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Zu meinem Profil, in der Hoffnung, daß Sie sich ein möglichst umfassendes Bild machen können. Deshalb wird die Geschichte etwas länger, da schon einige Jahre ins Land gegangen sind:

Geboren am 8. Oktober 1945 in Hildesheim, also fünf Monate nach Kriegsende und sechs Monate nach der abschließenden und wie alles andere vollkommen überflüssigen Bombardierung von Hildesheim. Also im Sternzeichen "Waage", woraus sich wohl nach und nach meine Affinität zur Waage der "Justitia" ergeben hat.

Meine schulische Grundausbildung erhielt ich in Hildesheim, als die dortige Schule noch "Volksschule" und "Moltkeschule" hieß, was heute beides nicht mehr der Fall ist. Warum, weiß ich nicht.

Ab der dritten Klasse ging es weiter in Essen-West, noch sehr provisorisch und sehr katholisch. Mehrere kurzfristige Evakuierungen wegen Bombenentschärfungen, dabei auch Luftminen, aber alles gut überstanden.

Dank guter Schulung bestand ich die Aufnahmeprüfung an der "Alfred-Krupp-Schule" in Essen-West und erhielt eine profunde mathematisch-naturwissenschaftliche und sprachliche (Latein und Englisch) Ausbildung, wobei meine Stärken mehr sprachlich, musisch und sportlich waren. Die AKS war bekannt als das "Kruppsche Sägewerk", denn die meisten Schüler wurden im Laufe der Zeit "abgesägt" und bildeten auf anderen Essener Gymnasien "KO-Kolonien" (aus noch älteren Zeiten, als die Schule noch "Kruppsche Oberrealschule", kurz KO hieß). Nomen est omen!

Schon in jenen Schülertagen nahm ich an Theateraufführungen teils in englischer Sprache teil und gründete privat meine erste Band, z.T. mit selbstgebauten Instrumenten (bekannt als "Kochpott-Combo"). Sehr geprägt hat mich und meinen Bruder die Mitgliedschaft beim SC Aegir, dem Schwimmclub in Essen-West, den ich an dieser Stelle herzlich grüße und auch der Kameraden gedenke, die nicht mehr sind.

Meine größte Leidenschaft bezog sich damals auf Dampfloks, die ich gar nicht genug beobachten und auf dem Bahnhof aus der Nähe betrachten konnte. Wer sich damit auskennt, kann sich vorstellen, welch ein Erlebnis es war, einmal eine leibhaftige "05" mit ihrem Schnellzug unter der Brücke am Hauptbahnhof durchfahren zu sehen. An einem Tag durften wir für einen Lokführer Zigaretten holen. Er ließ uns auf seine 01 140 klettern, die wohl Bereitschaftsdienst hatte. Das Paradies konnte nicht schöner sein! Meinen Jugendtraum habe ich mir übrigens endlich 1998 erfüllt, als ich in der Eifel einen Lehrgang zum "Ehrenlokführer" auf einer echten Kriegslok der Baureihe "52" machte (Gruß an Alfred Müthrath). Sogar das Fernsehen war dabei ("Hallo Deutschland"), so daß ich mich jederzeit wieder in Aktion sehen kann.

In der Obersekunda verließ ich die KO, da meine Eltern nach Mannheim übersiedelten. Die Jahre bis zum Abitur besuchte ich das "Carl-Benz-Gymnasium" in Ladenburg, auf dem mich dann auch meine Reifeprüfung ereilte. Auch dorthin herzliche Grüße!

Ich müßte eigentlich noch mit der Schul-Schwimm-Mannschaft auf einem Bild zu sehen sein, das immer an gut sichtbarer Stelle aushing, nachdem wir wohl irgendeinen wichtigen Wettkampf gewonnen hatten. Vielleicht bin ich ja immer noch in Ladenburg verewigt, obwohl das Gymnasium schon lange in einen Neubau umgezogen ist, den ich nicht mehr mitbekommen habe.

Das Abitur wurde damals noch mehr mit "Links" gemacht und brachte trotzdem passable Ergebnisse. Meine privaten Hauptaktivitäten lagen beim Mannheimer Schwimmklub und meiner Musik. Wir hatten inzwischen eingesehen, daß es mit richtigen Instrumenten doch besser ging, und ich gewann mit meiner Band den ersten Mannheimer Beat-Band-Wettbewerb, der vom Stadtjugendring Anfang der 60er Jahre aus der Taufe gehoben worden war. Allerdings war dieser Sieg nicht unumstritten, denn wir hatten uns erlaubt, Titel wie "Maria" aus der "Westside-Story" oder "Dr. Schiwago" zu spielen. Diese Titel, die von unserem Sänger brillant beherrscht, bzw. von mir auf der Gitarre vorgetragen wurden, versetzten zwar die Jury in Begeisterung. Von der Konkurrenz wurden sie indes als "Filmmusik" und "Griffbrettakrobatik" (sehr zutreffend!)  abqualifiziert, so daß sie diese Musik mangels Primitivität nicht als "Beat" durchgehen lassen wollten. Die Jury blieb bei ihrem Urteil und wurde nie mehr nominiert.

