauf, daß mir mein Vater eine umfangreiche Sammlung von alten "Duden" hinterlassen hat, die noch Deutsch enthielten. Diese Bücher entwickeln sich zu Kostbarkeiten, die ich um keinen Preis hergeben würde. "Mein Kampf" wird sich daher beharrlich fortsetzen.

Auffallend ist zum Beispiel, daß das deutsche "ß" ausgemerzt wurde. Dieses gibt es meines Wissens in keiner anderen Sprache und mußte wohl nicht aus sprachlichen , sondern aus ganz anderen Gründen perish - pardon: verschwinden. So erwischt man euch "Wissenschaftler" auf Schritt und Tritt bei euren "wertfreien" und meistens auch wertlosen "Neuerungen".  Ich werde euch auf die Finger hauen, wenn ihr meine Kultur, meine Tradition und damit mich "entsorgen" wollt! Das "ß" stelle ich unter Artenschutz und werde keine Tastatur kaufen, auf der dieses "geperisht" wurde.
Dazu wieder eine Anekdote: eine einzige Ausnahme dazu habe ich in der Vergangenheit anerkannt: eine gewisse Schokoladenfabrik hatte ein Produkt "Voll-Nuß". In Norwegen sagten die Kunden: ich hätte gern ein , das "ß" wurde als "b" aufgefaßt. In unserer Familie wurde das Wollnübb zum geflügelten Ausdruck, jeder wußte, wovon die Rede war. Das Produkt wurde jedoch in "Voll-Nuss" abgeändert, was unter diesen Umständen "voll" berechtigt war.

Wieso man auf die Idee kam, wieder das "selbstständig" einzuführen, ist mir verborgen geblieben. Dies sind Altertümeleien - im alten Preußen schrieb man so, auch bei Knigge kann man dies finden. Als Kind sprachen wir immer von "selbstständig" und bekamen lang und breit erklärt, daß man daraus schon vor langer Zeit ein "selb-ständig" gemacht hatte. Anscheinend gibt es heute aber so viele Schifffahrtsssstottterer, daß  man Silben und Buchstaben ruhig mehrfach verklonen kann, damit sie wohl besser "wirken". Ob auch das Mitzählen klappt? Ich habe da so meine Bedenken.
Sinnvoll ist es, von selbstfahrend (z.B. Artillerielafette) oder "selbstverständlich" zu sprechen. Wenn ein Ding von selbst steht, dann kann man es "selbststehend" nennen, dann ist es aber noch lange nicht "selbstständig".

Was mir auch immer aufstößt, ist die Unart, plötzlich von "Diskusionen" mit stimmhaftem zweitem "s"  zu sprechen, anstatt von "Diskussionen", wie sich das gehört. Mir könnte übel werden, wenn ich so einem "Diskusions"-Neurotiker zuhören muß. Wahrscheinlich ist das eine Ausgeburt von Maulfaulheit und Schleimertum. Das sind auch dieselben Leute, die plötzlich von "Italiänern" sprechen, anstatt von dem südlichen Volk der Italiener".  Vielleicht kennen Sie weitere Blüten, die ich gern zum Abschuß freigeben könnte?

14.6.06  Ist Ihnen schon einmal das Essen Ihres Gegenübers quer über den Tisch entgegengeflogen (mit oder ohne Gebiß)? Ich war kurz davor, das ging so:
Ein Strukkiverein hatte zum "business-meeting" geladen. Vorgeschrieben war "business-Kleidung" und überhaupt war alles sehr "businessmäßig". In der Mittagspause saßen wir im Restaurant zum "business-dinner". Zwei Plätze neben mir saß ein Designer-Männchen und dozierte über seine gesunde Ernährung. Er hatte einen grasgrünen Bürstenschnitt, Designerklamotten, Designergehabe und Designeransprüche. Alle lauschten ehrfürchtig seinem Diätplan, wann welche Körner in welcher Yoghurtmischung anzuwenden waren usw. usf. Nach einer Weile machte er eine Pause, um die bewundernden Blicke zu genießen. Mir reichte das schon lange und ich sagte kurz: Deinen Haaren ist das aber nicht gut bekommen, oder?
Schlagartig waren zehn Essen verdorben, und ich mußte heftig gegenrudern, damit sich die Runde wieder beruhigte. Ich glaube, der Diätplan hatte sich damit erledigt, denn ich hörte nichts mehr davon.

