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Nachdem Sie Ihr Problem ohne Verfälschung von Tatsachen dargelegt haben, was durch inter-aktives Zuhören unterstützt wird, kann zum nächsten Schritt übergegangen werden. Dieser nächste Schritt besteht in der Analyse der tatsächlichen und rechtlichen Problematik.

Wir haben zusammen alle Mühe aufzuwenden, um wirklich alle Tatsachen zu ermitteln. Dies hat absolut nichts mit Rechtsfindung zu tun, sondern bereitet zunächst alle Fakten auf, an die eine spätere rechtliche Bewertung anknüpft. "Da mihi facta, dabo tibi jus!" (D.h. gib mir die Fakten, dann gebe ich dir das Recht!)

Über 90% aller Fragen, die bei Gericht behandelt werden, drehen sich um reine Tatsachenfeststellung. Das Gericht will und muß wissen, was überhaupt "passiert" ist, d.h., welche Tatsachen nach außen in Erscheinung getreten sind. Nur dafür sind Zeugen oder Beweismittel da. Nur über Tatsachen wird Beweis erhoben, keinesfalls über Rechtsfragen.

Kein Kläger braucht auch nur eine einzige Rechtsfrage anzuschneiden oder zu erörtern, sondern kann, darf und muß sich auf die Tatsachen beschränken, von denen er meint, diese gehören zu einem Rechtssatz, der sein Begehren stützt. Diese Tatsachen müssen der Wahrheit entsprechen und dürfen nicht "zurechtgebogen" sein. Nur über die Wahrheit dieser Tatsachen wird ein Zeuge vereidigt, damit die anschließende Rechtsfindung auf möglichst sicheren Füßen steht.

Dies ist die klassische und ideale Auffassung vom Prozeßbetrieb, die der römischen Auffassung "iura novit curia" folgt. Das heißt: Das Recht wird vom Gericht "er"-kannt, wenn alle ausfüllenden Tatsachen "be"-kannt sind. Daher ist die Beibringung dieser Tatsachen ureigenste Aufgabe des Recht-Suchenden. Das Prozeßrecht besteht darauf, daß diese Tatsachen schon als Klagevortrag wahr sind, auch wenn sie nicht Gegenstand einer Zeugenvernehmung sind.

Die eingehende Analyse hat sich demnach damit zu beschäftigen, welche Tatsachen überhaupt vorliegen, zu welchen rechtlichen Tatbeständen diese gehören, und welche rechtlichen Folgen aus diesen Tatbeständen entspringen. Erst dann kann ein Urteil über die "Rechtslage" abgegeben werden, so wie sich diese aus der Sicht des Mandanten darstellt.

Dies ist die Analyse zur "materiellen" Rechtslage. Hier wird die Frage beantwortet, was das Recht Ihnen als Mandant als Folge anbietet, wenn unterstellt wird, daß alle Ihre Tatsachen für die Rechtsfindung zur Anwendung kommen. Diese Folgen können für Sie günstig oder ungünstig sein.

Sind die Tatsachen für Sie günstig, dann spricht man von "Schlüssigkeit", d.h. bei unterstellter Richtigkeit Ihrer Tatsachen bekommen Sie Ihr Recht. Dies hat z.B. Bedeutung für den Erlaß eines "Versäumnisurteils", bei dem unterstellt wird, daß der Gegner alles zugesteht, was Sie vorgetragen haben. Dies wird unterstellt, wenn er z.B. nicht zum Termin erscheint.

Sind die Tatsachen für Sie ungünstig, dann spricht man von "Unschlüssigkeit", d.h. Ihre Tatsachen reichen nicht aus, um eine günstige Rechtsfolge herbeizuführen. Dies sind dann Fälle, bei denen z.B. von einer Klage abgeraten werden muß, und zwar schon aus materiellen Gründen.

Die Analyse geht aber noch weiter. Im nächsten Schritt sind prozeßrechtliche Fragen zu erörtern. Es gilt die alte Weisheit, daß Prozesse mit dem Prozeßrecht gewonnen werden, was nicht übertrieben ist. Jäger sagen: "Der Lauf schießt, der Schaft trifft!" Dies ist dasselbe Phänomen nur anders ausgedrückt.

In der prozessualen Analyse werden Fragen erörtert und abgeklärt, die sich darauf beziehen, wer z.B. klagen soll, bei welchem Gericht geklagt werden soll, was eingeklagt werden soll und mit welcher Klageart. Ganz im Mittelpunkt steht hier die Frage nach der Beweisbarkeit von Tatsachen, sofern diese bestritten werden könnten. Es muß herausgefunden werden, ob und welche Beweismittel zur Verfügung stehen, von denen es nur fünf zugelassene Arten gibt. Der Zeugenbeweis ist sicherlich der wichtigste und bekannteste.

Aus allem ergibt sich die Notwendigkeit und das Ergebnis der Analyse. Diese beantwortet die Frage: "wer will was von wem aus welchem Rechtsgrund, und wo und wie kann dies mit welchen Beweismitteln geltend gemacht werden?" Erst wenn diese Analyse einen hinreichend sicheren Weg aufzeigt, können weitere Schritte unternommen werden.

Anwälte haben die Verpflichtung, den "sichersten" Weg zu beschreiten.

Ein weiterer Punkt sind die Kosten. Auch diese Fragen sind sorgfältig zu erörtern, da es verschiedene Möglichkeiten gibt, die unmittelbare Auswirkung auf die Kosten haben. Hier wird viel gesündigt, und für den Auftraggeber ist nicht unmittelbar erkennbar, daß Kosten "geschunden" werden. Leider ist dies immer wieder in verblüffender Weise festzustellen. Schon die Fairness erfordert daher eine umfassende Aufklärung und Beratung.

Etwas einfacher ist es für den Mandanten, wenn eine Rechtsschutzversicherung besteht. Aber auch hier lauern Gefahren, da eine solche Versicherung bei weitem nicht alles abdeckt, was im Leben Rechtsprobleme erzeugt. Man tut daher gut daran, seinen Fall vorher mit der Versicherung abzuklären und möglichst schon mit Schaden-Nummer und Kostenzusage zum Anwalt zu gehen.

 wird fortgesetzt