Natürlich kamen für uns als echte Mannheimer Musiker und Gitarrenfans nur Arrangements in Frage, die zuvor von den "Tielman Brothers" in den "Ringstuben" vorzelebriert worden waren. Wer sich damit auskennt (und das sind leider wenige), dem sei gesagt, daß in jener Zeit der Inbegriff vom Spiel auf der E-Gitarre von indonesischen Bands geschaffen wurde, die seit den 50er Jahren Maßstäbe setzten, die nie mehr erreicht wurden. Alles, was ein Hendrix als Artistik zum Besten gab, war im "Indo-Rock" längst vorhanden. Leider wurde diese gesamte Stilrichtung samt ihrer Interpreten von der "Rock-Szene" glatt unterschlagen, warum, weiß ich nicht. Wer sich dafür interessiert, mag im Internet einfach nach "Andy Tielman" suchen. Dort sind einige Dokumente, die für uns damals die Welt bedeuteten.

Natürlich war auch die "Fender Jazz-Master" als
Gitarre Pflicht, die allerdings damals schon nicht unter 1.500,- DM zu bekommen war.


Für die Fans: Als Robby vom Fender VI auf den Jazz-Bass wechselte, habe ich ihm seine Fender VI von der Bühne weg für meinen Bruder abgekauft. Das Instrument haben wir heute noch und halten es in Ehren!

Wenn als Verstärker dazu noch der "Showman 15" kam, war das Paradies nicht mehr fern, und bei 20 Stunden Üben pro Woche bekam man einen leichten Anklang der "Tielmänner" hin, aber auch nicht mehr. Allein schon aus dem rechten Handgelenk schnelle Triolen zu spielen, war nur etwas für Spezialisten, aber Andy baute die überall ein. Wenn Sie nicht wissen, wovon die Rede ist: Denken Sie an "Da Doo Ron Ron", dieser Song lebt nur von Triolen, die ich heute immer gern als Schlagzeugübung trainiere (zählen: ei-ner-lei, zwei-er-lei, drei-er-lei usw., aber a tempo!)

Herzlichen Gruß an alle Fans und Kenner dieser herrlichen Zeit! Ich spielte mit den Tielmännern einmal kurz zusammen auf der Bühne, als ein Wettbewerb im "Sputnik" lief, das vergesse ich bis heute nicht.

Gleich nach dem Abitur im Frühjahr 1965 fühlte ich mich zur Vaterlandsverteidigung berufen und hatte sogar vorher in Köln eine Offiziersanwärter-Aufnahmeprüfung bestanden, so fit waren wir damals noch! Grundausbildung in Bruchsal bei den Pionieren (5/2), danach Fahrschule auf LKW (ich war der Einzige, der beim Abitur noch keinen Führerschein hatte) und weiter bei der ABC-Abwehr. Zwei Lehrgänge in Sonthofen, wo wir bei der Pi-Ausbildung bei Major Ottmann sehr praktische Sachen lernten, z.B. wie man mit Sprengschnur einen Baum umlegt, oder welch gefährliche Sache plastischer Sprengstoff ist, wenn er in die Hände von Profis gerät. Allgemeinen Respekt bekamen die TNT-Sprengkapseln, mit denen nicht zu spaßen war. Da wir vollkommen durchtrainiert waren, darf ich noch (ohne jegliches Eigenlob natürlich) erwähnen, daß wir den Alpseerekord mit dem Schlauchboot einstellten mit meiner Wenigkeit als Schlagmann, versteht sich.

Beim Bund hat mich alles interesiert, was einen technischen Bezug hatte. Schon in der Grundausbildung hatte ich mein G 3 immer als Schnellster zerlegt und zusammengebaut, ob mit verbundenen oder offenen Augen. Aber die ABC war damals im wesentlichen nur mit Kalkrühren beschäftigt, was mich nicht sonderlich fesselte. Interessant waren noch die echten Gefechtsübungen mit Nachtschießen usw., die allerdings sehr auf die Ohren gingen. Aus mir unbekannten Gründen schien es verpönt, seine Ohren zu schützen. Bei einem Gruppen-Gefechtsschießen (18. Übung), die sich nur ein alter Feldwebel zu leiten traute, hatten wir alle "Pappkameraden" in Siebe verwandelt, aber meine Ohren waren danach behandlungsbedürftig. Auf diese Weise lernte ich zum erstenmal das BW-Krankenhaus in Koblenz kennen.
Wirklich interessant waren die reinen Gefechtsausbildungen, die zu jener Zeit noch von "alten Hasen" aus dem WK 2 durchgeführt wurden. Ich grüße an dieser Stelle Major Bischof, dessen Merkspruch ich bis heute nicht vergessen habe, wonach nicht nur militärische Aufgaben, sondern fast alle Entscheidungen im Leben geprüft und getroffen werden können: "AFGEME"
- Auftrag (wie lautet mein Auftrag, was soll erreicht werden?)
- Feind    (mit welchem Widerstand ist zu rechnen, kenne ich den
                  Feind genau, weiß ich wo er steckt?)
- Gelände (wo muß ich physisch durch?)
- Eigene Lage (welche Mittel habe ich, kenne ich mich genau?)
- Möglichkeiten (der "sicherste" Weg)
- Entschluß (die konkrete Aktion mit konkreten Befehlen)