16.6.06 Modewörter aus der Presse

Heute las ich wieder einmal, daß etwas "nicht zielführend" sei. Man sollte dabei erstmal prüfen, ob die Sache nicht "irreführend" ist, wofür sehr viel spricht. Ein Ding kann "stromführend", ein Fluß kann "wasserführend", aber eine Idee oder ein Vorschlag kann in der deutschen Sprache keinesfalls "zielführend" sein. Diese Dummschwätzer sind zu faul, einen richtigen deutschen Satz zu bilden, der etwa aussagt, daß der Vorschlag "nicht zum Ziel führt". Dabei besteht die Gefahr, daß dieses "Ziel" womöglich benannt werden muß, und das geht wohl nicht, weil dies Klarheit in der Argumentation voraussetzt, und die muß mit allen Mitteln verschleiert werden. Zwingen Sie Ihre Gesprächspartner dazu, die Dinge beim Namen zu nennen! Es bereitet bestimmt keine Mühe zu sagen: das Ziel ist YX, der Vorschlag YZ führt da aber nicht hin aus folgenden Gründen... Es besteht allerdings die Gefahr, daß die Argumentation von jedem als unzutreffend entlarvt werden kann. Dies muß vermieden werden, daher bläst sich der Sprecher erst einmal rhetorisch auf, verwendet ein Etikett und will sich damit Sachargumente ersparen, die typische Desinformationstechnik!

Oder: es erscheint die Königin, gefolgt von ihrem Hofstaat.

Eine ganz übliche Floskel, die schon keinem mehr auffällt. Wenn ich sage: ich ging raus, gefolgt von meinem Hund. Oder: als ich rausging, wurde ich von meinem Hund gefolgt!? Daß dies kein Deutsch ist, merkt jetzt jeder. Niemand kann hier bei uns ge-folgt werden. Richtig ist dagegen, daß hier sehr viele ver-folgt werden! Das Verb "folgen" duldet kein Passiv, sondern wird nur aktiv verwendet.
Der Ursprung dieser Wendung ist im Zeitmangel der Simultanübersetzer zu suchen. Wenn aus dem Englischen sofort und schnell übersetzt werden muß: the president arrived, followed by the chief of staff... dann ist das richtiges Englisch und wurde einfach in dieser Form ins Deutsche übertragen nach dem allgegenwärtigen Naturgesetz in unserer Gesellschaft: "What once were vices are now habits!" (Was einst Verbrechen waren, sind jetzt Gewohnheiten), wie wahr!

12.8.06  Hier noch ein Lied aus den 80er Jahren, als die erste Rausschmißwelle in den Betrieben die "Wende" bringen sollte und junge Familienväter plötzlich auf der Straße saßen. Dasselbe erleben wir heute, wenn die Globalisierungsgiganten die besten Bilanzen ihrer Firmengeschichte schreiben, aber für ihre Mitarbeiter kein Platz mehr da ist. Opel hat kein Geheimnis daraus gemacht, was eigentlich abgeht: das Bauen von Autos ist nur eine Schein- und Nebenbeschäftigung. Das Hauptgeschäft besteht aus Finanzspekulationen, für die nur eine Handvoll "Finanzexperten" benötigt wird. Der Rest dient nur Abschreibungszwecken und Verlustproduktionen, damit sichergestellt ist, daß kein Pfennig Steuer an den "Staat" fließt. Dies bleibt den Arbeitern und Angestellten überlassen, die sich dagegen nicht wehren können. Der "Souverän" nagt am Hungertuch und wird einmal in vier Jahren als Stimmvieh gehätschelt. Danach kommt wieder die Peitsche, das Zuckerbrot ist schon lange von "denen da oben" aufgefressen. Der Text ist leicht modernisiert, weil es inzwischen noch schlimmer geworden ist:

1. Ich hätt's nie geglaubt
daß er gehen muß,
wie viele mit ihm,
mittendrin einfach Schluß.
Nach dem Prinzip,
das keiner versteht,
wo sich doch alles
um dich dreht...!

2. Morgen bist du's,
das weiß ich genau,
keiner, der fragt
nach Kindern und Frau.
Das Leben ist lang,
allein dein Problem,
man sorgt ja für dich,
das wirst du schon seh'n!

Ref.
So kann's nicht weitergeh'n!
Die Rechnung darf nicht aufgeh'n!
Du bist zu teuer - na schön,
Du Volk, ein Hartz IV-Souverän!

3. Man nimmt dir dein Land,
täglich stirbt mehr,
Wald und Natur -
verdreckt ist das Meer,
dein Essen ist Gift,
Qualität garantiert,
es ist doch egal, woran man krepiert!

4. Dafür lebst du sicher,
die Rüstung ist fit,
kein Feind kommt ran,
an dein Öl, deinen Sprit,
du hast das bezahlt,
man ist stolz auf dich,
und legitimiert,
zu mehr braucht man dich nicht!

So kann's nicht weitergeh'n
du Volk ein Hartz IV-Souverän,
Raketen en masse nennst du dein,
doch nicht mündig für den Waffenschein!
So kann's nicht weitergeh'n,
du Volk, der Hartz IV-Souverän...
so kann's nicht weitergeh'n.......