Dies war eins seiner Dogmen. Das zweite, und dies halte ich für noch wichtiger, hieß: sichern, sichern, sichern!

Wie oft erlebt man es in sog. "Krimis", daß plötzlich der Feind irgendwo auftaucht und das Spiel aus ist, weil, ja weil man vergessen hat, sich und seine Umgebung im Auge zu behalten. Wenn man bei Maj. Bischof ausgebildet wurde, erscheinen diese Situationen so idiotisch, daß man sehr schnell erkennt, daß die angeblichen Profis, ob sie nun James Bond oder Kommissarin xy heißen, nichts als elende Stümper sind, die von Kampfsituationen nicht die geringste Ahnung haben. Was mich auch immer gewundert hat ist, nach welchen Kriterien diese Profis eigentlich ihren Munitionsbedarf einschätzen, wenn sie mit einem Feuergefecht rechnen müssen. Das geht dann immer nach Marke Hollywood, wo ein 6-shooter plötzlich zum 60-shooter wird ohne jemals nachzuladen. In der Realität helfen nur ganz andere Methoden. Im Film "Schweigen der Lämmer" konnte man auch sehr schön studieren, daß ein falscher "Speed-Loader" auch nicht das Gelbe vom Ei ist, wenn die Nerven und die Ausbildung Mängel aufweisen. Ich habe mir daher erlaubt, einen Speed-Loader (Schnellader für Trommelrevolver) zu erfinden, den ich demnächst beim Patentamt anmelde.
In einem "Krimi" kürzlich sah man eine Gang, die ausschließlich die "Desert Eagle" (Israelische Handkanone im Kaliber .357 /.44 Mag /.50 AE) verwendete. Die Jungs hatten wahrscheinlich schon alle längst Chirurgenstahl statt Handgelenksknochen, aber man wollte wohl "männlich" erscheinen. Die clevere Kommissarin hatte sich sachkundig gemacht und wußte, daß maximal 8 Schuß in die Waffe reinpassen. Sie zählte also mit, und nachdem es zum achten mal gedonnert hatte, kam sie aus ihrer Deckung heraus und verkündete stolz ihren taktischen Sieg. Bei mir hätte die brave Frau ihren Fehler nicht überlebt, auch bei allem Zählen! Auch diese Szene hätte bei "StUffz Weigand's Terrortruppe" anno 65 zu einem Heiterkeitserfolg geführt. Nun ja, wir haben damals noch eine Ausbildung gehabt, die ihren Namen verdiente. Insbesondere wurden Erfahrungen aus leidvollen Kriegsjahren von echten "Profis" weitergegeben, die durch kein Buch zu ersetzen sind, und die ich aus Sicherheitsgründen hier nicht ausbreiten will. Zur Verpflegung beim Manöver sagte Maj. Bischof jedenfalls: "Seit Stalingrad schmeckt uns alles!" Das lernten wir beim "Ranger-Lehrgang" schätzen, dessen Küchenplan sagen wir mal sehr naturbelassen war.
Ich war Leitender beim scharfen Panzerfaustschießen, wir lernten den Gebrauch und die Wirkung von Handgranaten kennen, verlegten und räumten Mienen und hatten sogar eine Üb-Atombombe, die einen gewaltigen Atompilz produzierte, wahrscheinlich aus etlichen Kilo Schwarzpulver. Der Häuserkampf in Gruorn hat auch Spaß gemacht. Allerdings waren dies gespenstische Kulissen in verlassenen Dörfern, die wirklich kriegsmäßig aussahen, besonders bei Nacht. Meine Karate- und Kendogürtel aus zivilen Zeiten waren dabei von großem Nutzen. Noch heute pflege ich meine Katana-Sammlung, man weiß ja nie...

Die damalige Körperertüchtigung war wirklich enorm, besonders in Sonthofen nahmen wir jeden Berg in der direkten Linie und genossen die Natur in luftiger Höhe. Es war wirklich hervorragend, wenn nur der ""normale" Dienst nicht gewesen wäre. Ich hatte keinerlei Verhältnis zu Formalausbildung und Dressur, also alles, was uns den Menschen austreiben sollte. Vor allem aus diesem Grund setzte ich meine Karriere als Soldat nicht fort. Meine Einstellung eignete sich besser zum Partisanenführer, woran sich bis heute nichts geändert hat.